Prof. Dr. Hans-Jürgen Urban (Honorarprofessor für Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Mit-Herausgeber der Blätter für deutsche und internationale Politik)
Die Klage über die Krise der deutschen Wirtschaft ist in aller Munde. Unzweifelhaft spielen externe Schocks und nicht vorhersehbare Verwerfungen wie die Folgen des Irankrieg und die Blockade der Straße von Hormus eine wichtige Rolle bei der Suche nach den Krisenursachen. Doch das Übel gründet tiefer. Eine genauere Betrachtung zeigt: die Krise des deutschen Kapitalismus ist weit mehr als eine der bekannten Konjunktur- oder Strukturkrise, wie sie in kapitalistischen Ökonomien immer wieder vorkommen. Sie resultiert aus strukturellen Brüchen des sozio-ökonomischen Entwicklungsmodells, das die deutsche Gesellschaft über Jahrzehnte getragen und den Gewerkschaften Spielräume für historisch einmalige soziale Errungenschaften eröffnet hat. Alle vier Stützen dieses industriebasierten, exportorientierten, korporatistisch regulierten und fossil fundierten Entwicklungsmodells erodieren. (Urban 2026)
Der Deutsche Kapitalismus als Auslaufmodell
Die deutsche Industrie konnte ihren hohen Anteil an der Bruttowertschöpfung lange durch technologischen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern und einen hohen Grad an Spezialisierung aufrechterhalten. Doch insbesondere im Automobil- und Maschinenbau haben die Industrien anderer Staaten (insbesondere China) inzwischen große Technologiesprünge und Spezialisierungszuwächse vorzuweisen, wodurch die deutsche Wirtschaft ihre bisherigen Vorteile zusehends verliert. Zweifelsohne ist die Warnung vor einer drohenden De-Industrialisierung nicht selten eine Lobbyerzählung, hinter der sich interessengeleitet die Forderung nach einer Politik der Steuer- und Arbeitskostenentlastung verbirgt. Doch die Krise der deutschen Industrie und die Gefahr drastischer Verluste an industrieller Wertschöpfung sind real. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldete jüngst den Verlust von 177 000 Arbeitsplätzen im Jahr 2025. (Pressemitteilung des IAB Nr. 26/2026 vom 15. Juli 2026) Dabei ist offensichtlich, dass die Industrieschwäche die Entwicklung der gesamten Binnenwirtschaft belastet.
Seit geraumer Zeit hat sich zugleich das internationale Umfeld der Industrie grundlegend verändert. Die »geoökonomische Fragmentierung« (IWF) globaler Märkte erweist sich nicht nur als Gefahrenherd für einen regelbasierten Multilateralismus, sie bremst zugleich den internationalen Handel und die heiß gelaufene „Hyper-Globalisierung“ (Dani Rodrik) Diese Entwicklungen beeinträchtigen den deutschen Export empfindlich. Er hat sich sichtbar von den Konjunkturentwicklungen im Euro-Raum, in den USA und in China entkoppelt. (SVR 2025: 47f.) Neben preislichen und technologischen Wettbewerbsproblemen häufen sich überkonjunkturelle Schwierigkeiten. Stabile Wertschöpfungsketten werden brüchig und Kostenvorteile durch Verlagerungen ins kostengünstigere Ausland gehen verloren. Mitunter schwer kalkulierbare Reaktionen der Regierungen auf als unfair empfundene Handelspraktiken (siehe die erratische Zoll-Politik der Trump-Administration) erzeugen Unsicherheiten, nagen an der Attraktivität etablierter Exportmärkte oder führen zu Produktionsproblemen aufgrund von ausbleibenden Vorprodukten.
Im Kontext der ökonomischen Krisen scheint auch das Modell sozialfriedlicher Konfliktregulierung zu erodieren. Seit etwa Mitte der 1990er Jahre ist zu beobachten, wie Tarifbindung und betriebliche Interessenvertretung durch Betriebs- und Personalräte schleichend, aber kontinuierlich an Reichweite einbüßen. Die Branchentarifbindung sank zwischen 1996 und 2024 von 67 auf 41 Prozent, wobei diese Entwicklung weitgehend auf den Rückgang in der Privatwirtschaft (von 63 auf 33 Prozent) zurückzuführen ist. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der betrieblichen Mitbestimmung durch Betriebsräte. Sie bildet neben der Tarifbindung die zweite Säule des deutschen Systems konfliktpartnerschaftlicher Arbeitsbeziehungen. Hier sank die Zahl der Beschäftigten, die in Unternehmen mit Betriebsrat arbeiten, im selben Zeitraum von knapp 50 Prozent auf knapp 37 Prozent. (Hohendanner/Kohaut 2025) Diese Entwicklung ist nicht zuletzt auf ein immer aggressiveres Agieren der Arbeitgeber zurückzuführen. Selbst die eher wirtschaftsliberale Frankfurter Allgemeine Zeitung stellt unter der Überschrift „Brüchige Sozialpartnerschaft“ zeitdiagnostisch fest: „Überall treffen Arbeitnehmervertreter auf eine neue Entschlossenheit in den Vorstandsetagen, Arbeitsplätze abzubauen, Fabriken zu schließen und Produktion ins Ausland zu verlagern“. (FAZ vom 14.08.2025) Tarifflucht und Behinderungen von Betriebsratsgründungen sind längst keine Ausnahme mehr. (Behrens/Dribbusch 2024) In der Automobilindustrie zeigt sich eine neue Konfliktorientierung der Vorstände. Durch die Aufkündigung von Tarifverträgen und Beschäftigungszusagen sollen die Kosten von Absatzkrisen und Transformation den Arbeitnehmern aufgebürdet werden. Vergrößert werden die sozialen Risiken für die abhängig Beschäftigten durch eine Politik, die auf eine Flexibilisierung der Arbeitsmärkte sowie der Arbeits- und Sozialkostenreduzierung setzt.
Der vielleicht tiefste Einschnitt für den deutschen Kapitalismus ist jedoch mit der Krise des Energiesystems verbunden. Zum einen haben geoökonomische Fragmentierung und geopolitische Friktionen zu rasanten Preisanstiegen bei Öl und Erdgas geführt. Diese lasten schwer auf der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrie. Doch noch bedeutender ist, dass das fossile Wachstumsmodell immer weniger mit den Nachhaltigkeitserfordernissen der Natur in Übereinstimmung zu bringen ist. Der entwickelte Kapitalismus, auch der deutsche, hat sich in ein Dilemma hineinmanövriert. Das fossile Wachstum lieferte lange die Wertschöpfungszuwächse, die über Umverteilungsakteure, wie Sozialstaat und Gewerkschaften in soziale Wohlfahrt transformiert wurden. Aber heute generiert dieses Wachstum höhere Kosten als es Nutzen stiftet, was sich unübersehbar in der Klimakrise bemerkbar macht. Hinzu kommt, dass der einstige Wohlfahrtsstaats-Kapitalismus in den vergangenen drei Jahrzehnten durch die neoliberale »Konterrevolution« (Milton Friedman) erheblich beschädigt wurde. Der Sozialstaat wurde um- und rückgebaut, die Gewerkschaften wurden geschwächt und in der Folge funktionierte der Mechanismus der politischen Wohlfahrtsproduktion nicht mehr in der gewohnten Form. Immer größere Wertschöpfungsteile wurden nicht wohlfahrtsfördernd umverteilt, sondern landeten auf den Konten der ökonomischen Eliten. Wirtschaftswachstum schafft immer weniger Verteilungsgerechtigkeit, zerstört aber immer mehr seine natürlichen Grundlagen.
Kurzum, der Gegenwartskapitalismus deutscher Prägung ist in eine im eigentlichen Wortsinn fundamentale Krise geraten. Ihr Zentrum befindet sich im Fundament der Wirtschaft, an ihrer fossilen Energiebasis. Sie erfasst den Kern des fossilen Wachstumsmodells und damit die gesamte Produktions- und Lebensweise.
Wirtschaftspolitische Interventionen als Erfolgsbedingungen
Die Korrektur dieser Fehlentwicklungen und die unverzichtbare Überleitung des Deutschen Kapitalismus in Richtung eines neuen, sozial und ökologisch nachhaltigen Entwicklungsmodells wird ohne staatliche Interventionen in Betriebe und Märkte kaum gelingen. Jedenfalls nicht, wenn Branchenkrisen, massenhafter Beschäftigungsabbau und sozialen Verwerfungen nicht sehenden Auges in Kauf genommen werden sollen.
Zweifelsohne ist allein die Dekarbonisierung des Produktionsmodells, insbesondere der industriellen Wertschöpfung, eine Aufgabe historischen Ausmaßes, die profitfixierte Unternehmen und unregulierte Märkte schlichtweg überfordert. Aber sie bleibt unverzichtbar. Um die Naturschäden wirtschaftlicher Entwicklung zu reduzieren und einer nachhaltigen Industrie eine Zukunftsoption zu eröffnen, sind weitgehende Umbaumaßnahmen notwendig, die sich nicht aus betriebs- oder marktwirtschaftlichen Logiken ergeben, sondern der Wirtschaft von außen vorgegeben werden müssen. (Lehndorff 2024) Aufgrund ihrer Bedeutung für den gesamtwirtschaftlichen Reproduktionsprozess, aber auch aufgrund der hohen CO2-Intensität von Produktionsverfahren und Produkten kommt der industriellen Wertschöpfung einschließlich der vor- und nachgelagerten Bereiche der Grundstoff-, Logistik- und Informationstechnologien für den ökologischen Umbau der Produktionsweise eine besondere Bedeutung zu. Scheitert der Weg in den grünen Stahl, die Elektro-Mobilität sowie die ressourcenschonende Recycling- und Kreislaufwirtschaft, scheitert die ökologische Transformation insgesamt.
Ein solches Scheitern ist umso wahrscheinlicher, je mehr der Umbau Unternehmen oder einer wirtschaftsliberalen Politik überlassen wird. Aufgrund hoher Anlaufinvestitionen und Marktunsicherheiten sind dekarbonisierte Produkte und Produktionsverfahren bis zur Universalisierung von Kostenstrukturen und zur Schaffung grüner Märkte selten profitabel. Zu einem lukrativen Geschäftsmodell werden sie dann erst durch staatliche Flankierungen in Form von Investitionshilfen und der Schaffung grüner Märkte. Wirtschaftsliberale Dogmen von freien Unternehmensentscheidungen und unregulierten Märkten blockieren eine solche Politik. Gefordert ist ein wirtschaftspolitischer Staatsinterventionismus, der betriebliche und wirtschaftspolitische Entscheidungen demokratisiert und auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit ausrichtet; und der sicherstellt, dass staatliche Hilfen der Sicherung von Einkommen und Beschäftigung in Transformationsbranchen dienen und nicht in Vorstands-Boni und Aktionärs-Dividenden umgeleitet werden.
Betrieblicher Despotismus oder Demokratisierung von Arbeit?
Die Demokratisierung von Wirtschaft und Betrieben erweist sich damit als Bedingung für eine gelingende Transformation. Es geht um belastbare Eingriffsrechte in jenen Sektoren, die im kapitalistischen Wirtschaftsmodell bisher Kapitaleignern oder Märkten vorbehalten bleiben. Das betrifft Entscheidungen über Produkte, Investitionen, Gewinnverwendungen und Eigentümer:innenstrukturen. Diese Einflussnahme kann sich über Formen direkter Teilhabe einzelner Beschäftigter oder Beschäftigtengruppen an Prozess- und Strukturentscheidungen im Unternehmen vollziehen. Zugleich muss sie über die traditionelle Arbeit in den Betriebs- und Aufsichtsräten ausgeübt werden. Beide Wege der Einflussnahme erweitern und vertiefen die Teilhabe der abhängigen Arbeit und müssen mit belastbarer Konfliktfähigkeit unterlegt werden.
Dabei sind individuelle Partizipation und kollektive Mitbestimmung auch für die Unternehmen von Vorteil. Sie ermöglichen die Einbeziehung des arbeitsweltlichen Alltagswissens der Beschäftigten um formelle und informelle betriebliche Prozesse oder um Zulieferprobleme und Kundenpräferenzen, das gerade in betrieblichen Restrukturierungsphasen und der Phase der ökologischen Transformation produktiv werden kann. Und schließlich: Beteiligung fördert Zustimmung. Die Einbeziehung von Beschäftigten und Betriebsräten mag Entscheidungsphasen verlängern, aber sie verkürzt die Umsetzungsphasen für gemeinsam getroffene Entscheidungen, da sie Widerstände und Konfliktkosten vermeidet. Sicherlich droht bei Beschäftigtenbeteiligung auch eine Vereinnahmung durch die Unternehmen für wettbewerbspolitische Ziele, was die Gegenwehr gegen Arbeitsintensität und Beschäftigungsrisiken blockieren kann. Doch strategisch aktiviert können die Kompetenz-, Korrektur- und Zustimmungsfunktionen reale Partizipation und Mitbestimmung zu einer betrieblichen Produktivkraft machen.
Dass Unternehmen dennoch oft auf diese Produktivkraft verzichten und in der Krise der Widerstand der Vorstände gegen mehr Partizipation und Mitbestimmung oftmals eher wächst, ist kein Zufall. Ein demokratisches Verständnis von Arbeitsrechten kollidiert mit einem Strukturprinzip kapitalistischer Unternehmen: dem betrieblichen Autoritarismus. Schon in einer frühen Entwicklungsphase des Kapitalismus hat Friedrich Engels den betrieblichen Autoritarismus mit drastischen Worten gegeißelt: „Die Sklaverei, in der die Bourgeoisie das Proletariat gefesselt hält, kommt nirgends deutlicher ans Tageslicht als im Fabriksystem. Hier hört alle Freiheit rechtlich und faktisch auf. […] Hier ist der Fabrikant absoluter Gesetzgeber. Er erlässt Fabrikregulationen, wie er Lust hat; er ändert und macht Zusätze an seinem Kodex, wie es ihm beliebt.“ (Engels 1062: 398f.) Auch Karl Marx hat in seiner Kritik der politischen Ökonomie auf das „ängstliche Auge des Kapitalisten“ verwiesen, mit dem er oder seine Beauftragten darüber wachen, dass die Transformation der gekauften Arbeitskraft in mehrwertschaffende Arbeit wirklich stattfindet. Da die Kooperation vieler Arbeiter:innen entsprechende Koordination erfordert und der Kapitalist immer mit individuellem oder kollektivem Widerstand der ausgebeuteten Arbeit rechnen muss, wird die Überwachung der Arbeiter:innen zur Notwendigkeit, „zu einer wirklichen Produktionsbedingung.“ Das ist gemeint, wenn Marx den kapitalistischen Produktionsprozess, der zugleich Arbeits- und Verwertungsprozess ist, als „der Form nach despotisch“ bezeichnet. (Marx 1962: 199, 350 und 351)
Auch wenn die Kämpfe der organisierten Arbeit um Arbeitsrechte, Mitbestimmung und Sozialstandards die Lage der Beschäftigten auf eine höhere Stufe gehoben haben und der Begriff der betrieblichen Despotie heute mitunter etwas wuchtig erscheinen mag – die autoritäre Grundstruktur hat der kapitalistische Betrieb nicht abschütteln können. Zwar haben sich autoritäre Anweisungen in betrieblichen Hierarchien vielfach Methoden der marktvermittelten Kontrolle oder der indirekten Steuerung gewichen, aber von wirklicher Demokratie, also einer betrieblichen Gesellschaft, in der die Belegschaft herrscht und alle Macht von dieser ausgeht, sind kapitalistische Betriebe auch im 21. Jahrhundert weit entfernt. Dabei sind Partizipation am Arbeitsplatz und Mitbestimmung in den Institutionen, erweitert um die neuen Einflusskanäle, in einem doppelten Sinne produktiv. Sie sind Voraussetzungen und Essentials eines sozialökologischen Transformationsprozesses, in dem die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen die Restriktionen kapitalistischer Eigentumsrechte überwinden. Und sie sind zugleich betriebliche Demokratietrainings gegen die autoritären Zumutungen der allgemeinen Rechtsentwicklung. Diesen demokratiepolitischen Zusatznutzen betrieblicher Partizipation und Mitbestimmung gilt es gerade in Zeiten zu aktivieren, in denen sich der rechte Autoritarismus in allen Sphären der Gesellschaft auf dem Vormarsch befindet. Dies fordert auch die gewerkschaftliche Betriebspolitik. Nicht Stellvertreterpolitik, sondern eine offensive Ermöglichungspolitik, die Betroffene zu Subjekten der Veränderung macht und damit positive Demokratieerfahrungen organisiert, stärkt die Demokratiekompetenz der Beschäftigten, die sich auch außerhalb der Betriebe als Fähigkeit zur aktiven Einflussnahme auf die eigenen Lebensumstände realisieren kann.
Ausblick
Angesichts der historischen Aufgabe der Überführung des Deutschen Kapitalismus in ein neues Entwicklungsmodell zeigt sich die ganze Hilflosigkeit und Destruktivität einer Politik deutlich, die in überkommene Konzepte des Arbeitsplatz- und Sozialabbaus zurückfällt, anstatt über soziale und ökologische Innovationen in eine solidarische Reformära einzusteigen. Was in jüngster Zeit unter dem Rubrum „Sozialreformen“ verhandelt wird, besitzt im Kern vor allem eine verteilungspolitische Schlagseite zulasten der abhängig Arbeitenden. Vor allem in der gesetzlichen Rentenversicherung sollen nicht nur die Regelaltersgrenzen angehoben, das Rentenniveau abgesenkt und einschlägige Wege des vorzeitigen Übergangs in den Ruhestand (ohne versicherungstechnische Abschläge) versperrt werden. Zugleich wird die Einführung einer Kapitalrente, die sich über private und schwankende Finanzmärkte refinanzieren muss, die Volatilitäten dieser Märkte in ein Sozialsystem einführen, das besonders auf Verlässlichkeit angewiesen ist. (Blank/Dullien/Stein 2026) Nicht mehr Sicherheit, sondern mehr Unwägbarkeiten werden in einer historischen Phase zunehmen, in der eigentlich Sicherheit und Verlässlichkeit gefragt sind.
Allzulange dürfte die Gesellschaft die Brüche und Verwerfungen, die mit dieser politischen Fehlorientierungen einhergehen, nicht schadlos überstehen. Gerade in krisengeschüttelten Umbruchphasen erweist sich der Verzicht auf die demokratiestützende Wirkung einer partizipativen Arbeitspolitik in den Betrieb und sozialstaatlicher Solidarität in der Gesellschaft als höchst als riskant. (Urban 2024, Albert u.a. 2025) Sollten Zukunftsängste und Misstrauen in die Problemlösungsfähigkeit der Politik weiter anwachsen, dürfte dies den menschenfeindlichen Rechts-Autoritarismus, der sich in vielen Gesellschaften des Gegenwartskapitalismus ausbreitet, weiter stärken. Die Folgen für Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie wären fatal.
Literatur:
Behrens, Martin/Dribbusch, Heiner (2024), Mitbestimmung bleibt umkämpft. Ergebnisse der vierten Befragung zur Be- und Verhinderung von Betriebsratswahlen, in: WSI-Mitteilungen, H. 6, S. 467-476.
Blank, Florian/Dullien, Sebastian/Stein, Ulrike (2026), Empfehlungen der Rentenkommission bergen Risiken und Nebenwirkungen. Teilweise Umstellung auf Kapitaldeckung gefährdet Wirtschaftswachstum und soziale Sicherung. WSI Policy Brief Nr. 99, Düsseldorf.
Engels, Friedrich (1962), Die Lage der arbeitenden Klasse in England, in: Marx/Engels-Werke, Bd. 2, Berlin 1962, S. 225-506, hier: S. 398f.
Marx, Karl (1962), Das Kapital. Kritik der Politischen Ökonomie. Erster Band, in: Marx-Engels-Werke, Bd. 23, Berlin 1962, S. 199, 350 und 351.
Lehndorff, Steffen (2024), Sozial-ökologische Transformation der Industrie und die Rolle der Gewerkschaften: Politikfelder und Praxis-Ansätze, in: Vierteljahresheft zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung, H. 4, S. 501-522.
Hohendanner, Christian/Kohaut, Susanne (2025), Tarifbindung und betriebliche Mitbestimmung: keine Trendwende in Sicht, iab-forum.de, 30.5.2025.
Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR), Frühjahrs-Gutachten 2025.
Urban, Hans-Jürgen (2024), Gute Arbeit gegen rechts. Hamburg.
Urban, Hans-Jürgen (2025), Demokratie als Transformationsressource. Über Regression, Resilienz und Progression in der kapitalistischen Demokratie, in: Manfred Wannöffel et al. (Hrsg.), Mitbestimmung und Partizipation 2030. Demokratische Perspektiven auf Arbeit und Beschäftigung. Baden-Baden, S. 29-45.
Literatur zum Weiterlesen:
Albert, Anika C./ Brink, Alexander/Hollstein, Bettina/Hübscher, Marc (Hrsg.) (2025), Haltung zeigen – Demokratie stärken. Wirtschafts- und unternehmensethische Perspektiven. Sonderband der Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik (Journal for Bussines, Economics & Ethic). Baden Baden.
Urban, Hans-Jürgen (2026), Abschied vom Deutschen Kapitalismus. Vom fossilen zum demokratischen Wachstum, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, H. 7, S. 109-117.
Wannöffel, Manfred/Hoose, Fabian/Niewerth, Claudia/Urban, Hans-Jürgen (Hrsg.), Mitbestimmung und Partizipation 2030. Demokratische Perspektiven auf Arbeit und Beschäftigung. Baden-Baden.



