Einträge von Dr. Bernd Kaßebaum

Editorial: Arbeit, Ausbildung und Demokratie

Die jüngsten Ergebnisse der Landtagswahlen und hier insbesondere die hohen Zustimmungswerte für die AfD – auch und insbesondere unter Arbeitnehmer:innen – haben viele zu Recht aufgeschreckt. Was sagen diese Wahlergebnisse über den Zustand unserer Gesellschaft, über den Zustand der Parteien und den Zustand der Demokratie aus? Wir sind Zeitzeugen eines gesellschaftlichen Epochenbruchs, in der sich autoritäre Politikmuster global, in Europa und auch in Deutschland ausbreiten und aus unterschiedlichen Gründen viel Zustimmung finden.

Helena Kaiser, Bernd Kaßebaum: Gestaltungsorientierte Berufsbildung – Ein Beitrag zur Demokratisierung der Arbeitswelt

In ihrem gemeinsamen Beitrag zur „gestaltungsorientierten Berufsbildung“ stellen Helena Kaiser und Bernd Kaßebaum das von Felix Rauner, Martin Fischer, Thomas Vollmer u.a. entwickelte Konzept der gestaltungsorientierten Berufsbildung vor. Insbesondere Felix Rauner sah einen engen Zusammenhang zwischen der sozialen Gestaltung von Arbeit und Technik und der Berufsbildung. Sie diskutieren die Bedeutung dieses Ansatzes unter den aktuellen Rahmenbedingungen, fragen nach den rechtlichen Voraussetzungen im Berufsbildungsgesetz und der Empfehlungen durch die Kultusministerkonferenz. Sie stellen Beispiele möglicher Umsetzung in der Ausbildungspraxis vor und erörtern die Möglichkeiten und Grenzen für mehr Beteiligung in der Arbeitswelt und für die betriebliche Mitbestimmung.

Editorial: Chancenstrukturen und Selektion beim Hochschulzugang und im Studium

Bereits seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert ist bekannt und bildungs- und gesellschaftspolitisch umstritten, dass die Chance, ein Studium aufzunehmen, in hohem Maße von der sozialen Herkunft abhängt. Die soziale Ungleichheit beim Zugang zu bzw. in der Beteiligung an Hochschulbildung ist ein in den letzten Jahrzehnten immer wieder – in gewissen Wellen, oft im Kontext eines vorhandenen oder bevorstehenden Fachkräftemangels – thematisiertes Problem. Es hat keineswegs an Aktualität verloren trotz des massiven sozialstrukturellen und bildungspolitischen Wandels, der sich seit jener Zeit vollzogen hat.

Editorial: Berufs- und erwerbsbiografische Orientierungen im Lebenslauf

Erwerbsarbeit verändert sich. Aber auch das Verständnis und der Stellenwert von Arbeit im Leben der Menschen wandeln sich sowohl im gesellschaftlichen Prozess wie auch in den Lebensläufen der Individuen. Unterschiedliche Phänomene mögen dies veranschaulichen. Zu nennen sind die umfassende Digitalisierung der Arbeit und die weitreichenden Veränderungen durch Künstliche Intelligenz. Zudem stellen der Klimawandel und der damit verbundene ökologische Transformationsprozess neue Herausforderungen an Beschäftigung, Bildung und Gesellschaft.

Editorial: Klimakrise und Nachhaltigkeit in und durch Berufsbildung

Wir verfolgen mit dieser Veröffentlichung verschiedene Ziele. Im Kern möchten wir auf die vielschichtige Rolle der beruflichen Bildung und die Anforderungen und Perspektiven von Gewerkschaften eingehen. Wir verbinden hierbei konzeptionelle und theoretische sowie praktische Fragestellungen der beruflichen Bildung und des gewerkschaftlichen Handelns zur Nachhaltigkeit.

Editorial: Zwischen Erinnerung und Perspektiven

Am 07. März 1972 verabschiedete der DGB die „Bildungspolitischen Grundsätze“, mit denen die Gewerkschaften umfassende Reformen in der Bildungspolitik zur Diskussion stellte und als Forderung an Staat und Gesellschaft richtete. Dieser Beschluss enthielt weitreichende Vorstellungen für das Bildungssystem wie für seine Teilbereiche. In nachfolgenden Beschlüssen wurden zusätzliche Konkretisierungen beschlossen: so bereits einen Monat später die „Forderungen des DGB zur beruflichen Bildung“; im Mai 1973 folgten die „Forderungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes zur Hochschulreform“ und 1978 ergänzend die „Leitsätze des DGB zur Studienreform“; 1977 verabschiedete der DGB „Leitsätze zur Arbeitslehre“; ebenfalls 1978 folgten die „Grundsätze und Forderungen des DGB zur Weiterbildung“ und 1979 erschienen Leitsätzen zur Gestaltung des zehnten Schuljahres in der Hauptschule.

Dr. Bernd Kaßebaum: Erinnerung und Aufforderung: Die Vorschläge des Deutschen Gewerkschaftsbundes zur Bildungsreform von 1972ff

In diesem Beitrag werden die damaligen Beschlüsse des DGB vorzustellen und das sich dahinter verbergende Konzept von Bildungsreform, die zentralen Forderungen, Leitsätze, Prinzipien und Begründungszusammenhänge sichtbar gemacht. Dabei geht es einerseits um die Genese der Forderungen, die sich aus der Debatte in den sechziger Jahren ableiten lassen, aber auch um den Verlauf der Reform in den nachfolgenden Jahren. Es werden die Zusammenhänge zur gesellschaftlichen Debatte sichtbar, etwa zu den Vorschlägen des Bildungsrats und zum Bildungsgesamtplan. Ein Ausblick befasst sich mit der Frage, welche Bedeutung die Forderungen für die gegenwärtige Debatte haben könnten.

Editorial: Was Leserinnen und Leser von dieser Ausgabe erwarten dürfen

Mit dem Schlagwort der „Künstlichen Intelligenz“ erhält die Diskussion über Ursachen und Folgen der Digitalisierung einen neuen Schwung. Auf Betriebe und Gesellschaft kommt eine neue Debatte zu. Dabei wurde schon vor Jahrzehnten über künstliche Intelligenz geschrieben und geforscht. Wir haben in den letzten Jahren allerdings erfahren und gelernt, dass zu unterscheiden ist zwischen dem, was versprochen und angekündigt wird, und dem was tatsächlich an realen Veränderungen zu erwarten ist bzw. sich aufgrund bestimmbarer sozialer und ökonomischer Rahmenbedingungen und Interessen in Betrieben und Gesellschaft durchsetzen wird.

Editorial: Für eine neue Kooperationspraxis

Der Rat wissenschaftlicher Expertinnen und Experten war selten so gefragt wie in dieser von Corona-Epidemie, Klimakatastrophe, digitaler Transformation und von zugespitzten sozialen Krisen geprägten Zeit. Selten war die Bedeutung von Wissenschaft so stark, nimmt sie aufgrund ihrer Expertise Einfluss auf die öffentliche Debatte und auf politische Entscheidungen. Selten wurde aber – und dies ist die Kehrseite – wissenschaftliche Forschung in Öffentlichkeit und Politik so kontrovers diskutiert, in Frage gestellt oder durch Wellen von Fake-News relativiert. Politische und wissenschaftliche Öffentlichkeit sind durch die sozialen Medien einem weitreichenden Wandel unterworfen.

In dieser Ausgabe soll es um einen Aspekt der aktuellen Debatte um die gesellschaftliche Funktion von Wissenschaft gehen, nämlich um das Verhältnis von Wissenschaft und sozialer Praxis, speziell um das Verhältnis von Wissenschaft und Gewerkschaften.