Wir brauchen Regeln für die Finanzaufsicht

Von: Prof. Dr. Werner Widuckel (Lehrstuhlinhaber in Erlangen-Nürnberg)

Prof. Dr. Werner Widuckel

Lehrstuhlinhaber in Erlangen-Nürnberg

Prof. Dr. Werner Widuckel  ist in Salzgitter geboren, er lebt jetzt in Bayern in Karlskron. 1977 machte er seinen Zivildienst im Stadtkrankenhaus Wolfsburg, danach war er Produktionsarbeiter bei der Volkswagen AG. Er war zwischen 1985 als leitender und koordinierender Referent des Gesamt- und Konzernbetriebsrat der Volkswagen AG tätig sowie zwischen 2005 und 2010 Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Audi AG.  Widuckel war auch immer wissenschaftlich tätig und zwar seit 1998 als Lehrbeauftragter an der Universität Braunschweig ...
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Das deutsche Bruttosozialprodukt sank im Zuge der Finanzmarkt-Krise.  Allein im Metallbereich sind hundertausende Menschen in Kurzarbeit. Die AUDI AG scheint die Krise relativ gut zu meistern. denk-doch-mal-Redaktionsmitglied Gerhard Endres sprach am Rande einer IG Metall Tagung am Starnberger See mit Dr. Wener Widuckel, Vorstandsmitglied für Personal und Sozialwesen der AUDI AG in Ingolstadt.

Denk-doch-mal.de:  Die Finanzmarktkrise hat Folgen für die Industrie, speziell auch auf die Automobilindustrie. Wie sind aus ihrer Sicht die Auswirkungen?

Widuckel: Die Finanzkrise hat dazu geführt, dass alle Märkte für Waren und Güter erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Sie hat eine Krise auf den Automobilmärkten ausgelöst und damit unsere Absatz- und Vertriebserwartungen erheblich reduziert. Das hat uns unter einen erheblich größeren Wettbewerbsdruck gesetzt. Das bedeutet für uns, dass sich die Refinanzierungsmöglichkeiten für Leasing-Geschäfte deutlich verändern haben und sich der Wettbewerbsdruck weiter erhöht hat. Je teurer das Geld für Leasing-Angebote wird, desto mehr muss der Kunde bezahlen und um so schwieriger wird der Absatz im Wettbewerb.

Denk-doch-mal.de: Welche Konsequenzen müssten gezogen werden?

Widuckel: Wir müssen nicht nur über Folgerungen nachdenken, sondern wir müssen sicher mehr Ordnung und Strukturen im Finanz-und Kapitalmarkt schaffen. Ich finde das Bild von Helmut Schmidt sehr gut, so wie der Straßenverkehr seine Regelungen braucht, so braucht es der Kapitalmarkt auch. Nach meiner Einschätzung müssen Finanzprodukte vom Markt genommen werden, die schlichtweg in ihren Wirkungen unkalkulierbar sind und die keiner mehr durchschaut.

Denk-doch-mal.de: Welche Rolle hat der Staat?

Widuckel: Der Staat hat hier eine wichtige Funktion, das er für die Kapitalverkehrsregeln zuständig ist. Wenn wir von Staat reden, werden nationalstaatliche Regelungen nicht ausreichen. Es ist ganz wichtig, dass die Staaten, die über die großen Finanzplätze New York, London, Tokio und Frankfurt bestimmen, sich über gemeinsame Regulierungen einigen. Zusätzlich brauchen wir gleiche Spielregeln bei der Finanzaufsicht wie bei der Aufsicht der Banken.

Denk-doch-mal.de: Die Automobilindustrie steht im internationalen Wettbewerb. Soll der Staat hier etwas tun?
Widuckel: Ich halte Anreizfunktionen, um neue Technologien marktfähig zu machen, für sehr wichtig. Das Beispiel der regnerativen Energien zeigt, dass sie ohne das Energieeinspeisungsgesetz sicher nicht den Anteil an der Stromerzeugung hätten, wie ihn die regenerativen Energie heute hat. Der Markteintritt von elektrifizierten Antrieben ist ein ganz entscheidender Faktor. Die Veränderung der Antriebstechniken wäre natürlich auch ein Innovationsschub für den Industriestandort Deutschland. Mit staatlicher Innovationsförderung kann aus einer innovativen Kleinserie eine Großserie entstehen.

Zur Person ...

Dr. Werner Widuckel wurde am 23. Oktober 1958 in Salzgitter (Niedersachsen) geboren.  Nach dem Abitur 1977 in Wolfsburg arbeitete Dr, Widuckel in der Produktion bei Volkswagen im Wolfsburg, bevor er 1979 das Studium der Sozialwissenschaften an der Universität Göttingen begann. 1984 machte er den Abschluss zum Diplom-Sozialwirt. Im Anschluss daran war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Soziologischen Seminar der Universität Göttingen 2003 promovierte er an der Technischen Universität in Braunschweig zum Dr. rer. pol.. Seine berufliche Laufbahn begann Herr Dr. Widuckel 1985 als Referent beim Gesamt-und Konzernbetriebsrat der Volkswagen AG. 1991 wurde er Leiter der Koordination des Europäischen Konzernbetriebsrats sowie des Gesamt-und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG. Von 2005 an war Herr Dr. Widuckel Leiter der „Personalpolitik und Grundsatzfragen“ innerhalb des Geschäftsbereichs Personal-und Sozialwesen der AUDI AG in Ingolstadt. Seit 8.Dezember 2005 ist Dr. Werner Widuckel Mitglied des Vorstands der AUDI AG, verantwortlich für den Geschäftsbereich Personal-und Sozialwesen.