Wesentliches Bindeglied zwischen Gesellschaft und Ökonomie

Von: Prof. Dr. Werner Widuckel (Lehrstuhlinhaber in Erlangen-Nürnberg)

Prof. Dr. Werner Widuckel

Lehrstuhlinhaber in Erlangen-Nürnberg

Prof. Dr. Werner Widuckel  ist in Salzgitter geboren, er lebt jetzt in Bayern in Karlskron. 1977 machte er seinen Zivildienst im Stadtkrankenhaus Wolfsburg, danach war er Produktionsarbeiter bei der Volkswagen AG. Er war zwischen 1985 als leitender und koordinierender Referent des Gesamt- und Konzernbetriebsrat der Volkswagen AG tätig sowie zwischen 2005 und 2010 Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Audi AG.  Widuckel war auch immer wissenschaftlich tätig und zwar seit 1998 als Lehrbeauftragter an der Universität Braunschweig ...
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1. Genossenschaften im real existierenden Kapitalismus

Das Konstrukt einer kollektiven Eigentumsform, die auf der personellen Einheit von Eigentümerkollektiv und Kunden- bzw. Nutzerkollektiv basiert, erscheint in einer ordnungspolitischen Vorstellung von Wirtschaft geradezu dysfunktional,  die auf einer möglichst weitgehenden Handlungsfreiheit von Investoren in einem globalen Handlungsrahmen basiert, um zu möglichst effizienten marktvermittelten Ergebnissen zu gelangen. Aus dieser Perspektive folgt eine Investitionsentscheidung nicht konkreten Nutzenerwägungen, sondern mehr oder weniger rationalen Rentabilitätserwartungen und dem hieraus abgeleiteten Einsatz von Ressourcen. Genossenschaften und ihre Mitglieder binden sich hingegen an einen konkreten Nutzen. Sie sind kollektive Eigentümergemeinschaften, deren Investoren- bzw. Eigentümerzielsetzung sich primär aus diesem konkreten Nutzen ableitet. Das Mitglied einer Wohnungsbaugenossenschaft möchte eine Wohnung nutzen und nicht diese vermarkten.

Der „Ertrag“ der Mitgliedschaft schlägt sich in Nutzungsbedingungen nieder, die hinsichtlich Verfügbarkeit, Qualität und Mietzins günstiger sind als auf dem „freien“ Wohnungsmarkt. Der Grundgedanke genossenschaftlicher Organisation zielt daher auf den Erwerb von Nutzungsrechten jenseits einer Allokation durch Märkte ab, die durch den Beitritt in die Genossenschaft ersetzt wird.  Genossenschaftliche Prinzipien  und ein ausschließlich an Renditen orientiertes Investitionskalkül schließen sich somit aus. Eine an den Prinzipien des „Shareholder-Value“  orientierte Effizienzvorstellung vermag deshalb in Genossenschaften  eher eine sozialromantische Nische mit geringer Relevanz  zu sehen, die für die globalen wirtschaftlichen Integrationsprozesse keine Rolle spielt.

Es wäre allerdings voreilig, trotz der dargestellten gegenläufigen Prinzipien von nutzungsorientierter Mitgliedschaft und rentabilitätsorientiertem Investitionskalkül von vorn herein von „zwei Welten“ auszugehen, die keinerlei Verbindung miteinander hätten oder haben könnten. Denn auch Genossenschaften können sich prägenden ökonomischen Grundentwicklungen nicht einfach entziehen und eine „Parallelwelt“ schaffen. Dies zeigen den Genossenschaftsbanken, die einerseits bei der Definition bzw. der Beschränkung ihrer Geschäftsziele den Interessen ihres Mitgliederkollektivs verbunden  bleiben, jedoch andererseits veränderten Kapitalmarktbedingungen durch Fusionen und internen Effizienzansprüchen Rechnung tragen müssen.

Energiegenossenschaften wiederum sind abhängig vom Marktdesign für die Preisbildung von Strom. Sie haben dann eine Chance, wenn Preisvorteile im Vergleich zu alternativen Anbietern  entstehen und das Risiko eines preislichen Nachteils kalkulierbar bzw. vermeidbar bleibt. Vor diesem Hintergrund wird erkennbar, dass die genossenschaftliche Lösungen nur dann durchsetzbar sind, wenn sie gegenüber der marktvermittelten Allokation Vorteile  für ihre Mitglieder bzw. Kunden bieten.  Genossenschaften können sich nicht als Selbstzweck behaupten. Potenzielle Vorteile können Genossenschaften daraus ziehen, durch ihre kollektive Struktur und ihre Nutzungsorientierung, Risiken marktvermittelter Allokation für die Mitglieder abzufedern und das Problem unvollständiger Information für die schwächeren Marktteilnehmer zu entschärfen. Natürlich haben beispielsweise die Mitglieder einer Energiegenossenschaft eine andere Einsicht in die Kalkulationsgrundlagen für den Abgabepreis von Strom als Kunden eines Energiekonzern und können diesen Preis auch langfristig festlegen, ohne die Marktmacht eines Anbieters fürchten zu müssen.

2. Genossenschaften in gesellschaftlichen Konfliktfeldern

Diese potenziellen Vorteile von Genossenschaften  lassen sich auch in gesellschaftliche Konfliktfelder einordnen, die die Leitvorstellung einer Wettbewerbsgesellschaft um Investoren und Märkte  infrage stellt („marktkonforme Demokratie“). Diese gesellschaftlichen Konfliktfelder betreffen im Kern die Beziehung zwischen Markt und Staat und die Legitimität sozialer Ungleichheit.  Die Bedeutung von öffentlichen Gütern und der Zugang  zu Teilhabemöglichkeiten jenseits der Vermittlung durch Märkte hat im gesellschaftlichen Diskurs wieder eine stärkere Bedeutung erlangt Die wahrnehmbare Sensibilität um die mögliche Privatisierung der Wasserversorgung ist hierfür genauso ein sichtbarer Ausdruck, wie der Trend zur Rekommunalisierung der Energieversorgung.

daimlerhausDie im Jahr 2008 ausgebrochene Finanz-und Kapitalmarktkrise hat offensichtlich werden lassen, dass Märkte nicht automatisch eine größere Effizienz herstellen, sondern fehlende Rahmenbedingungen und Regulierungen genau das Gegenteil bewirken. Zudem  wirkt eine wachsende Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen eine ökonomisch kontraproduktiv und verschärft gesellschaftliche Konflikte (vgl. J. Stiglitz 2012).  Beklagt wird ebenfalls eine nach wie vor hohe soziale Selektivität des Bildungssystems  in Deutschland sowie eine  Ungerechtigkeit von Teilhabechancen zwischen den Geschlechtern. Der als „Generationenvertrag“ formulierte Konsens um die Altersvorsorge ist brüchig geworden, die sozialen Lebenslagen zwischen überschuldeten und finanziell starken Kommunen driften auseinander.

Dies wirft Fragen nach den Risiken für den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf, die zu einem politischen Wettbewerb um Maßnahmen und Konzeptionen sozialer Gerechtigkeit geführt haben. In dieser Debatte um diese Konzeptionen scheinen zunehmend aber auch zwei weitergehende grundlegendere Fragen auf, die über einzelne Maßnahmen hinausreichen: „Wem und wofür soll Wirtschaft dienen und welcher demokratischen Einflussnahme muss Wirtschaft unterliegen, um  das Versprechen sozialer Teilhabe auf der Grundlage von gerechten Zugangsmöglichkeiten  (z.B. zu Arbeit und Bildung) einlösen zu können?“ Vor dem Hintergrund dieser Fragestellungen haben Genossenschaften einen eigenständigen Stellenwert, der sich aus der Verknüpfung zwischen Mitgliedschaft und Organisationszielsetzung ergibt.

Genossenschaften können im Zusammenhang mit einer teilhabeorientierten Erstellung von Gütern und Dienstleistungen eine Position zwischen rentabilitätsorientierter Marktvermittlung und staatlicher bzw. öffentlicher Bereitstellung einnehmen. Hierbei sind drei Säulen entscheidend: Teilhabe durch Mitgliedschaft, Sicherstellung der Verfügbarkeit des zu erstellenden Gutes und  Wirtschaftlichkeit. Der wirtschaftliche Effizienzanspruch leitet sich sicher nicht aus kapitalmarktorientierten Rentabilitätsansprüchen ab, muss sich aber auch der Maßgabe eines Leistungsanspruchs stellen, dessen Erfüllung die Mitglieder der Genossenschaft erwarten. Hierzu gehört auch die Sicherstellung der Wertentwicklung der Genossenschaftsanteile der Mitglieder. Der Anspruch der Genossenschaft ist, beide Zielsetzungen miteinander in Einklang zu bringen und hierbei aber bewusst auf Rentabilitätspotenziale zu verzichten, die die Qualität und die Preiswürdigkeit des zu erstellenden Gutes gefährden könnten. Genossenschaften stellen somit eine Form der Unternehmensorganisation dar, die Teilhabe, Zugang und wirtschaftliche Effizienz zu verbinden sucht.

Diese drei Zielfelder miteinander in Einklang zu bringen, verlangt Spannungsbeziehungen zu bearbeiten. Deren Ergebnis führt in der Praxis zu unterschiedlichen Ergebnissen mit entsprechenden Folgen für die konkrete Genossenschaft. Dies ist zum einen das Ergebnis unterschiedlicher Genossenschaftstypen (z.B. Einkaufsgenossenschaft, Produktionsgenossenschaft, Dienstleistungsgenossenschaft, Nutzungsgenossenschaft, Genossenschaftsbanken), aber auch hieran anknüpfend unterschiedlicher Erwartungen  und Orientierungen der Akteure. Kann es bei einer Einkaufsgenossenschaft ausreichen, Nachfrage zu bündeln, um Zugänge zu erleichtern, so stellen sich für eine Genossenschaftsbank auch Fragen der Zulässigkeit bestimmter Kapitalanlagen im Vergleich zu Rentabilitätsversprechen von privaten Banken und differenzierten Erwartungen von Mitgliedern und Kunden, die keine Mitglieder sind.  Es hängt daher von strukturellen und subjektiven Voraussetzungen und Bedingungen ab, wie dieser Spannungsfelder bewältigt werden und ist konkret sehr differenziert.

Eine besondere Bedeutung hat in diesem Zusammenhang auch der Stellenwert der Arbeit für die Genossenschaft und die Bedingungen der Beschäftigung der Arbeitnehmer.  So belegen die jüngsten Tarifauseinandersetzungen bei den Genossenschaftsbanken, dass Genossenschaften natürlich keine von Arbeitskonflikten freien Zonen darstellen. Auch in genossenschaftlichen Organisationen können  Verteilungskonflikte entstehen, die allerdings nicht auf Erwartungen von Investoren zurückzuführen sind. Hier besteht ein Spannungsfeld zum Wettbewerb mit konkurrierenden nicht-genossenschaftlichen Unternehmen. Die Konkurrenz gilt Kunden, die nicht zwingend Mitglied der Genossenschaft sein müssen, aber gleichwohl eine wichtige Basis für das Überleben einer Genossenschaft darstellen können.

Zusammenfassend kann daher an dieser Stelle festgehalten werden, dass Genossenschaften grundsätzlich einen alternativen Pfad der Unternehmensorganisation darstellen, der sich nicht an vom Wettbewerb bestimmten  Rentabilitätserwartungen von Investoren orientiert. Dennoch gilt einschränkend,  dass Genossenschaften keine isolierte „Gegenwelt“ repräsentieren, sondern in unterschiedlicher Ausprägung und Intensität diese Alternativpotenziale entfalten können, aber hierbei von marktvermittelten Rentabilitäts- und Wettbewerbsmaßstäben beeinflusst werden. Genossenschaften bieten alternative Zugangs- und Teilhabepotenziale, die über die Marktvermittlung und die einseitige Orientierung an Investorenerwartungen hinausreichen; allerdings wird vor einer überhöhenden Idealisierung gewarnt.

3. Die besondere Aktualität – Energiewende und Wohnungsbau

Die Energiewende und der massive Bedarf an zusätzlichen verfügbaren und bezahlbaren Wohnraum lassen Genossenschaften  und ihre Potenziale wieder verstärkt in den Fokus rücken. Dies ist kein Zufall, können doch Genossenschaften im Wohnungsbau auf eine lange Tradition zurückblicken und  nimmt die Energiewende zusätzliche Chancen zur Dezentralisierung der Energieversorgung in den Blick, die mit einer direkten Bürgerbeteiligung an der Energieversorgung verbunden werden.

3.1 Genossenschaften und Energiewende

Die Energiewende verfolgt explizit die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien, an der gesamten Energieversorgung. Erneuerbare Energien  bieten Chancen, die Produktion von Energien zu dezentralisieren und den Zugang zur Energieversorgung  durch kleinere Produktionseinheiten zu erleichtern. Dies führt zu einem Paradigmenwechsel, der von zentralistischen Produktionsstrukturen weg führt, die von Energieversorgungskonzernen betrieben werden und  den Betrieb kleinerer Produktionseinheiten ermöglicht , die nicht mehr auf die Investitionskraft großer Konzerne angewiesen sind. Die Unternehmensform der Genossenschaft schafft hierbei Voraussetzungen, einer verbreiterten Teilnahme von Bürgerinnen  und Bürger, infolge von überschaubaren Investitionsdimensionen. Genossenschaften können somit ein Instrument der Demokratisierung der Energieversorgung sein, die zum einen die Produktion und den Zugang zu einer zentralen Lebensressource für Bürgerinnen und Bürger öffnet, ohne auf eine große Unternehmenseinheit angewiesen zu sein, die eigene, häufig nicht transparente  Rentabilitätsziele verfolgt.

Darüber hinaus wird die vorhandene Informations- und Machtasymmetrie der Energiemärkte für private Verbraucher vermindert und in Teilen sogar aufgehoben. Zusätzlich entsteht ein Anreiz für Energieeffizienz, da die Mitglieder der Genossenschaft sowohl auf der Produktionsseite, als auch auf der Verbrauchsseite  über Transparenz hinsichtlich der Beeinflussbarkeit von Kosten, Preisen und Verbrauch verfügen, die für Kunden großer Energiekonzerne nicht gegeben ist. Diese Potenziale können allerdings nur durch einen geeigneten energiepolitischen Handlungsrahmen zur Entfaltung gebracht werden, der einen Vorrang für erneuerbare Energien sicherstellt und das Investitionsrisiko der Genossenschaft und seiner Mitglieder kalkulierbar hält. Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, dass Energiegenossenschaften dann  vor großen Herausforderungen stehen, wenn sie nicht ausschließlich für den Eigenverbrauch produzieren. Die Genossenschaft muss sich in diesem Fall der  marktvermittelten Allokation des produzierten Stroms  stellen, die gegebenenfalls zu fallenden Preisen und zu einem Druck auf die Wirtschaftlichkeit der Genossenschaft führt.

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Ohne ein geeignetes Kapazitätsmanagement  mit einer ausreichend auch wirtschaftlich darstellbaren Flexibilität, verbesserten Speichermöglichkeiten und intelligenten Netzen sowie geeigneten Förderinstrumentarien (z.B. Investitionszuschüsse, günstige Finanzierungsbedingungen oder steuerliche Förderung) bliebe  der Einstieg in eine Energiegenossenschaft in einer derartigen Konstellation ein riskantes Unterfangen. Deshalb muss auch hier festgehalten werden, dass der genossenschaftliche Ansatz auf fördernde Rahmenbedingungen angewiesen bleibt. Andererseits bieten Energiegenossenschaften die Chance, eine nachhaltige Energieversorgung und Energieeffizienz zu einer Bürgeraufgabe zu machen, die gesellschaftliche Teilhabe und Gestaltungsmöglichkeiten zumindest in Teilen der Energieversorgung deutlich erweitert. Das Streben nach Energieeffizienz und bürgerschaftliches Engagement werden miteinander verknüpft.

3.2 Genossenschaften und Wohnungsbau

Die in Deutschland zunehmend feststellbare Wohnungsnot wirft Fragen nach den Möglichkeiten, Chancen und Risiken der Schaffung zusätzlichen Wohnraums auf. Der weitgehende politische Rückzug aus der staatlichen Wohnungsbauförderung hat sich als Irrweg erwiesen. Der frei finanzierte Markt bedient bestimmte Nachfragebedürfnisse hinsichtlich Preis und Qualität nicht; zusätzlich hat die Verknappung von Wohnraum zu Mietentwicklungen geführt, die insbesondere in Verdichtungsräumen zu sozialen Konflikten führen.  Angesichts dieser Entwicklung ist es plausibel, die Rolle von Wohnungsgenossenschaften stärken zu wollen, die  angesichts der geschilderten Entwicklungen in weiten Teilen auf die Funktion von Wohnungsverwaltungsgenossenschaften reduziert worden sind. Ähnlich der Energiewende ist gesellschaftlich auch ein Wohnungsbauwende gefordert, die zur unverzichtbaren Befriedigung eines Grundbedürfnisses beitragen soll, die gegenwärtig durch die Marktvermittlung nicht gewährleistet ist. Das Potenzial einer Demokratisierung ist hier ähnlich gegeben wie zuvor für die Energiewende aufgezeigt und unterliegt  einem vergleichbaren Handlungsdruck.

Allerdings muss auch hier auf die Notwendigkeit geeigneter Rahmenbedingungen hingewiesen werden. Das Potenzial genossenschaftlicher Organisation kann für den Wohnungsbau nur unter der Voraussetzung entfaltet werden, dass eine geeignete Strategie und Instrumente zur Wohnungsbauförderung zur Verfügung stehen. Eine ausschließlich Finanzierung über den Kapitalmarkt würde zu Amortisationsansprüchen und Rentabilitätszielen führen, die mit den Ansprüchen an die Bezahlbarkeit von Mieten durch potenzielle Mieter bzw. Nutzer  unvereinbar wären. Auch für den Wohnungsbau müssten Rahmenbedingungen für die Realisierbarkeit der Alternative eines genossenschaftlichen Ansatzes geschaffen werden, die vor allem Kapitalkosten reduzieren. Allerdings zeigt sich auch hier eine Verknüpfung von Effizienz und bürgerschaftlichem Engagement, weil zum einen ein gesellschaftliches Grundbedürfnis im Fokus steht, das zum anderen die Maßgabe der Bezahlbarkeit erfüllen muss, um den Zugang zu dem erstrebten Gut zu sichern.

4. Fazit

Genossenschaften weisen eine sehr unterschiedliche Ausprägung auf, die zwar grundsätzlich eine Alternative zur marktvermittelten Allokation von Gütern darstellen, aber auf jeweils unterschiedliche Weise mit dem durch Wettbewerb geprägten ökonomischen Umfeld verknüpft sind. Genossenschaften bieten allerdings eine potenzielle Chance für  die Integration von Teilhabe, Zugang und Effizienz. Diese drei potenziellen Chancen können sogar in Verbindung mit bürgerschaftlichem Engagement stehen, das der Befriedigung von Bedürfnissen dient, die gesellschaftlich legitimiert und anerkannt sind, aber Markt vermittelt nicht erbracht werden. Insofern können Genossenschaften ein wesentliches Bindeglied zwischen Gesellschaft und Ökonomie bilden. Sie bleiben aber in vielen Fällen, wie für die Energiewende und den Wohnungsbau gezeigt, auf die politische Regulierung von Rahmenbedingungen angewiesen, die gesellschaftlich durchgesetzt werden muss. Dies gilt insbesondere für den Zugang zu Investitionsmitteln sowie die Abfederung von Risiken. Genossenschaften bilden in bestimmten Fällen den Rahmen für eine partiell selbstbestimmte Orientierung ökonomischen Handelns jenseits Markt vermittelter Rentabilitätszielen, sie bieten aber keinen Königsweg  einer gesellschaftlichen Alternative zum real existierenden Kapitalismus.

Literaturhinweis

J. Stiglitz (2012) Der Preis der Ungleichheit, München