Zukunft gestalten: Demographische Planung als Chance für die Stadt

Von: Susanne Tatje (Demographiebeauftragte der Stadt Bielefeld)

Susanne Tatje

Demographiebeauftragte der Stadt Bielefeld

Sie ist Soziologin und die erste Demographiebeauftragte in einer Kommune der Bundesrepublik Deutschland. Sie studierte ab 1972 Soziologie an der Universität Bielefeld und machte 1977 ihren Abschluss als Diplom-Soziologin. Sie war in unterschiedlichen Berufsfeldern tätig, z.B. als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bielefeld, Leiterin des Fachbereichs „Politik und Gesellschaft“ der Volkshochschule der Stadt Bielefeld, Referatsleiterin für Grundsatzfragen im Ministerium für die Gleichstellung von Frau und Mann des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit 2004 ist Susanne Tatje Leiterin des ...
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Der demographische Wandel – eine Herausforderung für die Kommunen

Noch vor wenigen Jahren konnte die Mehrzahl der Deutschen mit dem Begriff „Demographischer Wandel“ nichts anfangen. Laut einer Forsa – Umfrage wussten im Jahr 2003 nur 7 Prozent der Befragten, was damit gemeint ist. Heute würde das Ergebnis mit Sicherheit anders aussehen. Der demographische Wandel ist ein wichtiges Thema geworden – keine Talk-Show oder politische Sendung, die sich nicht über Kinderlosigkeit und Bevölkerungsschwund in Deutschland Gedanken machte.

Oft bestimmen Horrorvisionen von entvölkerten und vergreisten Städten die Diskussion. Dabei sehen Stadtplaner wie Philipp Oswalt durchaus Chancen für „schrumpfende Städte“, weil zum Beispiel Stadträume attraktiver gestaltet werden können und die urbane Lebensqualität sich verbessert (1). Auch das Thema „Familie und Kinder“ hat in unserer Gesellschaft wieder Bedeutung gewonnen. Politik und Firmen denken über bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach, um gut ausgebildete Frauen in Unternehmen zu halten.

Inzwischen schlägt die Demographiedebatte eine neue Richtung ein: Man denkt über die Chancen einer alternden Gesellschaft nach. Das ist eine positive Entwicklung, denn es ist wichtig, sich von einer angstbesetzten Diskussion zu verabschieden und die Auseinandersetzung über Ziele der Stadtentwicklung konstruktiv zu führen. „Gute Demographen versuchen Horrorgeschichten zu verhindern“ sagte James Vaupel, Direktor des Max Planck Instituts Rostock,in einem ZEIT – Interview.

Die Folgen einer schrumpfenden und älter werdenden Bevölkerung treffen nahezu alle Bereiche der Stadtpolitik: Finanzen, Verkehr, Wohnen, Gesundheit, Pflege und Bildung. Kann Kommunalpolitik etwas tun? Zwar werden entscheidende Weichen auf den Ebenen von EU, Bund oder Ländern gestellt, aber die Entscheidung zum Nichtstun ist die schlechteste Möglichkeit. Und die Entwicklung birgt auch eine Chance für Kommunalpolitik: Sie kann rechtzeitig Maßnahmen zur Gestaltung der demographischen Entwicklung planen. Denn der demographische Wandel vollzieht sich so langsam, dass die Gesellschaft genug Zeit hat, sich ihm durch Veränderungen anzupassen, sagt James Vaupel, Direktor des Max Planck Instituts Rostock.

Befassen wir uns mit den Folgen demographischen Wandels, müssen wir weit reichende Perspektiven in den Blick nehmen. Wir können den Wandel weder aufhalten noch umkehren, aber wir können Veränderungen in Städten und Gemeinden mitgestalten und in eine positive Richtung lenken. Es hängt von uns ab, ob alte Menschen in unserer Gesellschaft isoliert leben oder Senioren ins Gemeinwesen eingebunden werden. Wir stecken den Rahmen dafür, wie Kinder in einer älter werdenden Gesellschaft aufwachsen, welche Chancen ihnen Bildung und Ausbildung eröffnen. Mein Anliegen ist es, dass in der Stadt Bielefeld die Chancen dieser Entwicklung genutzt werden.

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Der Demographische Wandel in Zahlen

Ein kurzer Blick in die Geschichte zeigt, dass die demographische Situation nicht das Resultat einer aktuellen Bevölkerungsentwicklung ist, sondern Folge einer Veränderung, die schon Ende des 19. Jahrhunderts begann. Die Lebenserwartung nahm zu und die Geburtenrate sank auf zuvor nie beobachtete Werte. Zunächst waren die Folgen dieser Veränderungen noch relativ gering und wurden überdeckt vom Geburtenanstieg nach dem Zweiten Weltkrieg, der mit dem Wirtschaftsaufschwung der 50er und 60er Jahre und den damit verbundenen Wanderungsbewegungen einherging – Stichwort: Gastarbeiter. Inzwischen können die Lücken aber nicht mehr gefüllt werden.

Die Eckdaten aus koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Einwohnerzahl in Deutschland bis zum Jahr 2050 von zurzeit ca. 82,5 Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen auf gut 70 Millionen zurückgehen, wird, der deutlich sichtbare Rückgang beginnt ca. 2013. Auch der Altersaufbau wird sich spürbar ändern, zum Beispiel wird die Zahl der unter 20-Jährigen von 16 Millionen (20%) auf 11 Millionen (15%) sinken, dafür der Anteil der über 60-Jährigen von 25% auf 39% steigen.

Dass die Entwicklung auch Bielefeld betrifft, ist seit längerer Zeit bekannt. Während Bielefeld im Jahr Im Jahr 1973 nach der kommunalen Neuordnung 320.997 Einwohnerinnen und Einwohner zählte und in den Jahren nach 1987 eine vorübergehende leichte erhöhte Geburtenrate und auch eine deutliche Bevölkerungszunahme verzeichnen konnte,(2) verzeichnet das städtische Amt für Stadtforschung und Statistik seit 2003 ein allmähliches Absinken der Bevölkerungszahl. Bis zum Jahr 2050 wird die Einwohnerzahl auf 282.000, d.h. um ca. 12 Prozent gegenüber 2003 zurückgehen. Gleichzeitig ändert sich die Altersstruktur erheblich: Im Jahr 2000 waren in Bielefeld von 100 Einwohnern/innen 48 Menschen 60 Jahre und älter, im Jahr 2050 werden es zwischen 68 und 71 Menschen sein.

Wie Bielefeld die Herausforderung annimmt

Die Frage, wie sich Städte und Gemeinden auf Bevölkerungsrückgang und veränderte Gesellschaftsstruktur einstellen können, wird immer drängender. Obwohl die Bevölkerungsentwicklung kurzfristig nicht zu beeinflussen ist, müssen sich Städte überlegen, wie sie mit den Folgen der demographischen Entwicklung umgehen. Nahezu jeder Bereich ist betroffen: Schule, Verkehr, Gesundheit und Altenhilfe ebenso wie Jugendarbeit oder kommunale Finanzen. Unser Leben wird sich durch den absehbaren Wandel erheblich verändern.

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Bislang gibt es jedoch in den Städten und Gemeinden nur wenig langfristige Strategien, die politisch abgestimmt sind, und das überrascht nicht: Denn wenn wir uns mit den Folgen des demographischen Wandels befassen und über kommunale Planungskonzepte Gedanken machen, müssen wir weit reichende Perspektiven in den Blick nehmen. Diese langfristige Sichtweise widerspricht der üblichen kommunalpolitischen Praxis: Entscheidungen funktionieren hier meist nach anderen Gesetzmäßigkeiten und reichen oft nur bis zur nächsten Kommunalwahl.

Die Stadt Bielefeld hat auf diese Situation schon 2004 reagiert und die Stabsstelle „Demographische Entwicklungsplanung“ im Dezernat des Oberbürgermeisters eingerichtet. Damit wurde der Themenkomplex hochrangig in der Verwaltung verankert. Die Stelle ist mit weit reichenden Kompetenzen ausgestattet: So wurde Mitzeichnungsrecht bei Planungsvorhaben festgelegt, damit der demographische Faktor bei künftigen Entscheidungen einbezogen wird. Aufgabe der Demographiebeauftragten ist weiterhin, aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen auszuwerten und das Thema in der Stadt Bielefeld bekannt zu machen.

Zunächst war Hauptaufgabe der Stabsstelle, ein kommunales Handlungskonzept zu entwickeln mit Vorschlägen, wie sich die Stadt Bielefeld auf die zukünftigen Herausforderungen durch demographischen Wandel einstellen kann. Es ging um Entscheidungshilfen für die Zukunft. Dies Konzept mit dem Titel „Demographischer Wandel als Chance?“ wurde nach intensiven Beratungen in Verwaltung und politischen Gremien diskutiert und 2006 fraktionsübergreifend und einstimmig im Rat der Stadt verabschiedet (3). Wichtig war für die Stabsstelle vor allem, dass die künftige Strategie einheitlich gestaltet ist und es politisch abgestimmte langfristige Planungen für die Stadt Bielefeld gibt. Diese sollten sich zukünftig auch in der Finanzpolitik, also bei Haushaltsberatungen und -entscheidungen bemerkbar machen.

Das Demographie-Konzept sieht eine systematische Herangehensweise vor und enthält unterschiedliche Bausteine. Es skizziert die Ergebnisse demographischer Forschungen und entwickelt Fragen, die für die kommunale Praxis und damit auch für Bielefeld wichtig sind. Im Zentrum stehen sechs demographiepolitische Ziele und damit zukünftige Handlungsschwerpunkte für Bielefeld zu Integration, Bildung, Stadtentwicklung, Wirtschaft, Gesundheit und Familie. Sie sind abgeleitet aus einer Verwaltungsbefragung, Gesprächen mit lokalen Akteuren vor Ort und den Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger. Es ist also ein passgenauer Vorschlag für die Stadt Bielefeld, den sie aus eigener Kraft entwickelt hat.

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Das Bielefelder Handlungskonzept soll dazu beitragen, dass Verwaltung und Politik den Aspekt demographischer Wandel bei künftigen Entscheidungen und Planungen einbeziehen. Es dient als Leitfaden und soll helfen, den demographischen Wandel in Bielefeld aktiv zu gestalten.

Konkretisierungen: Das Beispiel Bildung

Eines der sechs demographiepolitischen Ziele des Demographiekonzepts wird im Folgenden näher beleuchtet; es lautet: „Wir lernen lebenslang!“ Dazu einige Erläuterungen aus kommunaler Sicht – auch um zu zeigen, was Bildung und demographische Entwicklung verbindet:

Wissen gilt heute als bestimmender Faktor für die Leistungsfähigkeit einer hoch entwickelten Volkswirtschaft. Die Zukunft gehört solchen Ländern, die mit dem Qualifikationspotential ihrer Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im internationalen Wettbewerb und im Zusammenhang der Globalisierung von Märkten mithalten können. Insofern werden Bildung und Qualifizierung der Arbeitskräfte für das Wirtschaftswachstum immer bedeutsamer.

Doch sinkende Kinderzahlen – bis zum Jahr 2020 wird ein Rückgang von 15% und bis 2050 um mindestens 20% erwartet – machen deutlich, dass unserer Gesellschaft ein Mangel an qualifizierten Nachwuchs – Arbeitskräften bevorsteht. Ein weiterer Aspekt: Bildung ist schon jetzt Voraussetzung für Teilhabe an allen gesellschaftlichen Bereichen – von der Wirtschaft über Politik bis Kultur. Und hier sind die Chancen unterschiedlich verteilt, schreibt Elisabeth Niejahr: „Die Kinder von heute, die Erwerbstätigen der gealterten Gesellschaft von morgen, wachsen in Deutschland mit extrem unterschiedlichen Bildungschancen auf, und das bringt zukünftig nicht nur sozialen Konfliktstoff, sondern auch fehlende Wettbewerbschancen mit sich.“

Bildungsdefizite haben in unserer Gesellschaft weit reichende Folgen: Je niedriger der Bildungsabschluss, desto höher das Risiko von Arbeitslosigkeit und Armut. Studien und Statistiken belegen, dass Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund besonders betroffen sind, und damit beginnt ein Teufelskreis: Schlechtere Schulabschlüsse und fehlende Ausbildung ziehen höhere Arbeitslosigkeit oder Verlust des Arbeitsplatzes nach sich; beide sind an den Bildungsabschluss gekoppelt.

Da die Prognosen bis 2050 zumindest für Städte einen deutlich höheren Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund voraussetzen und in Großstädten der Anteil jüngerer Altersgruppen noch erheblich höher sein wird, gibt es hier besonderen Handlungsbedarf. Der demographische Wandel erfordert dringend mehr Integrationsangebote in Bildung, Ausbildung und Beruf.

Dennoch bringen sinkende Kinderzahlen manche Kommunal-Politiker dazu, Einsparungen im Bereich Erziehung und Bildung zu erwägen. Sie argumentieren mit den Folgen des demographischen Wandels und wollen mit den frei werdenden Ressourcen andere Haushaltslöcher stopfen. Angesichts der kommunalen Haushaltslage mag das zunächst nachvollziehbar erscheinen. Wir sollten aber eine andere Strategie wählen: Städte können ihre Ressourcen bündeln und verstärkt für Integrations- und Ausbildungsförderung einsetzen. In den Städten ist zu entscheiden, wie die gesamte „Landschaft“ von Erziehung, Bildung, Ausbildung und auch Weiterbildung im Kontext demographischer Entwicklung zu gestalten ist.

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Im Demographiekonzept geht es beim Ziel „Wir lernen lebenslang!“ um genau diese Fragen. Dass dieses Konzept einstimmig vom Rat der Stadt beschlossen wurde bedeutet auch, eine Neukonzeption und Koordination der Bildungsangebote vorzusehen, in der die Bereiche vorschulische Erziehung, außerschulische Bildung und des Übergangs in Beruf und Weiterbildung stärker verknüpft werden. Damit kann Bielefeld besser als bisher dafür sorgen, dass Chancen für Kinder und Jugendliche sozial gerecht verteilt werden und alle an Bildung und Ausbildung teilhaben.

Kommunales Handeln bewirkt viel auf diesem Gebiet, wenn Schwerpunkte festgelegt sind. Aber das setzt voraus, dass sich Politik und Verwaltung mit dem Faktor Demographie auseinandersetzen. In Bielefeld stellt das Demographiekonzept dieses Thema in den Blickpunkt. So ergibt sich daraus für den Bildungsbereich , die Bedürfnisse junger Menschen mit Migrationshintergrund stärker einzubeziehen. Im aktuell erarbeiteten Integrationskonzept „Zusammenleben in Vielfalt“, das die politischen Gremien derzeit beraten, geht es zum Beispiel um flächendeckende kostenlose Sprachkurse in Kindergärten und Schulen, spezielle Angebote für Mädchen, Angebote für Eltern, damit sie sich im Bildungssystem zurecht finden oder Hilfen bei der Berufsfindung.

Für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes wird Bildung immer wichtiger; Unternehmen brauchen qualifizierte junge Arbeitskräfte mit Innovationspotential. Der „Kampf um die Köpfe“ hat längst begonnen. Auch für Verwaltungen hat Priorität, wie zukünftig gut ausgebildeter Nachwuchs zu gewinnen ist; dabei sind Universitäten und Fachhochschulen von großer Bedeutung. In Bielefeld spielt die Uni auch demographisch eine Rolle: Sie ist wichtiger Standortfaktor und trägt zur Verjüngung der Stadt bei. Wir können uns gar nicht leisten, das damit verbundene hohe kreative Potenzial nicht zu nutzen.

Wie können wir erreichen, dass diese jungen Leute in unserer Stadt bleiben? Städtische Politik schafft zwar keine Arbeitsplätze, kann aber durch Ausbau von Kontakten zur Wirtschaft Arbeitsmöglichkeiten finden helfen und durch städtische Wohnungsbauförderung preiswerten Wohnraum bereitstellen, der neue Lebensformen zulässt und Familiengründungen auch bei schmalem Budget ermöglicht; sie kann dem Nachwuchs des akademischen Nachwuchses gute Kinderbetreuungs- und Bildungsangebote machen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck.

Dabei geht es nicht immer um große strategische Ziele, sondern auch um konkrete innovative Projekte, die die Zukunft unserer Stadt gestalten: So brachte eine Initiative verschiedener Akteure die groß angelegte Sprachförderung „Miteinander leben. Miteinander reden“ in allen KiTas auf den Weg, um Sprachdefizite schon im Kindergartenalter zu auszugleichen; oder das Projekt „TextChecker“ für Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse, das an deren eigenen Lebenswelten ansetzt und Analphabetismus vorbeugen soll. Oder das Förderprogramm für besonders begabte Mädchen mit Migrationshintergrund, von der Wirtschaft gesponsert.

Überlegungen zur Gestaltung der kommunalen Bildungslandschaft dürfen Weiterbildung nicht ausklammern. Die Alterspyramide zeigt, dass die stärkste Arbeitnehmergruppe heute zwischen 40 und 50 Jahre alt ist. In 15 bis 25 Jahren geht diese Gruppe in den Ruhestand – mit gravierenden Folgen für die Wirtschaft. Dann fehlen in Unternehmen und Verwaltungen qualifizierte ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit Erfahrungswissen. Deshalb müssen Kommunen schon heute aktiv werden und ein Bündel von Maßnahmen entwickeln, die diesen Übergang intelligent gestalten. Zudem muss die Kommune mit Unternehmen vor Ort Absprachen treffen, damit diese ihr Engagement verstärken und sich an der Qualifizierung älterer Arbeitnehmer beteiligen.

Kommunale Politik kann also einiges bewirken, wenn sie im Kontext demographischer Entwicklung Schwerpunkte setzt. Bildung gehört dazu – und zusammen mit einer durchdachten Familienpolitik und einer attraktiven Wirtschaftsförderung kann die Entwicklung unserer Städte positiv beeinflusst werden.

Ein Blick über das Rathaus hinaus

Aber eine systematische und langfristige Herangehensweise allein wird Bürger und Bürgerinnen kaum motivieren, über das Thema „Demographischer Wandel“ und notwendige Veränderungen nachzudenken. Menschen sind erst zum Mitmachen motiviert, wenn nicht nur das „Unternehmen Stadt“, sondern auch sie selbst davon profitieren (4). Deshalb hat die Demographiebeauftragte seit Beginn ihrer Tätigkeit konkrete Projekte durchgeführt, wie: „Räume der Zukunft“ in dem für einen Stadtbezirk ein Konzept zu entwickeln war, um ihn „zukunftsfähig“ zu machen (5). Oder die Zukunftswerkstatt für Jung und Alt zur Frage: „Wie wollen wir leben?“, um die Vorstellungen von Kindern und alten Menschen bei Planungen stärker einzubeziehen (6). Oder Tagungen und Workshops zu Demographie – Themen, um das Thema und seine vielen Facetten in Bielefeld bekannt zu machen und Experten-Meinungen einzuholen (7). Oder das „Kinderrathaus“ auf Bielefelds Homepage, wo Fragen der Zukunft „kindgerecht“ kennen zu lernen sind (8).

Das Demographie-Thema muss zentrale und gemeinsame Aufgabe von kommunalem Handeln und Politikgestaltung werden (9), denn aus demographischen Veränderungen erwachsen an kommunales Handeln erhebliche Anforderungen. Wir müssen uns alle von herkömmlichen Denkmustern verabschieden – nur so werden auch die Chancen dieser Entwicklung sichtbar (10).

Literatur

(1) vgl. „shrinking cities“(2002-2008); ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes unter der Leitung von Philipp Oswalt (Berlin) in Kooperation mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, der Stiftung Bauhaus Dessau und der Zeitschrift Archplus. http://www.shrinkingcities.com/

(2) Die Ursache liegt vor allem im Zuzug von Spätaussiedlern aus der damaligen Sowjetunion und aus Polen

(3) „Demographischer Wandel als Chance?“; in: Zukunft Stadt – Demographischer Wandel in Bielefeld, Heft 3. Hrsg.: Stadt Bielefeld; Bielefeld 2006

(4) „Räume der Zukunft – Sichtwechsel im Liegestuhl“; in: Zukunft Stadt – Demographischer Wandel in Bielefeld, Heft 7. Hrsg.: Stadt Bielefeld, Bielefeld 2010.

(5) „Räume der Zukunft“; in: Zukunft Stadt – Demographischer Wandel in Bielefeld, Heft 2. Hrsg.: Stadt Bielefeld, Bielefeld 2005

(6) „Wie wollen wir leben?“; in: Zukunft Stadt – Demographischer Wandel in Bielefeld, Heft 1. Hrsg.: Stadt Bielefeld, Bielefeld 2004

(7) „Zukunft findet Stadt – Stadt findet Zukunft“; in: Zukunft Stadt – Demographischer Wandel in Bielefeld, Heft 4. Hrsg.: Stadt Bielefeld, Bielefeld 2007

(8) http://www.kinderrathaus.de/zukunft_stadt

(9) „Zukunftsgespräche“;  in: Zukunft Stadt – Demographischer Wandel in Bielefeld, Heft 6. Hrsg.: Stadt Bielefeld, Bielefeld 2009.

(10) „Demographiebericht 2008“- Eine Bilanz mit Perspektive; in: Zukunft Stadt – Demographischer Wandel in Bielefeld, Heft 5. Hrsg.: Stadt Bielefeld, Bielefeld 2009