Der bedrohte Sonntag - Ein Plädoyer für den Erhalt der Sonntage des Lebens

Von: Prof. Dr. Karlheinz A. Geißler (Professor an der Universität der Bundeswehr in München)

Prof. Dr. Karlheinz A. Geißler

Professor an der Universität der Bundeswehr in München

Prof. Dr. Karlheinz A. Geißler, geb. 1944, studierte Philosophie, Ökonomie und Pädagogik in München. Seit 1975 lehrt er Wirtschafts- und Sozialpädagogik an der Universität der Bundeswehr in München. Gastprofessuren hatte er u.a. in Linz, Bremen und Innsbruck. Er ist Mitbegründer des Tutzinger Projekts „Ökologie der Zeit“. Der Autor lebt in Neubiberg bei München.


Gott hat die Zeit erschaffen, der Teufel die Zeitnot, die Hetze und die Eile.

Wenn das so ist, dann leben wir heute ein teuflisches Leben. Wir sind teuflisch schnell. Und das sechs Tage die Woche. Und der siebte, der göttliche Tag, soll jetzt auch noch dem Teufel geschenkt werden. Dabei kann es sich nur um einen teuflischen Plan handeln, denn, so ein Hinweis aus der Apokalypse: „ Der Teufel weiß, daß er wenig Zeit hat.“ Also lassen wir die Hetze besser dem Beelzebub und besinnen uns eines Besseren. Wie das aussehen könnte, zeigen zwei aufschlussreiche Experimente, die uns von dem Vorhaben abbringen sollten, den Sonntag zum Werktag zu machen.

Der Sonntag wird von zwei Seiten in Angriff genommen, wenn man sich der Sprache der Militärs bedient, und das ist, da es sich um eine strategische Bewegung handelt, nicht ganz unberechtigt. Erstens von Seiten der Wirtschaft, speziell der Produktion. Zweitens von Seiten der Konsumenten und des Handels.

Wie problematisch das aus jeder der beiden Perspektiven ist, schildere ich an zwei Experimenten.

Zuerst das Experiment, aus dem es für die Unternehmer etwas zu lernen gilt:

Das erste Experiment wurde bereits 1914 durchgeführt, und zwar im kriegführenden England. Im Rahmen der dortigen Kriegsanstrengungen entschloss sich die britische Industrie mit staatlichem Rückenwind, die Sonntagsarbeit einzuführen und verlängerte darüber hinaus die tägliche Arbeitszeit. Dieser Intensivierungs-Maßnahme führte jedoch nicht, wie beabsichtigt zu einer Steigerung der Produktion, sondern im Gegenteil, zu einer Verminderung der Produktionsmenge. Außerdem nahm die Leistungsfähigkeit der Arbeitenden ab und die Störungen im Betriebsablauf stiegen an. Umgehend kehrte man zum arbeitsfreien Sonntag zurück.

Was lernen wir daraus?

Die Arbeitsleistung, gemessen an der Produktionsmenge hängt nicht davon ab, wie lange gearbeitet wird, sondern wie lange nicht gearbeitet wird. Die Konsequenzen liegen auf der Hand, wer eine hohe Produktivität anstrebt, leistungsbereite Mitarbeiter haben und den Betriebsfrieden sichern möchte, muss sich für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags einsetzen.

Nun zu dem Experiment, das bei den Konsumenten zum Nachdenken führen sollte:

Dieses Experiment ist neueren Datums. Es fand erst vor einigen Monaten statt. Am 12. Januar 2007, um 7 Uhr 51 Ortszeit machte sich der weltberühmte Geiger Joshua Bell auf den Weg zu einer Washingtoner U-Bahnstation, begab sich in den Untergrund und startete sein aufschlussreiches Experiment.

Gekleidet wie ein Straßenmusiker begann er in einer Passage auf seiner kostbaren Stradivari Johann Sebastian Bachs Chaconne in d-Moll zu spielen. Die ein- und aussteigenden Passagiere rannten, ungebremst in ihrem Vorwärtsdrang, an dem spielenden Künstler vorbei. Erst der 64. Passant hielt kurz ein und warf dem genialen „Straßenmusiker“ ein paar Münzen in den leeren, vor ihm stehenden Geigenkasten. Auch in der Folgezeit verlangsamten nur sehr wenige der hastig vorbeieilenden Fortschrittssüchtigen ihre eiligen Schritte und horchten für einen kurzen Moment hin. Noch erheblich weniger Passanten waren bereit, für die hochklassige Aufführung einige Cents zu opfern.

Nach 43 Minuten eines außergewöhnlichen Konzertes an einem außergewöhnlichen Ort, waren schließlich 1O7O Personen an dem großen Künstler und dessen Kunst vorbeigelaufen. Verdient hatte er in dieser Zeit 32,17 Dollar.

Was nun lässt sich aus diesem originellen Experiment folgern:

Die Eile, die Hetze, die Hast reduzieren die Fähigkeit des Hörens generell und die des Hörens schöner Töne ganz speziell. Schnelle Menschen haben kein Ohr für die ästhetisch schönen Klänge dieser Welt. Die Alltagshast, die Rastlosigkeit unseres Lebenvollzugs machen taub, taub für das, was um uns herum geschieht. Wer immer nur Zeit spart, wer ununterbrochen Zeit gewinnt, verliert die schönen Zeiten, rennt an den erbaulichen, den wertvollen Menschen, Dingen und Ereignissen vorbei. Aber sind es nicht die attraktiven, die uns bereichernden Menschen, Dinge und Ereignisse, die wir suchen wenn wir unsere Schritte beschleunigen wenn wir so eilen. Manchmal, öfters als wir es denken und praktizieren, muß man nur stehen bleiben, innehalten, um das zu bekommen, was wir mit eiligen Schritten suchen. Wer anhält verpaßt meist auch etwas, wer aber nicht anhält, verpaßt garantiert das Schönste.

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Der Sonntag ist nun jener gemeinschaftlich begangene Tag, der uns und die Gesellschaft abbremst, der zum Innehalten einlädt. An ihm können wir wieder das hören, das sehen und fühlen, was uns die Hetze des Alltags verwehrt.

Der Sonntag ist jene Lücke im Getriebe, die uns wieder zur Besinnung bringt. Der 7.Wochentag ist der Zwischenraum, der unserem Dauerlauf durchs Leben Einhalt zu gebieten vermag und der die Sicht auf jene Dinge freigibt, an denen wir in unseren stressigen Alltag vorbeilaufen. Das hat bereits Christian Morgenstern gewußt, der dem Sonntag, dieser Lücke in der Werktagswoche, die ja dem für die Menschheit wichtigsten Planeten, der wärmenden Sonne nämlich gewidmet ist, ein Loblied sang:

Es war einmal ein Lattenzaun
Mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.
Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum.
Ein Anblick gräßlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.

Morgenstern sagt es uns deutlich: Ohne Zwischenraum, ohne Sonntag wird’s gräßlich und gemein. Leider hat heute kein Senat mehr den Mut, so etwas einzuziehen. Im Gegenteil, immer mehr Senate stellen Bretterzäune, die uns die Sicht nehmen. Sie verkaufen uns die Lückenlosigkeit des Alltags als Gewinn an Freiheit. Das aber ist keine andere Freiheit als die eines Gefängnisinsassen, dem das Angebot gemacht wird, zwischen sieben gleichen Zellen wählen zu dürfen. Auf die wirkliche Freiheit aber muß er verzichten, jene nämlich, zur Zelle eine Alternative zu bekommen.

Es mehren sich die Politikerstimmen, die uns einreden, es sei die Lückenlosigkeit, die uns zu unserem allumfassenden Glück noch fehlte. Das Wochentagseinerlei, die Möglichkeiten, alles überall und sofort, also zu jeder Zeit kaufen zu können, verkaufen sie uns großsprecherisch als neue Freiheit. Wenn diese Freiheit denn gekauft wird, dann doch nur deshalb, weil sie so billig zu bekommen ist, nicht weil man sie benötigt. Da wird als Fürsorge und Nächstenliebe, gewürzt mit allerlei Freiheitspathos ausgegeben, was doch nur schnöde Geldgeilheit ist. Einzig ehrlich dabei ist das Eingeständnis, dass es dabei ums Verkaufen, ums Geldverdienen geht. Verkauft aber wird in diesem Fall der Sonntag, die Ruhe, das Ausruhen und die Chance, endlich mal zu sich kommen zu können. Wenn man sich die aufgeblasenen Freiheitsversprechen der Unternehmer und der Politiker anhört, dann erinnern sie doch an den bekannten Sachverhalt, dass nirgendwo soviel über Freiheit geredet wird wie im Gefängnis.

Könnte es also sein, dass diese den Sonntag nur deshalb abschaffen wollen, um ihre für sie profitablen Freiheitsversprechen noch besser an den Mann und die Frau zu bringen. Die Ökonomie lässt die Freiheiten und den Genus des Zeitwohlstandes nur dort zu, wo diese mit der Möglichkeit des ausgiebigen Konsums einhergehen. Für die Protagonisten des Profits hat das Leben seinen Zweck nicht in sich. Für sie ist das Leben ein Geschäft, das es nicht erlaubt, einen ganzen Wochentag von der „Zeit- ist- Geld“ Logik freizuhalten.

„Sie müssen üben, die Langeweile auszuhalten. Denn nach der Langeweile kommt die Muße. Und das ist ein unglaublich schönes Gefühl.“

Karheinz A. Geißler

Für sie genügt es, dem Sozialen jenen knappen Zeitraum zuzugestehen den Robert Musils Bankdirektor Fische der Philosophie widmet:“….gern, aber nur zehn Minuten täglich.“ Für die Gesellschaft und deren Zusammenhalt jedoch sind Erfahrungen einer situativ geteilten Gemeinsamkeit, wie sie der Sonntag darstellt, unverzichtbar. Wer überhaupt noch ein Interesse an Gemeinschaft und am Sozialen hat, muß auch Zeiträume erhalten oder neu schaffen, diese zu erfahren. Genauso wenig wie eine Familie auf Dauer zu existieren vermag, deren Mitglieder immerzu aneinander vorbeilaufen, genauso wenig können soziale Gemeinschaften überleben, ohne gemeinsame Erfahrungen zu machen. Deshalb ist es ein gravierender Unterschied, ob jedes Individuum eigenmächtig entscheidet, am Sonntag nicht einkauft und nicht zur Arbeit zu gehen, oder ob eine ganze Gesellschaft an einem bestimmten, regelmäßig wiederkehrenden Tag, keine Geschäfte betreibt.

Also Vorsicht!

Es geht bei der Entscheidung um den Erhalt bzw. die Abschaffung des Sonntags als gemeinsamem Feiertag nicht um echte Freiheit, es geht ausschließlich um die Freiheit des Geldes und derer, die es uns aus der Tasche ziehen wollen. Der Kapitalismus verführt dazu, Freiheit mit Raserei zu flachen Errungenschaften, auf denen jeder vorne sein will. Einzig der Preis des verwechseln. Den Beleg dafür findet man auf unseren Autobahnen, jenen Sonntag interessiert sie, der Wert, der Sinn des Sonntags jedoch ist ihnen nicht nur unbekannt. Sie weigern sich auch, ihn überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Sinnlos aber ist es, Zeit zu organisieren, ohne zu wissen, was sinnvoll ist.

In mannigfaltigen wissenschaftlich abgesicherten Studien wir das belegt, was viele Menschen täglich erleben und erleiden. Wir haben zu wenig Zeit. Viele Personen, es ist die Mehrheit der Bevölkerung, beklagen, zu den wirklich wichtigen Dingen ihres Lebens nur noch in unbefriedigendem Ausmaß zu kommen. Ein beachtlicher Teil der Beschäftigten gerät, auch das belegen die Befragungen, aufgrund ihres Berufsstresses auch in ihrem Privatleben unter zunehmenden Zeitdruck. Ist man ernstlich daran interessiert, das durch die Abschaffung des arbeitsfreien Sonntags weiter zu verschärfen? „Was nützt Geschwindigkeit, wenn der Verstand unterwegs ausläuft“ hat Karl Kraus ironische gefragt. Und die gleiche Frage stellt sich, wenn wir nach dem Nutzen des verwerktaglichten Sonntags fragen.

Ich will deutlicher werden: Wir haben es bei dem Angriff auf den Sonntag mit nichts anderem zu tun, als mit dem allgegenwärtigen, dem maßlosen „Geist des Kapitalismus“ (Weber), der sein Leben schon lange nicht mehr als Gespenst fristen muß. „Liebe Deine Feinde, aber sei schneller als sie“ – nichts anderes als diese billige Kung-Fu-Weisheit treibt die Verantwortlichen des zeitzonen- übergreifenden Handels und ihre willfährigen Politikerfreunde dazu, an der Verfassung rumzufummeln, und dies in erster Linie mit dem Ziel, die Menschheit rund um die Uhr und die Woche zu verkünden. Es kann doch nicht sein, daß 15o Jahre nachdem Charles Dickens die frühkapitalistischen Verhältnisse seiner Zeit mit den Worten geißelte:„Jeder Zoll der menschlichen Existenz von der Geburt bis zum Tod mußte ein Handel über eine Ladentheke sein“, solche Verhältnisse wieder hergestellt werden.

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Das ist ein Rückfall in überwunden geglaubte Zeiten der als Fortschritt verkauft wird. Es ist ein Fortschritt nach Kannibalenart. Denn was man bei diesem hektischen Leben verpaßt, ist das Leben selbst. Wir sind dabei schon weit gekommen. Bereits heute wird länger am Telefon als mit den Kindern und dem Ehepartner gesprochen. Der Bank ist man treuer als der Ehefrau, gegessen wird bevorzugt alleine, immer häufiger im Auto oder während der Arbeit am Computer. Und die Bibel gibt es inzwischen als fünfseitige Kurzfassung für 10 Euro bei der Hamburger getAbstract AG für den Hochgeschwindigkeitschristen.

„Und er sah, daß es gut war…“ – mit diesem stolzen Satz beschloß der alttestamentarische Gott jeden seiner Schöpfungstage. Was gibt es eigentlich für gute Gründe, diese harmonische Ordnung der Vielfalt dadurch zu korrigieren, daß man die Wochentage alle gleich, also eintöniger macht?

Der Mensch braucht Rhythmen, nicht zuletzt, weil ihn die Natur rhythmisch geschaffen hat. Das ignoriert die dominante „time is money“ Ideologie. Sie greift zu kurz um nachhaltige Entwicklung zu fördern, und sie ist zu kurzsichtig, um die natürlichen und die sozialen Lebensgrundlagen der Menschen akzeptieren und stabilisieren zu können. Wir brauchen Zeitoasen, benötigen abgebremste Zeiten und Wochentage um vom Zeitstrudel nicht fortgerissen zu werden. Wir benötigen sie, damit, wie Schiller das so trefflich formuliert hat, „der Mensch sich selbst nicht versäume“. Osip Mandelstam hat das schöne Bild von den „Obertönen der Zeit“ erfunden. Überträgt man dieses auf die Woche, so ist es der Sonntag, der im Konzert der Tage diesen Part einnimmt.

Nein danke!

Ich ziehe es vor, zumindest einen Tag in der Woche vom aufdringlichen Geist des Kapitalismus verschont zu sein. Einmal wöchentlich möchte ich nicht die Zeit vertreiben dadurch, daß ich sie spare, kaufe und verkaufe. Einmal in der Woche will ich die Zeit leben, sie zu mir einladen. Das Leben ist zu schön, um den Sonntag auch noch zum Werktag zu machen, und ich habe auch noch zuviel Freude an ihm, um all die vielen unerwünschten Mails an diesem Tag zu lesen. Am Sonntag, und ganz besonders am Sonntag läßt sich erfahren, das Zeit haben heißt, nicht an sie zu denken und sie nicht managen zu müssen. Würde der Sonntag auch noch der gefräßigen „Zeit-ist- Geld“ Logik geopfert, dann wäre der Kapitalismus, dem wir zweifelsohne auch einen ansehnlichen materiellen Reichtum zu verdanken haben, nicht weniger fundamentalistisch als der islamische und der kommunistische.

zeitmessenDer Kapitalismus mit seiner Zeit-ist-Geld Logik hat zweifelsohne eine Menge Vorteile, aber er hat einen gravierenden Nachteil: Er belohnt nämlich nicht jene Menschen, die sich Zeit lassen, er belohnt nicht diejenigen, die fürsorglich mit sich, ihren Mitmenschen und der Natur umgehen und nicht die, die Liebe und Freundschaft für wichtiger halten als das Geldverdienen und das Zeitsparen. Deshalb muß man den Kapitalismus zügeln, muß ihm Grenzen setzen. Die Verteidigung des Sonntags als Tag der „seelischen Erhebung“, wie es so schön altertümlich im Grundgesetz heißt, ist daher zwingend geboten. Denn wenn wir schon dazu gezwungen werden, immer schneller zu werden, dann brauchen wir zumindest einen Tag in der Woche, an dem wir uns Gedanken machen können, wo wir bei diesem Schnellerwerden eigentlich ankommen wollen. Wenn schon die Zuständigkeit Gottes für die Zeit nicht länger mehrheitlich akzeptiert wird, dann muß man ja nicht unbedingt alle Zeit den Geschäftemachern, die nichts anderes als die Rundumkapitalisierung der Welt im Sinn haben, überlassen. Ich plädiere daher ausdrücklich für einen engagierten Widerstand gegen die Geschäftigkeit des ausschließlich in Geldkategorien operierenden und gestaltenden Zeitdenkens.

Es muß erlaubt sein, die neuzeitliche Religion der Ökonomie und deren Zeitspar- und Beschleunigungsimperative zu hinterfragen. Es muß erlaubt sein, der Versteppung des Zeitlichen durch die Zeitraffer- mentalität der ökonomischen Totalvernutzung, die alles zum Ausbeutungsobjekt macht, Einhalt zu gebieten. Der Wert des menschlichen Lebens geht weit über den Horizont des wirtschaftlichen Nutzens hinaus. Die Vielfalt seiner Bedürfnisse und seiner Möglichkeiten verbietet es, die Zeiten der Gesellschaft im materiellen Interesse veröden zu lassen indem man sie ausschließlich an der geldvermittelten Totalzirkulation ausrichtet. Denn wer das Gemeinwesen schädigt, und der Sonntag ist der Tag der Vergemeinschaftung, ruiniert am Ende auch sich selbst. Weil der Mensch, so bereits Nietzsche, „ mehr als nur ein geldverdienenden Wesen ist“, darf der Sonntag nicht zum Warenhaus werden. Ansonsten würde wahr, was Schiller in Wallensteins Tod als kulturellen Niedergang beschreibt: „Denn nur von Nutzen wird die Welt regiert.“

Der Sonntag gleicht einer sanftmütigen Göttin. Es gibt keinen überzeugenden Grund, ihn zu einer peitschenschwingenden zu machen.

Letztlich wissen und spüren doch alle: Die Stunden die zählen, sind die Stunden die nicht gezählt werden. Um das zu erfahren, ist der Sonntag da und notwendig. Er ist ein zu wertvoller Zeitverlust, um auf ihn verzichten zu können.