Die Aussichtslosigkeit unserer Zukunft trieb uns auf die Straße

Round-Table-Gespräch der griechischen Zeitschrift ELEFTHEROTYPIA mit zwei Hochschulprofessoren und vier Studenten

Der Mord an dem 15-jährigen Schüler Alexandros Grigoropoulos  führte zum Ausbruch der Unruhen. Neben dem verständlichen Bedürfnis nach Trauer ob des kaltblütigen Mordes an einem unschuldigen Jugendlichen, neben der berechtigten Wut über den Tod des Alexis Grigoropoulos, was hat da die gesamte Gesellschaft auf den Plan gerufen und zu ihrem Ausbruch geführt? Wie konnte es so weit kommen, und wie sieht die Zuweisung der Verantwortung an Regierung, Parteien, Politik und geistiger Elite aus?

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Im Round-Table-Gespräch der „E“ (Zeitschrift ELEFTHEROTYPIA) soll versucht werden, auf diese Fragen eine Antwort zu finden. Beteiligt sind: Vassiliki Georgiadou (V.G.), Assistenz-Professorin für Politikwissenschaften an der Pantio Universität, Nikos Demertzis (N.D.), Professor für Kommunikation und Medien an der Kapodistria-Universität, Rania Routsi (R.R.), postgraduierte Studentin an der Abteilung Politikwissenschaften und Geschichte der Pantio Universität, Giannis Mylonas (G.M.), 4. Semester Medienstudien der Athener Universität, Giorgos Georgarakis (G.G.), Studienanfänger an der Abteilung Medienstudien der Athener Universität, Vangia Lyssikatou (V.L.), postgraduierte Studentin der Abteilung Politikwissenschaften und Geschichte der Pantio-Universität.

Dieser andauernde soziale Ausbruch, die verschiedenen Gruppen hauptsächlich junger Leute, die an den Demonstrationen teilnehmen, aber auch die Gewaltausbrüche, wie wir sie an Intensität in der Nachkriegszeit nicht mehr erlebt haben, sind diese neu für die griechische Gesellschaft oder sind sie nur eine lautstarke Äußerung dessen, was wir so lange nicht sehen wollten?

V.G.: „Wir suchen nach den Motiven dieser Massenbewegung. Zunächst denke ich, dass es streng genommen kein materielles Motiv für diese Protestwelle gibt. Um es in die Worte der älteren Generationen zu fassen, es geht nicht um „Brot, Bildung, Freiheit“ bei dem, was die jungen Menschen heute auf die Straßen treibt. Nicht, dass es nicht heute auch diese Bedürfnisse gäbe. Es gibt jedoch etwas anderes, wie ich meine, eine tiefe Kluft, die die jungen Leute erleben, zwischen dem Potential, dem also, was man in den modernen Gesellschaften des Wissens, des Zugangs, der Information erreichen kann, einerseits, und der griechischen Wirklichkeit andererseits. Die griechische Wirklichkeit ist ziemlich ärmlich. Ich glaube, dass die jungen Leute hauptsächlich deshalb auf die Straße gehen: weil, obwohl sie die Möglichkeiten der Neuzeit kennen, sie auf eine Realitätsebene zurückgeholt werden, wo ihnen die Flügel gestutzt werden, wo sie keine Chance erhalten oder nur mangelhafte Gelegenheiten, in einer Realität, die bei Weitem hinter den Möglichkeiten der modernen Welt zurück steht.“

N.D.: „Parallel zur Kluft zwischen Potentialität und Realität besteht auch der Gegensatz zwischen den Versprechungen der Gesellschaft und den Mitteln, die sie den jungen Leuten zu ihrer Realisierung zur Verfügung stellt. Hier klafft schon seit Jahren eine riesige Schere zwischen den beiden Seiten. Dies bringt ungesetzliche Verhaltensweisen hervor. Insbesondere heute, wo wir uns in einer Konstellation der internationalen Krise und des Übergangs von einer nationalen zu einer kosmopolitischen Gesellschaft befinden, besteht ein Werteverlust, der ebenfalls zu ungesetzlichen Grundhaltungen führt. Dennoch ist es sehr schwierig, hierüber zu sprechen, hauptsächlich weil die Bezeichnungen, die wir für diese Geschehnisse verwenden, nie wertneutral sind. Sie reden von Ausbruch, es wurde von Aufruhr gesprochen, von Zerstörung, von Bewegung, Aufstand. Vielleicht gilt ja all dies zusammen, aber gleich welches Wort wir zur Beschreibung der Geschehnisse verwenden, es ist nie neutral. Ich würde jedenfalls nicht von Bewegung reden, sondern von einer Mobilisierung aus Hoffnungslosigkeit, die als grundlegende Ursache die akkumulierte Frustration, die Ängste der jungen Leute hat, die in der Gesellschaft kein Gehör finden. Der große Andere, die Gesellschaft, hört ihnen nicht zu. Dann kommt es zur Explosion. Und wir werden noch Jahre brauchen, um zu analysieren und zu verstehen, was geschehen ist.“

R.R.: „Mein Eindruck ist, und ich spreche als Teilnehmerin an der Mobilisierung, dass der Ausbruch von einem „Oh, nein“ herrührt. „Oh, nein, töten werdet ihr uns nicht auch noch“. Ich glaube, zu dem Zeitpunkt sind wir raus gegangen. Auf der Straße sind nicht nur junge Leute, es sind auch ältere. Und es geht nicht nur um den Mord. Es geht auch um finanzielle Probleme, um die politischen Skandale. Unmittelbares Ziel der Mobilisierung ist, dass die Regierung fällt. Ohne Hoffnung auf eine bessere. Einfach dabei sein und für etwas Besseres kämpfen. Es begann mit einem gesellschaftlichen Vorfall, aber die Gründe sind politisch. Es ist die schlechte Lebensqualität. Frau Georgiadou sprach von Ärmlichkeit, genau das ist das Wort. Was wir erleben ist eine Düsternis, eine Un-Zukunft. Wir gehören noch nicht mal zur 700-Euro-Generation. Wir sind die Generation der Halbtagsbeschäftigten und der 400 Euro. Deshalb gehen wir auf die Straße.“

G.M.: „Wir sind die Generation, die ein schlechteres Leben haben wird als unsere Eltern. Obwohl seit dem Fall der Junta jede Generation besser lebte als die davor, wir werden schlechter leben. Das einzige, was wir tun können, ist, auf die Straße zu gehen, unsere Rechte friedlich einzufordern, uns dem entgegenzusetzen, weil, man muss der Realität ins Auge sehen, die Erwachsenen uns nicht zuhören, die Gesellschaft verschließt ihre Ohren.“

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 G.G.: „Da ich seit dem letzten Samstag jeden Tag dabei bin, denke ich, dass der einzige Grund auf die Straße zu gehen folgender war : die Einforderung der Menschenwürde. Uns der Welt, in der wir leben, entgegenzustellen, wo für das gesetzlose Treiben niemand zur Verantwortung gezogen wird. Ich denke nicht, dass dies ein Aufstand ist, eine Bewegung, eine Revolution, Plünderei. Wir sind lediglich seit zehn Tagen auf der Straße und die Wahrheit ist, dass wir keine weiteren zehn Tage mehr weiter machen werden, weil dann Schulferien sind, und die Schulen werden wunderbar wieder aufmachen und die Gesellschaft wird vergessen haben, was sie beschwert. Die Verwüstungen kann ich nicht als richtig oder falsch beurteilen. Es ist ein Verhalten, dass unsere Erziehung widerspiegelt, und das Wertesystem, das im Verschwinden begriffen ist.“

V.L.: „Das Grundlegende ist der Abstand zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Die Ansprüche sind das Ergebnis einer Gesellschaft, die nach dem Krieg von Generation zu Generation ihre Lebensbedingungen verbesserte. Die heutige Wirklichkeit ist, dass wir die Menschen sind, die mit einem Schild vor der Stirn herumlaufen, auf dem „700 Euro“ steht. Bezüglich der Vorkommnisse meine ich, dass es natürlich gut ist, wenn in einer Gesellschaft keine Gewalt entsteht, aber hierfür bedarf es einiger Grundvoraussetzungen. Außerdem führt der Abstand zwischen Wirklichkeit und Anspruch zu einem Vakuum, in das die Menschen diesen Alters einfach hineinfallen; nur dass einige halt beschlossen haben, beim Fallen eine Menge Lärm zu machen.“
Es wird viel über die sozialen Merkmale der Teilnehmer der Demonstrationen geredet und geschrieben, und über die Ursachen, die die jungen Leute auf die Straße treiben. Wer geht auf die Straße und warum?

V.G.: „Die Leute auf den Straßen sind keine einheitliche Gruppe mit gemeinsamen Merkmalen. Die Demonstranten gehören zu den alten Gruppen der Linken und Anarchos, mit Gelegenheitsteilnehmern sowie auch anderen, die einfach plündern wollten. Die aktive Schicht sind jedoch die jungen Leute, die Schüler und Studenten. Bezüglich der Frage, warum die nun auf die Straße gegangen sind, werde ich versuchen, alles zu bewerten, was ich von unseren Studenten gehört habe. Ich bin der Ansicht, dass es einen gemeinsamen Nenner bei all ihren Äußerungen gibt, und das ist der Protest. Die Protagonisten der Protestbewegung sind auf die Straße gegangen, um ihren Protest vorzubringen. Dieses „Oh, nein“, von dem Rania sprach, ist eine Verdichtung des Protests gegen all das, was sie bereits erleben und was sie fürchten, noch erleben zu müssen. Die Protesthaltung dieser Generation entsteht eher aus Furcht als aus der Wirklichkeit heraus. Wir müssen uns gewahr werden, dass hinter der Protesthaltung viele Botschaften stehen, und dass alle, die diese Haltung zu manipulieren versuchen, nichts Gutes damit tun, weil sie die Transsubstantiation des Protests in reifes politisches Handeln behindern.“

N.D.: „Also ist im Grunde alles, was geschehen ist und noch geschehen wird, schon lange im Voraus angekündigt gewesen. Wenn ich die Mechanik dieser Bewegung mal mit wenigen Worten beschreiben soll, ist es die Blockierung der sozialen Beweglichkeit, die sie hervorruft. Was in den Generationen der 60-er, der 70-er und auch noch der 80-er passierte, also rasche soziale Bewegung, ist nun vorüber. So bringen die verschiedenen sozialen Gruppen ihre sozialen Ansprüche mal mit berechtigter, mal mit unberechtigter Explosivität vor. Das Gefühl des Unrechts und des Zurückeroberns der Menschenwürde sind sehr grundlegende Motivationen in der Geschichte der Aufstände, die erklären, warum Menschen zu solch kollektivem Handeln schreiten. Katalysierend sind dafür diese Gefühle. Es mögen soziale Ungleichheiten bestehen, die durch Statistiken belegt sind, wenn jedoch kein Unrechtsempfinden besteht, keine Übersättigung, kein Überdruss und kein Bedürfnis nach Zurückeroberung der Menschenwürde, eben das „oh, nein“, dann kommt es nicht zu derartigen Handlungen. Bezüglich der griechischen Jugend bin ich der Meinung, dass sie die ganzen letzten Jahre eine Zwittersituation durchlebt. Einerseits erleben sie die extreme Schutzhaltung der Familie und andererseits hängen sie in der Luft. Sie sind gleichzeitig übersättigt und mangelhaft versorgt. Einerseits apathisch und andererseits mobilisiert. Wie in einem unserer Bücher vermerkt (d. Red.: „I Neolaia“ [die Jugend], Polytropo-Verlag), ist die Jugend ein unwägbarer Faktor.“
R.R.: „An dieser Mobilisierung nehmen alle teil, die das Unrecht empfunden haben, die über Bewusstsein und Menschlichkeit verfügen. Auch die Mittelklasse beteiligt sich. Dies ist sehr wichtig für die Regierung, die sich auf die Mittelklasse stützt. All das spielte sich im [Athener Stadtbezirk] Exarchia ab, über den schon so viele Unwahrheiten verbreitet wurden. Die Buchläden, wo wir Studenten unsere Bücher kaufen, sind in Exarchia – also selbst wenn man in Ekali [A.d.Ü.: gehobener nördlicher Vorort] wohnt, und Recht studiert, kauft man dort seine Bücher und trinkt dabei auch einen Kaffee in Exarchia.“

G.M.: „Also zunächst mal möchte ich sagen, das die jungen Leute in Aufruhr sind. Wir als junge Menschen haben das Recht, auf die Straße zu gehen, es ist die einzige Waffe, die wir in Händen halten. Wir beweisen, dass Ehrgefühl und Menschlichkeit in diesem Land noch nicht ganz zugrunde gegangen sind. Die Politiker vertrauen den jungen Leuten nicht. Sie halten uns für anders, für erratisch. Andererseits haben wir kein Vertrauen mehr zu Politikern und Gesellschaft.“

V.L.: „Verschiedene Gruppen sind auf die Straße gegangen, die Gruppen der jungen Leute sind sicher vorherrschend. Es bestehen bestimmte Ansprüche, die es nun zu verwirklichen gilt, aber wir stehen damit vor einer Mauer und haben das Bedürfnis, sie einzureißen. Bezüglich der Anarchisten, so hat uns dieses Geschehnis eine Chance gegeben, klarer zu sehen, dass es etwas gibt, was Gewalt anziehend macht.“

Die sozioökonomischen Motivationen dieses Ausbruchs sind hervorgehoben worden. Sollten wir vielleicht nach den politisch-institutionellen Ursachen suchen?
V.G.: „Unsere Studenten sagten: wir haben kein Vertrauen zu Politikern, und sie keins zu uns. Hier tut sich der Abstand auf, der auf die „Krise der Politik“ hinweist. Obwohl ich die „Krisologie“ nicht mag, befinden wir uns vor einer Krise der griechischen Politik. Diese Krise rührt von der Anwendung einer „negativen Politik“ durch die Parteien her, die durch keinen Konsens getragen wird. Ohne einen Grundkonsens jedoch ist Regieren nicht möglich.“

N.D.: „Die griechische Gesellschaft enthält in ihrer Gesamtheit viele prädemokratische Elemente, traditionelle prädemokratische Elemente. Sie hat keine Tradition in wesentlicher Demokratie und ihr fehlt die Tradition einer Bürgergesellschaft; außerdem sind auch die Traumata des Bürgerkriegs noch latent vorhanden. Akkumulierter Hass und Animositäten, die sich sogar auf die dritte Generation auswirken.“

G.M.: „Nach dem Fall der Junta haben die Volksvertreter versucht, eine Art Frankenstein[s Monster] zu erschaffen, den sie nach links und rechts steuern können, und der niemand anderes ist als das Volk. Ich glaube nicht, dass es darum geht, ob diese Regierung oder die vorherige mehr oder weniger falsch gemacht hat. Was uns interessiert, ist, dass sich eine Verbesserung im Lande einstellt.“

G.G.: „Die Politik achtet nichts mehr, aber auch die Jugend achtet die Politik nicht mehr. Dies lässt sich daraus ersehen, dass unsere Generation etwas unpolitisch ist. Einerseits machen wir uns lustig über die Parteien, die 15% für die Bildungspolitik versprechen und einen Mindestlohn von 1500 Euro, andererseits sehen wir, dass dies mit bestimmten Methoden erreichbar wäre. Dass jedoch eine derart neoliberale Politik angewendet wird, was auch ein Schwachpunkt der vorherigen Regierung war, hat den gesamten gesellschaftlichen Zusammenhalt zerstört.“

V.L.: „Die Menschen leben mit dem Wissen, dass die Politik dieses Landes sie ignoriert. Es gibt keine Kommunikationswege mehr mit der Politik. Ein weiteres Zeichen für die Achtlosigkeit der Politik ist, dass sich die Parteien gegenseitig die Schuld zuschieben, in die Protestbewegung eingreifen zu wollen. Warum dürfen in eine Bewegung keine Parteien eingreifen? Die sind doch die Meinungsträger des politischen Lebens, oder?“
Das Bildungssystem aller Stufen scheint von den Bedürfnissen und Hoffnungen der Lehrenden und Lernenden abgekoppelt zu sein. Was steckt hinter der reformatorischen Bewegungslosigkeit des Bildungssystems?

V.G.: „Es ist klar, dass unser Bildungssystem der Reform bedarf. Eine Reform welchen Inhalts, gilt es zunächst zu klären. Dann, wie die Reformen durchzuführen sind. Die Bemühungen der jüngeren Vergangenheit (Giannakou-Gesetz) sind auf schärfste Reaktionen gestoßen. In modernen Gesellschaften kann man Reformen nicht von oben auferlegen. Kein Politiker kann einschneidende Veränderungen in der Hochschulbildung vornehmen, ohne die direkt Betroffenen zu berücksichtigen. Sie benötigen Beratungsprozesse im Rahmen der üblichen Regierungstätigkeit, was die griechischen Regierungen und Parteien vergessen zu haben scheinen. Bezüglich des Inhalts der Reformen möchte ich meiner Besorgnis Ausdruck verleihen, weil uns in den griechischen Universitäten die Grundlagen fehlen. Es gilt also, bei den Grundlagen anzufangen.“

N.D.: „Ich stimme zu, bin aber skeptisch. Die Diagnose steht, ich denke nur nicht, dass es eine Therapie gibt. Es besteht soviel Trägheit, soviel Misstrauen bei allen Beteiligten, den jeweiligen Regierungen, den Studenten, den Lehrenden. Die jeweiligen Regierungen und die Minister möchten dem Bildungssystem ihren Stempel aufdrücken und so sehen wir plötzliche Kehrtwendungen in der Politik, wobei wir doch nur zu gut wissen, dass selbst nach ausführlichen Beratungen, die ich für unmöglich halte, und selbst wenn alle zustimmen sollten, es für ein Reformprogramm im Hochschulwesen Jahre bis zur Umsetzung bräuchte. Es wäre auf ein Jahrzehnt auszulegen und schrittweise mit reiflich überlegten Maßnahmen durchzusetzen. Ich glaube jedoch leider nicht, dass das machbar ist. Vielleicht hört sich das zu skeptisch an; ich meine, ein jeder müsste anhand seiner persönlichen Vorbilder und nach seinem eigenen Ehrgefühl voran schreiten.“

R.R.: „Ich bin der Ansicht, die Situation muss von der Grundschule auf geändert werden. Also eine ganz andere Situation schaffen, andere Bücher, Lehrinhalte, die Kinder mit ihrer Seele in Kontakt bringen. Bezüglich der Inhalte der Hochschulreform, so bin ich gegen die Schaffung von privaten Universitäten, zumindest nicht, solange die öffentlichen unterfinanziert sind.“

G.M.: „Die griechischen Hochschulen kränkeln wirklich. Ich bin zwar nicht zuständig dafür zu sagen, ob es eine Therapie gibt, aber ich bin optimistisch. Es muss Geld in die Bildung gesteckt werden, es sind radikale Änderungen durchzuführen, und der jeweils verantwortliche Politiker sollte dabei nicht davor zurückscheuen, politischen Unmut zu erregen. Bezüglich der privaten Universitäten möchte ich sagen, dass ich dagegen bin, solange die griechischen öffentlichen Universitäten nicht mit den öffentlichen Universitäten im Ausland konkurrieren können. Es gibt nicht eine griechische Universität unter den 200 besten der Welt. Das sagt doch alles.“

G.G.: „In wenigen Tagen will die Regierung 2,76% des Haushalts für die Bildung auf 2,74% korrigieren, also 250 Mio. Euro weniger. Bezüglich der Lehrbücher, ist die Sache sehr einfach: Nicht kostenlose Bücher für niemanden, wie es schon in der Junta hieß „ein Buch für jeden“, wir sind an der Hochschule, wir müssen zu Wissenschaftlern werden, nicht wieder zu Schülern, nicht ein kostenloses Buch für jeden, aber auch nicht, dass wir für unsere Bücher zu bezahlen haben. Große Bibliotheken, die auf dem Laufenden sind, mit direktem Internetzzugang, das brauchen wir.“

V.L.: „Mich stört es schon gar nicht mehr, dass ich auf der Fensterbank sitzen muss, um an der Vorlesung teilzunehmen. Was mich stört, sind die Mängel in den Bibliotheken. Ich meine, die Bildungspolitik ist die Speerspitze zur Formung der Art von Gesellschaft, die die politischen Führungen schaffen möchten und es ist klar, dass sie die Karikatur einer Gesellschaft möchten. Wenn man das Bildungssystem in einen Prozess einbindet, in dem es bei allem, was es eigentlich sein sollte, versagt, dann verliert die Gesellschaft ihre Fähigkeit, ihre gesunden Elemente zu reproduzieren. Die öffentliche Universität erlebt eine konzertierte Aktion zu ihrer Rückstufung, und dennoch legt sie ein gewisses Heldentum an den Tag, weil sie sich nämlich noch gesunde Elemente erhalten hat“. *

Erstveröffentlichung in der griechischen Zeitschrift ELEFTHEROTYPIA

A.d.Ü.: Anmerkung des Übersetzers

Der Text wurde aus dem griechischen übersetzt.