Das Prüfungsprojekt der Gewerkschaften

Prüf_mit steht als Projekt für Qualität im Prüfungswesen

Prüf_mit ein Projekt, von ver.di, IG BCE und IG Metall, dass unter dem Motto „Wir brauchen Sie als Prüferin und Prüfer“ das, unterstützt von Bundesministerium für Forschung, Bildung und Wissenschaft (BMBF), die Gewinnung und Qualifizierung von Prüferinnen und Prüfern fördert.

Über 300.000 ehrenamtliche Ausbildungsprüfer in Deutschland machen einen wichtigen Job: Zweimal im Jahr nehmen sie die Prüfungen der Auszubildenden und der Kolleginnen und Kollegen, die sich einer beruflichen Aufstiegsfortbildung gestellt haben ab und bewerten diese. Umso wichtiger ist es, dass Prüfer aus der betrieblichen Praxis kommen. Die Prüfungsausschüsse der regionalen Kammern sind zu zwei Dritteln mit qualifizierten Beschäftigten aus den Betrieben besetzt, das dritte Drittel mit Berufsschullehrern. Die Bereitschaft zu fördern hier mitzuwirken, sich zu qualifizieren und sich auszutauschen, ist das Ziel von prüf_mit.

Über dieses Projekt hat Denk-doch-Mal mit Kollegin Annegret Biller, die maßgeblich für ver.di das Projekt prüf-mit gestaltet, gesprochen.

Prüf_mit steht als Projekt für Qualität im Prüfungswesen

Interview mit Annegret Biller

Annegret, du hast das Projekt prüf_mit maßgeblich für Ver.di mitgestaltet und bis heute noch, obwohl du schon im wohl verdienten Ruhestand bist, sehr aktiv. Wie siehst du dieses Projekt?

BILLER Prüf-mit steht als Projekt für Qualität im Prüfungswesen. Seit den 70iger Jahren bin ich in der Beruflichen Bildung aktiv. Viele Jahre als Prüferin und reingerutscht in dieses Ehrenamt mit der Aussage, „da musst du nicht viel tun“. Dies hat sich gravierend verändert, seitdem die Gewerkschaften DAG und ÖTV Prüferschulungen Anfang der 80ziger Jahre angeboten hatten. Durch den Zusammenschluss der fünf Gewerkschaften zu ver.di 2001 haben Gunther Steffens und ich bundesweite Schulungen angeboten und durchgeführt. Wir haben im Laufe der Jahre hunderte von Prüferinnen und Prüfer, aber auch sehr viele Interessierte schulen können mit einem hervorragenden Team.

Kannst du einmal kurz schildern, was den Schwerpunkt der Seminare bildet ?

BILLER Auf unseren Seminaren erleben wir immer wieder Kolleginnen und Kollegen, die seit Jahren in den Prüfungsausschüssen bei den zuständigen Stellen engagiert mitarbeiten, aber sich oftmals allein gelassen fühlen. Hier setzt unser vom BMBF unterstütztes und finanziertes prüf-mit Projekt an. Wir qualifizieren die Prüferinnen und Prüfer und Interessierte potentielle Prüfer in rechtlichen Fragen und besprechen die Prüfungsabläufe. Wir gehen dabei auf die spezielle Kommunikation bei Prüfungen ein und simulieren solch Prüfungssituationen. Wenn die Teilnehmer einverstanden sind, nehmen wir das per Video auf und besprechen das hinterher. Es ist dabei immer wieder spannend, dass die Situation als real empfunden wir. So wird den Beteiligten deutlich, was ein Prüfling tatsächlich empfindet.

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Wer ist Annegret Biller?

BIllerAktiv in der Gewerkschaftsarbeit seit 1973, Mitglied im Prüfungsausschuss Zahnarzthelferin, Bundesweite Tarifkommission der ÖTV, hauptamtlich 1987 zur ÖTV im Bereich Jugend und Berufsbildung, aktiv in der Bildungs- und Berufsbildungsarbeit. Nach Weiterbildung und Studium nach ver.di Gründung 2001, nach Berlin zur Bundesverwaltung als Bildungsreferentin. Schulung von Prüfungsausschussmitgliedern in Ausbildungs- und Fortbildungsberufen. Aktive Prüferin in der Fortbildung Aus-und Weiterbildungspädagoge sowie Berufspädagoge. Mediatorin sowie Sozial- und Gesundheitsmanagerin. Seit 1986 Mitglied in der Selbstverwaltung der Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Seit Juli 2011 freie Dozentin im Prüfungswesen für ver.di.

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Wie sieht das aus deiner Sicht mit der Kenntnis über die Vorgaben, wie Musterprü-fungsordnung und der Ausbildungsverordnung als Richtschnur für die Prüfungen aus?

BILLER Ehrlich gesagt erleben wir da immer wieder, dass die Verordnung vielen nicht bekannt ist. Wir haben uns daher entschlossen, die Musterprüfungsordnung in Arbeitsgruppen erarbeiten zu lassen. Wir haben damit erreicht, dass Methodenkompetenzen gleich mit vermittelt werden. Die jeweilige Verordnung für die Berufe lesen wir gemeinsam und arbeiten heraus, was das für die Prüfung bedeutet. Da ergeben sich dann zum Teil ganz neue Erkenntnisse, die dann in der Gruppe auch zum Teil kontrovers diskutiert werden. Aber gerade in dieser offenen Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen praktischen Erfahrungen und Vorstellungen liegt die Chance, dass man etwas mitnimmt. Manch Teilnehmer bringt dann auch Blickrichtungen ein, die man vorher gar nicht drauf hatte. Weiter hat die Einhaltung der Prüfungszeiten, die Gewichtung, die jeweiligen Bewertungskriterien einen hohen Stellenwert und werden in Rollenspielen umgesetzt.

Eine grundsätzliche Erkenntnis ist: Prüferinnen und Prüfer müssen ihre Verordnung genau kennen, damit sie valide bewerten können.

Wie schätzt du diese Schulungen aus der Sicht einer Gewerkschafterin ein?

BILLER Wir als Gewerkschafter haben hier die Chance, die Qualität im Prüfungswesen durch unsere qualitativ hohen Schulungen zu gewährleisten. Besonders fällt uns auf, das einige zuständige Stellen die schriftlichen Prüfungsaufgaben nur durch den Erst- und Zweitkorrektor bewerten lassen. Ich befürchte aus ökonomischen Gründen.

IMG_6536Dies geht am Berufsbildungsgesetz § 42 vorbei, Prüfungsleistungen sind einzeln vom Prüfer und dann vom gesamten Ausschuss zu bewerten (vergl. Kommentar BBIG § 42 /Wohlgemut u.a. Seite 426 Abs. 2.2. Gegenstand) Auch berichten Kollegen, dass nur die Lehrer die schriftlichen Arbeiten korrigieren bzw. bewerten.

Bei einigen zuständigen Stellen (IHK Bereich) werden multiple choice Aufgaben maschinell ausgewertet und der Prüfungsausschuss bekommt sie nicht einmal zu Gesicht, soll aber unterschreiben.

In vielen neu geordneten Berufen ist der Betriebliche Auftrag, das Prüfungsstück und das Fachgespräch auch im ver.di Bereich, eine Herausforderung für unsere Prüfungsausschüsse. Während seit vielen Jahren die Sozialversicherungsfachangestellten sowie auch die Verwaltungsfachangestellten und Fachangestellten für Bürokommunikation im öffentlichen Dienst diese Fachgespräche führen, müssen in anderen kaufmännischen Berufen die Prüfungsausschüsse umdenken.

Es geht es nicht mehr darum Wissen abzufragen, sondern Berufliche Handlungskompetenz zu vermitteln. Im Fachgespräch soll der Prüfling zeigen, dass er Zusammenhänge erfassen und erläutern kann. Dies zu bewerten ist eine neue Kultur der Prüfungsabnahme. Wir bieten deshalb wie schon vorher erwähnt diese Übung in unserem Qualifizierungsseminaren den Teilnehmenden in simulierten Prüfungssituationen an. Das Fachgespräch wird per Video aufgezeichnet und ausgewertet, so können die Prüferinnen die Prüfer sowie die Interessierten ihre Rolle annehmen zum Wohle der Auszubildenden.

Annegret zum Abschluss noch die Frage. Wie sieht deine Vision für die Zukunft aus?

BILLER Meine Vision für ehrenamtliche Prüferinnen und Prüfer ist:

  • Gesetzliche Freistellung für die gesellschaftspolitische Aufgabe
  • Aufgeschlossene Prüferinnen und Prüfer, die neugierig auf Veränderungen sind
  • Ausreichend Interessierte, die dann nach ihrer Qualifizierung auch von den zuständigen Stellen berufen werden
  • Zuständige Stellen, die nicht mehr nach pflichtgemäßem Ermessen die Prüfungsausschüsse zusammen setzen (müssen)
  • Hauptamtliche Gewerkschaftssekretäre, die die Sinnhaftigkeit dieser Prüfertätigkeit als Betreuung ansehen
  • Engagierte Arbeitgeber, die ehrenamtliche Prüfer unterstützen, zumal immer über den Fachkräftemangel gesprochen wird
  • Eine angemessene Honorierung von Seiten der zuständigen Stellen für die Bewertung der schriftlichen Klausuren und Projekte
  • Politische Anerkennung für das Ehrenamt

Dies und noch viel mehr, zum Wohle unserer jungen Kolleginnen und Kollegen, die nach der validen Prüfungsabnahme den Schritt ins Berufsleben mit einer guten Erinnerung an ihren Prüfungsausschuss beginnen.

Wir möchten uns bei Annegret für ihre Bereitschaft bedanken, hier Rede und Antwort zu stehen. Wir wünschen ihr noch viel Erfolg bei der tollen Arbeit und hoffen, dass noch viele Prüfer und Interessierte die Möglichkeit zu einer Schulung nutzen.

Hier die Internetseiten des Projekts:

Prüf mit bei Ver.di

http://www.pruef-mit.de/cms_neu/1/default.asp

Berufene Prüfer/innen und am Ehrenamt interessierte Kollegen und Kolleginnen können sich auf unserer Homepage selbst registrieren.:

Prüfen: WAP

http://www.pruefmit.de/cps/rde/xchg/wap/style.xsl/pruefen.htm

PRÜF´ MIT ist die freie Informationsseite der IG Metall für Prüferinnen & Prüfer. Sie wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und …

Prüfungswesen »Prüf mit! – IG BCE

http://www.pruefungswesen.igbce.de/

Prüf mit! Warum sollte ich Prüfer werden? Viele Gründe sprechen dafür, Prüfer zu werden. Wie kann ich Prüfer werden?