Informelles Lernen - Schlaglichter auf die wissenschaftliche Diskussion

Von: Prof. Dr. Matthias Rohs (Juniorprofessor TU Kaiserslautern)

Prof. Dr. Matthias Rohs

Juniorprofessor TU Kaiserslautern

Matthias Rohs, Dr. phil., Studium der Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie an der Freien Universität Berlin, Tätigkeit in verschiedenen Forschungseinrichtungen in Deutschland und der Schweiz sowie in der Wirtschaft, Juniorprofessor für Erwachsenenbildung an der Technischen Universität Kaiserslautern in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung, Forschungsschwerpunkte sind informelles Lernen und Lernen mit digitalen Medien.


Die Diskussion zum informellen Lernen hat in den letzten Jahren große Popularität genossen. Getrieben von der europäischen Bildungspolitik stand und steht dabei vor allem die Umsetzung der Anerkennung informell erworbener Kompetenzen im Mittelpunkt. Mit dem folgenden Beitrag sollen mehr die grundlegenden Fragen nach der Bedeutung und der Förderung informellen Lernens in den Mittelpunkt gerückt werden.

Was ist informelles Lernen?

Die Bestimmung dessen, was das informelle Lernen ist, erweist sich als äußerst problematisch. Es existieren eine Vielzahl an Definitionen, innerhalb derer sich zwei grundsätzliche Denkrichtungen festmachen lassen:

a) Definitionen aus der Perspektive des Subjekts

Bei diesen Ansätzen spielt z.B. die individuelle Wahrnehmung des Lernens eine Rolle, d.h. ob es sich (1) um einen bewussten oder unbewussten Lernprozess handelt oder ob das Lernen (2) aus Sicht des Lernenden allen dem Wissenserwerbs dient, oder z.B. auf eine Problemlösung ausgerichtet ist (Wie installiere ich ein neues Betriebssystem?)

b) Definitionen aus der Perspektive des Kontextes

Eine zweite Gruppe von Definitionsansätzen rückt den Kontext (Merkmale der Umgebung) in den Mittelpunkt und unterscheiden ein Lernen unter formellen bzw. informellen Bedingungen. Formell wäre demnach ein Umfeld organisierter Bildung, wie z.B. Schule, Hochschule, privater Bildungsträger, informell wären ein Lernen, das „ungeregelt in Lebenszusammenhängen“ stattfindet.

Die meisten Definitionen informellen Lernens nutzen sowohl Kriterien aus der Perspektive des Subjekts als auch des Kontextes. Durch die Nutzung verschiedener Kriterien wird die Beschreibung informellen Lernens auf der einen Seite  zwar genauer, auf der anderen Seite bewirkt es aber, dass sich Praxis nur noch ungenügend in den Kategorien formelles und informelles Lernen beschreiben lässt. So kann auch Lernen außerhalb von Bildungseinrichtungen didaktisch strukturiert (und damit formal) und auch ein Lernen in Bildungseinrichtungen unbewusst (und damit informell) sein. Die Grenzen zwischen formellem und informellem Lernen verschwimmen.
Der Umgang mit diesem Problem erfolgt auf zweierlei Weise. Zum einen werden Zwischenkategorien eingeführt, wie das non-formale Lernen, welches das Spektrum der Mischformen abdecken sollen (vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2000). Auf der anderen Seite wird der Ansatz eines Kontinuums gewählt, dass nur formelles und informelles Lernen definiert, aber davon ausgeht, dass es zwischen diesen Polen eine Vielzahl von Lernformen gibt, die Charakteristika formellen und informellen Lernens aufweisen (vgl. Rohs 2008).

Wer lernt informell?

Das uneinheitlichen und unscharfen Begriffsverständnis informellen Lernens macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn Aussagen zum Umfang und zur Bedeutung dieser Lernform getroffen werden sollen. Weit verbreitet sind Aussagen, die den Anteil informellen Lernens zwischen 70 und 80% des Lernens schätzen. Diese Aussagen basieren zum einen auf den Untersuchungen von Livingston (1999), die in Kanada in den 1990er Jahren durchgeführt worden sind, verschiedene Untersuchungen in den USA (zusammenfassend Cross 2007, S.  243f) und nehmen Bezug auf den so genannten Faure-Report der UNESCO (1973). Im Vergleich dazu weisen aktuellere Untersuchungen deutliche Unterschiede zu diesen Zahlen auf. So beteiligten sich nach den Ergebnissen des Adult Education Survey (AES) 2007 46% der 19-64-Jährigen in Deutschland an informellen Lernaktivitäten. Im Berichtsystem Weiterbildung (BSW) sind es für den gleichen Zeitraum 51% dieser Zielgruppe, die  sich an informeller beruflicher Weiterbildung beteiligt haben und 39%, die in der Freizeit informell gelernt haben.

Damit soll nicht ausgesagt werden, dass die Beteiligung am informellen Lernen nachgelassen hat oder überbewertet wird. Vielmehr weisen diese Zahlen darauf hin, dass neben einer Berücksichtigung unterschiedlicher Definitionen eine genauere Betrachtung der verschiedenen Einflussfaktoren für eine Beteiligung an informellen Lernaktivitäten notwendig ist. So zeigen die Ergebnisse aus dem AES (Adult Education Survey) 2007 für die Zielgruppe der 25-64-Jährigen deutliche Unterschiede innerhalb der europäischen Länder. So nehmen nur 18,8% der Rumän/innen, aber 84,1% der Slowak/innen an informellen Lernaktivitäten teil (Europäische Kommission 2012). Selbst zwischen Ost- und Westdeutschland sind Unterschiede in der Beteiligung an betrieblichen informellen Lernprozessen nachgewiesen (Brussig & Leber 2005a).

Neben den regionalen Unterschieden, die z.B. auf ein unterschiedlich ausgeprägtes Bildungssystem,  ein unterschiedliches Verständnisse von Lernen  oder kulturelle Unterschiede zurückzuführen sind, gibt es noch eine Reihe weiterer Variablen, die Einfluss auf die Beteiligung an informellen Lernaktivitäten haben, so z.B.:

  • Status der formalen Qualifikation: Hochqualifizierte nehmen doppelt so häufig an informellen Formen der Weiterbildung teil, wie Nicht-Hochqualifizierte (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2012,).
  • Beschäftigungsstatus: Personen in höheren beruflichen Positionen sowie Selbständige bilden sich öfter informell weiter als un- und angelernte Arbeiter oder Facharbeiter. (vgl. Kaufmann 2012, S. 165)
  • Beteiligung an formaler Weiterbildung: Personen die an formaler Weiterbildung teilnehmen, bilden sich auch stärker informell weiter (vgl. Kaufmann 2012, S. 220f)
  • Tätigkeit/Branche: Beschäftigte im öffentlichen Dienst bilden sich öfter weiter als Erwerbstätige in Betrieben (vgl. Kaufmann 2012, S. 220f). Darüber hinaus wirken sich höhere Anforderungen an Kooperation und Selbständigkeit im Betrieb positiv auf den Umfang informellen Lernens aus (Brussig & Leber 2005b)
  • Betriebsgröße: Der Einfluss der Betriebsgröße wird unterschiedlich bewertet. Teilweise wird davon ausgegangen, dass Mitarbeiter in großen Unternehmen öfter informell Lernen als Mitarbeiter in kleinen Betrieben (vgl. Kaufmann 2012, S. 220f), teilweise wird auch in der anderen Richtung argumentiert (vgl. Brussig & Leber 2005b, S. 6f)
  • usw.

Bei einer breiteren Auslegung der Definition informellen Lernens und einer Betrachtung aller Lebensbereiche, könnte man auch behaupten, dass das informelle Lernen eine natürliche Begleiterscheinung des Lebens ist und damit jeder fast ständig informell lernt oder dass die Kategorie des informellen Lernens aufgrund der begrifflichen Breite und Unbestimmtheit für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung kaum tauglich ist. Der Konsens liegt aber wohl eher darin, dass noch zu wenig Forschung zum informellen Lernen vorliegt und die Unschärfen in Zusammenhang mit dem Begriff mehr Fragen als Antworten produzieren. Vor diesem Hintergrund kann die Antwort auf die Frage nach der Bedeutung informellen Lernens aber nur vage bleiben bzw. bedarf mehr als einer pauschalen Bedeutungszuweisung.

Warum sollte informell gelernt werden?

Beim informellen Lernen gibt es – trotz aller Unklarheiten bezüglich der genauen Definition und Ausgestaltung – einen weitgehenden politischen, wirtschaftlichen und in weiten Teilen auch wissenschaftlichen  Konsens darüber, dass dem informellen Lernen eine relevante Stellung im Kontext des lebenslangen Lernens zugesprochen werden muss. Welche Argumente und Motive hinter der Bedeutungszuschreibung liegen, wird jedoch kaum hinterfragt.

Auf bildungspolitischer Ebene wird das informelle Lernen vor allem vor dem Hintergrund des lebenslangen Lernens und der Anerkennung informell erworbener Kompetenzen thematisiert. Informelles Lernen lenkt in diesem Zusammenhang den Blick auf unerschlossene Lernmöglichkeiten – insbesondere für sozial Benachteiligte – und ermöglicht über eine Anerkennung den Zugang zu Bildung/Abschlüssen und damit höherwertigen Arbeitsmöglichkeiten, Verdienst und sozialen Status. In diesem Zusammenhang werden neue Bildungsverläufe möglich und damit auch Anreize zur Weiterbildung geschaffen, die sowohl der persönlichen Entwicklung, als auch zur Beschäftigungsfähigkeit beitragen.

Mobilitaet

Gleichzeitig wird aber auch eine gewisse Janusköpfigkeit des informellen Lernens sichtbar, die nicht in der Natur des informellen Lernens, wohl aber in den verschiedenen Interessenlagen auszumachen ist. Auf der einen Seite ist es ein (zweck)freies Lernen und auf der anderen Seite ist die Betrachtung in vielen Fällen auch auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit des Gelernten gerichtet. Dabei ist nicht nur das Lernen im Arbeitskontext im Blickfeld, sondern auch das Lernen in der Freizeit. Somit besteht zumindest die Gefahr, dass die individuelle Lebenswelt zunehmend von der Notwendigkeit des informellen Lernens durchdrungen und die Möglichkeit zum informellen Lernen zu einer Notwendigkeit und einem Selbstzwang zum mehr oder weniger bewusstem Lernen in jeder Lebenssituation wird.

Dieser Blickwinkel findet sich auch in der europapolitischen Diskussion zum informellen Lernen wieder: „Übergeordnetes Ziel ist dabei nicht nur, durch die Anerkennung von Lernergebnissen den individuellen Wert und die Bedeutung informellen Lernens zu fördern und wertzuschätzen, sondern vor allem die damit verbundenen Kompetenzen, Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten dem Arbeitsmarkt zu Verfügung zu stellen, die individuelle Beschäftigungsfähigkeit zu fördern und damit das Wirtschaftswachstum und die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken.“ (Bohlinger 2009, S. 159)

Aber nicht nur bildungspolitisch, sondern auch aus dem Blickwinkel des betrieblichen Lernens ist die Wertschätzung informellen Lernens nicht gleichzusetzen mit dem Wunsch nach individueller Entfaltung und allgemeiner Wertschätzung des Lernens.  John Garrick (1998) hat sich in einer Untersuchung mit den „versteckten“ Absichten eines effizienteren und effektiveren Lernens hinter der Förderung und Forderung informellen Lernens durch die betriebliche Personalentwicklung beschäftigt und die ökonomischen Interessen deutlich gemacht.

Insgesamt zeigt sich damit eine breite Argumentationsbasis zur Unterstützung informellen Lernens. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass der Grad zwischen dem individuellen und gesellschaftlichen Nutzen und der  subtilen Vereinnahmung des informellen Lernens vor dem Hintergrund ökonomischer Interessen schmal ist.

Wie ist das Verhältnis formellen und informellen Lernens?
Bis in die 1970er Jahre lag ein Verständnis informellen Lernens vor, dass sich vor allem in der Abgrenzung zum formellen Lernen begründete. Dieser Blickwinkel behinderte  eine ganzheitliche Betrachtung beider Lernformen und die Möglichkeiten einer komplementären oder integrierenden Sichtweise, wie sie oben angedeutet wurde. Dieses Verständnis hat sich grundlegend verändert und gerade die Verbindung formellen und informellen Lernens wird als Gewinn und Herausforderung für die Gestaltung von Lehr-Lernprozessen gesehen: „Formal Education needs to backed up by informal learning in order to be effective.“ (Svensson & Ellström 2004, S. 481).

Die Herausforderung einer Verbindung formellen und informellen Lernens besteht dabei sowohl auf theoretischer als auch praktischer Ebene. Theoretisch deswegen, da das allgegenwärtige Postulat einer Verbindung oder Integration eng mit dem Verständnis informellen Lernens zusammenhängt. Ist das informelle Lernen klar gegenüber dem formellen Lernen abgrenzbar – zum Beispiel institutionell – können Schnittstellen gesucht werden. Liegt hingegen ein Verständnis multipler Perspektiven vor, das von einem Kontinuum formellen und informellen Lernens ausgeht, ist eine Verbindung formellen und informellen Lernens in der Regel gegeben.

So stellen Hodkinson, Colley & Malcolm (2003) fest: „It is important not to see informal and formal attributes as somehow separate, waiting to be integrated. This is the dominant view in the literature, and it is mistaken. Thus, the challenge is not to, somehow, combine informal and formal learning, for informal and formal attributes are present and inter-related, whether we will it so or not.“ (ebd, S. 314).

Wird davon ausgegangen, dass sich formelles und informelles Lernen auch praktisch unterscheiden lassen, können müssen für eine Verbindung Schnittstellen identifiziert werden. Diese Schnittstellen sind auf drei Ebenen auszumachen:

1. Ebene der Lernprozesse

Auf der einen Seite können persönliche Erfahrung als Ausgangspunkt für Lernprozesse angenommen werden. Erfahrungswissen ist dabei in der Regel unbewusstes Wissen. Die Reflexion dieses unbewussten Erfahrungswissen in daher in diesem Fall eine wesentliche Voraussetzung für eine Verbindung zu formellen Lernprozessen. Die Reflexion dient dabei dazu, sich unbewusster Erfahrungen und Lernerträge (z.B. als Hintergrund von Handlungsroutinen) bewusst zu werden und Bezüge zum Lernen in formalen Kontexten herzustellen. Das ist z.B. der Fall, wenn Vorerfahrungen im Kontext von Seminaren für die individuelle oder kollektive Auseinandersetzung mit dem behandelten Gegenstand genutzt werden.

Auf der anderen Seite kann in formalen Kontexten erworbenes Wissen als Grundlage für informelle Lernprozesse dienen, indem dieses Wissen die informellen Lernprozesse bewusst oder unbewusst prägt, also u.a. die Wahrnehmung von Erfahrungsmöglichkeiten beeinflusst. So kann z.B. das in einem Kurs erworbene Wissen über Projektmanagement das tatsächliche Handeln im Zusammenhang mit dem Management von Projekten beeinflussen und damit die Erfahrungsmöglichkeiten lenken. Bestimmte Fehler werden vermieden, die Grundlage informeller Lernprozesse sein könnten. Dieser Prozess könnte als (Vor-)Strukturierung bezeichnet werden.
(Vor-)Strukturierung und Reflexion sind Prozesse, die von sich aus stattfinden, aber auch gezielt angestoßen bzw. methodisch unterstützt werden können. Die Verbindung formellen und informellen Lernens ist damit vor allem die Aufnahme der Ergebnisse einer Lernform als Ausgangspunkt der anderen Lernform. Dabei spielen zeitliche und inhaltliche Bezüge eine Rolle, d.h. je enger die inhaltlichen Bezüge zwischen der gemachten Erfahrung und der in formalen Kontexte behandelten Thematik, je eher können Verknüpfungen hergestellt werden. Zudem ist davon auszugehen, dass die zeitliche Nähe von formellen und informellen Prozessen und damit das Erinnerungsvermögen die Verknüpfung unterstützen.

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2. Ebene der Organisation

Die organisationale Ebene thematisiert den Rahmen, in dem Lernprozesse ablaufen. Informelle Lernprozesse finden oft ohne spezielle Rahmung in allen Lebenszusammenhängen, wie z.B. auf Reisen, statt. Sie vollziehen sich aber auch im Verein, im Unternehmen oder – je nach Verständnis – in Bildungseinrichtungen. In diesem Rahmen können Strukturen und formal-organisatorische Rahmenbedingungen  geschaffen werden, die das informelle Lernen (gezielt) unterstützen.

Dazu gehören:

a) Lernanlässe

Lernanlässe können so gewählt werden, dass sie die Person vor entsprechende Lernherausforderungen stellt. Sie sind dann geeignete Lernanlässe, wenn sie in den Anforderungen nicht über-/unterfordernd sind. Die Verbindung formellen und informellen Lernens ist unter diesem Blickwinkel als „formale“ Organisation von Gelegenheiten zum informellen Lernen zu sehen.

b) Zeit

Ausreichend Zeit zum Lernen ist eine wesentliche Voraussetzung, damit Lernen stattfinden kann. Zeit muss situativ zur Verfügung stehen, d.h. dann, wenn das Problem, der individuelle Lernanlass auftritt. In Einrichtungen, deren Hauptzweck nicht die Bildung und das Lernen ist, wird daher auch über die Möglichkeit der Organisation von Lernzeiten diskutiert. Durch solche formalen Regelungen kann informelles Lernen gefördert werden.

c) Zugang zu Informationen

Das Internet ist dabei eine wesentliche, wenn auch nicht die einzige Informationsquelle. In der Regel sind es oft auch Kolleg/innen, die bei Fragen angesprochen werden. Informationsquellen können dabei anlassbedingt gesucht werden, können aber auch selbst eine Lerngelegenheit darstellen, z.B. wenn Fachzeitschriften in Pausenräumen ausliegen.

d) Raum

Gemeint sind hier zum einen Rückzugsräume für die notwendige Ruhe zum Lernen, zum anderen aber auch eine architektonische Gestaltung von Gebäuden, die Austausch und Kommunikation fördert und z.B. Arrangements für den Austausch in Kleingruppen bieten.
Die genannten Faktoren können informelles Lernen fördern, aber auch gezielt mit formalen Lernangeboten gekoppelt werden.

3. Ebene des Bildungssystem

Auf der Ebene des Bildungssystems kann die Verbindung formellen und informellen Lernen vor allem über die Anerkennung/Zertifizierung informelle erworbener Kompetenzen realisiert werden. Dieser Aspekt weist auch Verbindungen zu den anderen beiden Ebenen auf, wenn z.B. Lernergebnisse dokumentiert und anerkannt werden müssen.

Fazit

Die Bedeutung informellen Lernens für das lebenslange Lernen ist allgemein anerkannt. Dennoch gibt es keine ausreichende Klarheit darüber, was mit dem informellen Lernen gemeint ist, wie informelles Lernen erfolgt und gefördert werden kann und welche Interessen hinter einer Förderung liegen. Diese Fragen müsse stärker in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt werden, damit die gewünschte und erhoffte Verbesserung der Chancengleichheit durch die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen auch eintreffen.

Literatur

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Bohlinger, S. (2009). Bildungspolitische Implikationen informellen Lernens, In bildungsforschung, 6 (1), S. 159-184. Online: http://www.bildungsforschung.org/index.php/bildungsforschung/article/vie… (13.06.2013)

Brussig, M. & Leber, U. (2005a). Formelle und informelle Weiterbildung im Ost-West-Vergleich. In: L. Bellmann & D. Sadowski (Hrsg.), Bildungsökonomische Analysen mit Mikrodaten (S. 123-144). BeitrAB 295, Nürnberg. Online: http://www.hampp-ejournals.de/hampp-verlag-services/get?file=/frei/ZfP_1… (13.06.2013)

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