Der menschliche Preis ist immer auch ein wirtschaftlicher Preis

Von: Martin Mohr (KAB-Bildungsreferent)

Martin Mohr

KAB-Bildungsreferent

1969 in Karlsruhe geboren, seit 2002 KAB – Bildungsreferent/Bezirkssekretär Bezirksverband Wesel, ehrenamtliches Mitglied im Verwaltungsrat der AOK Rheinland-Hamburg, Studium der Religionspädagogik, staatlich geprüfter Sozialsekretär.


KAB beschäftigt sich mit der neuen Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI

Nein, einfach zu lesen war eine Enzyklika noch nie. Soll sie eigentlich auch nicht, sie soll uns vielmehr beschäftigen. Gerade die im Sommer 2009 veröffentlichte Enzyklika „Caritas in veritate“ („Liebe in der Wahrheit“) hält dazu an, Kapitel, Abschnitte, Sätze wiederholt zu lesen und Zeiträume zu schaffen, in denen inhaltliche Zusammenhänge des Geschriebenen und ganz praktische Ausrichtungen auf unser Alltagsleben wachsen können.

Für die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) ist es von großer Bedeutung, dass Papst Benedikt XVI ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, konkrete Schieflagen im sozialen Gefüge und bezüglich der gesamtgesellschaftlichen Solidarität anprangert. Zur wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich auch in wohlhabenden Ländern wie z. B. Deutschland schreibt er: „Die systembedingte Zunahme der Ungleichheit unter Gesellschaftsgruppen innerhalb eines Landes … bzw. das Anwachsen der relativen Armut neigt nicht nur dazu, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu untergraben, und bringt auf diese Weise die Demokratie in Gefahr.“ (Civ 32.). Deutlicher kann man das nicht mehr ausdrücken, was wir jeden Tag um uns herum erleben. Die Wirtschaftkrise, also das Vernichten von Menschen zugunsten des Kapitals und das wachsende Vermögen nicht nicht nur der großen Wirtschaftsmanager wird uns somit vor Augen gehalten. Und auch die immer mehr drohende Chancenlosigkeit vieler, auch begabter und fleißiger Menschen auf dem Arbeitsmarkt und in vielen weiteren Bereichen der Gesellschaft, das Aussortieren und das „Ent-Sorgen“ von Alten, Gebrechlichen, Benachteiligten bei uns, in in unserer „hochentwickelten Gesellschaft“ das ist gemeint.

Dem intensiven Leser der Enzyklika entgeht es nicht, dass es dem Papst aber letztendlich immer wieder um eine Grundhaltung geht, wenn er an uns an uns appelliert: „Die Liebe … ist eine außerordentliche Kraft, welche die Menschen drängt, sich mutig und großherzig auf dem Gebiet der Gerechtigkeit und des Friedens einzusetzen.“ (Civ 1). Den Verantwortlichen von Politik und Wirtschaft gibt er mit auf den Weg:„Das Wirtschaftsleben kann nicht alle gesellschaftlichen Probleme durch die schlichte Ausbreitung des Geschäftsdenkens überwinden. Es soll auf das Erlangen des Gemeinwohls ausgerichtet werden … .“ (Civ 36)

Fazit:„Der menschliche Preis ist immer auch ein wirtschaftlicher Preis.“ (Civ 32.).