Wo Produktionsschule drauf steht, soll auch Produktionsschule drin sein

Das Qualitätssiegel Produktionsschule des Bundesverband Produktionsschulen e.V. als qualitätsbezogenes Entwicklungsinstrument für Produktionsschulen

Von: Martin Förster (Schulleiter)

Martin Förster

Schulleiter

Martin Förster ist Schulleiter der Berufsbildenden Schule für junge Menschen mit einer Hör- und Sprachbeeinträchtigung im Berufsbildungswerk Leipzig sowie verantwortlich für die Produktionsschule mit dem „Netz kleiner Werkstätten“ und der „Produktionsschule Leipzig“. Als Mitglied in verschiedenen Arbeitskreisen des Bundesverband Produktionsschulen e.V. hat er als wissenschaftliche Begleitung an der Entwicklung und Einführung des Qualitätssiegels Produktionsschule mitgewirkt.  


Neben der Schwierigkeit überhaupt festzustellen, wie viele Produktionsschulen in Deutschland existieren, besteht ebenso das Risiko, dass sich Einrichtungen als Produktionsschulen bezeichnen, sich jedoch den Grundsätzen des Produktionsschulgedankens nicht verpflichtet fühlen. Ein Qualitätssiegel soll helfen.

Seit den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begleiten Qualitätsdebatten, Diskussionen über Qualitätsmanagementmodelle sowie Gütesiegel und Zertifikate die Einrichtungen des Bildungswesens in Deutschland (vgl. u.a. Faber 2009, S. 13; Galiläer 2005, S. 9; Merchel 2013, S. 9). Auch Produktionsschulen sind Teil des Qualitätsdiskurses. Eines ist allerdings bei der Verbindung von Produktionsschule und Qualität offensichtlich: Es muss hierbei um mehr als die Darlegung des Produktionsschulansatzes gehen.

Es macht sich eine Notwendigkeit auf, dass Produktionsschule sowie die Produktionsschullandschaft in Deutschland umrissen wird, um zu verdeutlichen, auf was sich im Späteren eigentlich Produktionsschulqualität bezieht. Ebenso gilt es sich bewusst zu werden, was Qualität und Qualitätsmanagement als solche kennzeichnet, um nicht in Verlegenheit zu geraten, Begriffe inflationär und ohne Inhalt zu benutzen.

Die Diskussion von Produktionsschulqualität erfährt im Folgenden anhand des Qualitätsdiskurses Produktionsschule des Bundesverband Produktionsschulen e.V. eine konkrete Perspektive. Einerseits auf das, was Produktionsschule qualitativ auszeichnet. Andererseits, ob mit dem Qualitätssiegel Produktionsschule des Bundesverband Produktionsschulen e.V. ein Instrument zur Initiierung und Begleitung der (Qualitäts-) Entwicklung von Produktionsschule vorliegt.

Noebel_2013_alles_chlor_kleinFacettenreiche Produktionsschullandschaft

Produktionsschulen finden sich in Deutschland vorwiegend im sozialsektoralen Bereich der beruflichen Benachteiligtenförderung als Bestandteil des deutschen Bildungssystems wider. In verschiedenen Bundesländern, so beispielsweise in Hessen (Mertens/Gümpel 2006) und Niedersachsen (Reschke 2006), haben sich Interessierte in den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bereits auf den Weg gemacht, um den Produktionsschulgedanken zu realisieren. In der jüngeren Vergangenheit werden Produktionsschulen vorwiegend über (Modell-) Projekte und Programme der einzelnen Bundesländer, so u.a. Mecklenburg-Vorpommern (Gentner 2008; Gentner/Bojanowski/Wergin 2008), Hamburg (Gentner 2011) oder Sachsen (Meier/Gentner 2013a und 2013b) initiiert. Auch wenn es sozusagen einen Ort innerhalb des Bildungssystems für Produktionsschule gibt, fußt Produktionsschule nicht auf einer einheitlichen und konkreten Produktionsschultheorie. Vielmehr lassen sich im Produktionsschulansatz eine Vielzahl an Ideen und (reform-) pädagogischen Ansätzen widerfinden, die die Ausprägung von Produktionsschulen in unterschiedlichen Maße und Intensitäten beeinflussen (vgl. Bojanowski 1996, S. 483 f.). Im Rückgriff auf Bojanowskis Annäherung an eine amtliche Definition von Produktionsschule nimmt Produktionsschule zumindest grundlegend Konturen an:

„(1) Produktionsschulen als eigenständige betriebsähnliche Bildungseinrichtungen zwischen Bildungssystem und Arbeitsmarkt bieten jungen Menschen (von 15 bis 25) auf Basis von Freiwilligkeit und vermittels eines Bewerbungsverfahrens je nach ihrem Lernstand jederzeit mögliche Hilfen beim Übergang Schule-Beruf.

(2) Eingebettet in ein örtliches Marktgeschehen, aufbauend auf einem regionalen Netzwerk und unterstützt durch einen lokalen Beirat verbinden Produktionsschulen praktisches Arbeiten und theoretisches Lernen; durch die Erbringung marktfähiger Produkte und Dienstleistungen in den Werkstätten einer Produktionsschule, für die die Jugendlichen entlohnt werden, entsteht eine Ernstsituation, die Selbstbewusstsein und Stolz erzeugt.

(3) Unabdingbar für die innere Gestalt einer Produktionsschule sind Werkstattpädagogen als professionelle Anreger, eine pädagogische Entwicklungsplanung, eine pädagogisch arrangierte Lern- und Lebensgemeinschaft junger Menschen, ein durchdachtes kulturelles Arrangement als tragfähiger Rahmen, Zertifikate für eine beschäftigungsrelevante Qualifizierung/Ausbildung und Konzepte für die Gestaltung des Übergangs in Ausbildung oder Erwerbsarbeit.

(4) Produktionsschulen unterscheiden sich durch ihr spezifisches Profil erheblich von sonstigen Angeboten der Berufsvorbereitung; sie bedürfen als innovative Projekte zur ihrer finanziellen und rechtlichen Absicherung besonderer administrativer und politischer Unterstützung in Bund, Ländern und Kommunen.“ (2011, S. 23 f.).

Auch wenn, vielleicht auch weil es keine konkrete Definition von Produktionsschule gibt, hat sich in Deutschland eine Vielfältigkeit an institutionellen Ausprägungen innerhalb der Produktionsschullandschaft entwickelt. Einrichtungen arbeiten nach dem Produktionsschulgedanken, ohne sich Produktionsschule zu nennen. Berufsbildende Schulen integrieren diesen Ansatz in ihre Arbeit. Andere realisieren Produktionsschule unter den abhängigen Projekt- und Finanzierungsbedingungen als Förderangebot im Übergangssystem. Hierbei wird deutlich, dass es die Voraussetzungen sind, die die Produktionsschullandschaft prägen und den Facettenreichtum bei der Realisierung des Produktionsschulansatzes hervorgebracht haben (vgl. Johanssen/Gentner 2008, S. 2). Johanssen/Gentner fassen dies zusammen und kritisieren zugleich:

„Die existierenden Produktionsschulen und Einrichtungen mit produktionsschulorientiertem Ansatz arbeiten in unterschiedlichsten Trägerschaften, Organisations- und Kooperationsstrukturen bzw. Rechtsformen. Die bestehende Produktionsschullandschaft in Deutschland ist (noch) relativ unübersichtlich und gekennzeichnet von einer Verschiedenartigkeit der Konzepte, dahinterstehenden (Träger)Philosophien und einer Vielfalt der Bezeichnungen […]: Nicht jede Einrichtung, die Arbeiten und Lernen verbindet, nennt sich Produktionsschule bzw. ‚nicht überall wo Produktionsschule draufsteht, ist auch wirklich Produktionsschule drin‘ […].“ (2008, S. 2).

Neben der Schwierigkeit überhaupt festzustellen, wie viele Produktionsschulen in Deutschland existieren (vgl. Stomporowski/Kipp 2003; Rapp 2005, S. 349), besteht resümierend ebenso das Risiko, dass sich Einrichtungen als Produktionsschulen bezeichnen, sich jedoch den aufgezeigten Grundsätzen des Produktionsschulgedankens nicht verpflichtet fühlen.

An dieser Stelle knüpft der Bundesverband Produktionsschulen e.V. als bundesweite Interessenvertretung an. Mit der Gründung in 2007 wurde ein Verband ins Leben gerufen, der als fachliche Basis den Produktionsschulgedanken voranbringt und nach außen hin vertritt (vgl. Bundesverband Produktionsschulen e.V. 2007). Der Bundesverband Produktionsschulen e.V. verbindet durch seine Mitglieder Praktiker aus Produktionsschulen, politische Entscheider sowie Wissenschaftler, die sich dem Produktionsschulgedanken verpflichtet fühlen. Zur Konkretisierung von Produktionsschule wurden auf Initiative der Verbandsmitglieder Produktionsschulprinzipien (Bundesverband Produktionsschulen e.V. 2006) und daran anknüpfend Qualitätsmerkmale von Produktionsschule unter der Überschrift „Wo Produktionsschule drauf steht, soll auch Produktionsschule drin sein“ (Bundesverband Produktionsschulen e.V. 2010) erarbeitet und veröffentlicht. Zudem ist mit dem Qualitätssiegel Produktionsschule ein auf dieses Qualitätsverständnis von Produktionsschule angepasstes Qualitätstestierungsverfahren entwickelt, erprobt und umgesetzt worden.

Produktionsschulqualität

Um sich Produktionsschulqualität anzunähern, ist vorweg zu klären, was den Begriff Qualität als solchen ausmacht. Der Qualitätsbegriff offenbart in sich verschiedenste Perspektiven, Einflüsse, Bedeutungszuschreibungen und Assoziationen, die abhängig sind von den Individuen, die den Qualitätsbegriff nutzen (vgl. Helmke/Hornstein/Terhart 2000, S. 10; Merchel 2013, S. 39). Qualität ist demnach ein normatives Konstrukt, dass durch individuelle oder kollektive Subjektivität und damit durch differenzierte Perspektiven maßgeblich beeinflusst wird (vgl. Merchel 2013, S. 41). Qualität ist darüber hinaus relational, da die Qualitätsbestimmung als Abgleich der Erwartungen an die Sache und den vorausgehend vereinbarten Kriterien und Indikatoren mit der tatsächlichen Sache erfolgt (vgl. ebenda, S. 42 f.). Zudem ist Qualität als prozesshaft-dynamisch zu charakterisieren, da sich die Wertmaßstäbe zur Bestimmung von Qualität über die Zeit verändern oder gänzlich umkehren können (vgl. ebenda, S. 43). Die der Bestimmung von Qualität zu Grunde liegende normative, relationale sowie prozesshaft-dynamische Charakteristik verweist darauf, dass die Zuschreibung von Qualität stets über kommunikative, perspektivenabhängige Prozesse verläuft (vgl. ebenda). Qualität charakterisiert sich resümierend über die zu Grunde liegende Konstrukteigenschaft von Qualität in Verbindung mit einer multiperspektivischen Aushandlung von Qualität (vgl. ebenda, S. 45).

outdoor-finalUm Qualität allerdings bestimmen zu können, besteht die Notwendigkeit, sich über definierte Leistungsmerkmale sowie zugehörigen, messbaren, transparenten Indikatoren dem Qualitätsverständnis graduell anzunähern (vgl. ebenda, S. 43). Hierzu liefern Qualitätsmanagementverfahren systematische Strukturen und Abläufe, die ihren Zweck aus dem Vorhandensein der Qualitätsdefinition einer Sache begründen. Ergänzt um die Einbindung externer Dritter (Auditoren) bei der Bewertung und Bestimmung von Qualität, signalisieren ausgegebene Zertifikate oder Qualitätssiegel die Bestätigung der Qualität einer Einrichtung (vgl. ebenda, S. 202 f.).

Konkret hat der Bundesverband Produktionsschulen e.V. mit der Publikation „Wo Produktionsschule drauf steht, soll auch Produktionsschule drin sein.“ (2010) sein Verständnis von Produktionsschule und Produktionsschulqualität vorgelegt. Das zentrale Motiv von Produktionsschule beschreibt der Bundesverband in der Verbesserung der Übergangschancen junger Menschen in Ausbildung und Arbeit (vgl. ebenda, S. 5). Das anknüpfende konstituierende Element des Qualitätsverständnisses, dass Produktionsschule „[…] ein Lernarrangement für junge Menschen [ist], in dem über einen kooperativ organisierten Arbeitsprozess individuelle Lernprozesse nachhaltig gefördert werden […]“ (ebenda, S. 7), wird anhand von sechs Qualitätsdimensionen untersetzt:

  1. „Lern- und Arbeitsort bilden in Produktionsschulen eine Einheit. Sie sind betrieblich strukturiert und entlohnen ihre jungen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Produktionsschulen stellen in ihren Werkstätten marktfähige Produkte her oder bieten mit ihren Arbeitsbereichen Dienstleistungen für reale Kunden an.
  2. Im Mittelpunkt der Produktionsschulen stehen junge Menschen (von 14 bis 27 Jahren), die auf freiwilliger Basis und mit flexiblen Ein- bzw. Ausstiegen individuell gestaltete Bildungs- und Qualifizierungsangebote nutzen – mit dem Ziel der Integration in Ausbildung und Beschäftigung.
  3. Die Produktionsschule ist eine pädagogisch gestaltete Gemeinschaft junger Menschen in einer förderlichen und anregenden Lern- und Arbeitsatmosphäre.
  4. Produktionsschulen sind auf Dauer angelegt und werden durch systematische Netzwerkarbeit und Kooperationen zu einem festen Bestandteil des regionalen Wirtschafts-, Bildungs- und Sozialraums.
  5. An Produktionsschulen arbeitet ein multiprofessionelles Team mit Herz, welches über berufsfachliche, betriebswirtschaftliche und pädagogische Kompetenzen verfügt und in der Lage ist, den Besonderheiten des Bildungs- und Erziehungsanspruchs des Produktionsschulansatzes gerecht zu werden.
  6. Jede Produktionsschule pflegt ein Qualitätsmanagement oder Selbstevaluationssystem.“ (ebenda).

Jede Qualitätsdimension wird zudem weiterführend erläutert und durch Spezifikationen im Sinne von Leistungsmerkmalen, expliziten Anforderungen als Indikatoren sowie Nachweismöglichkeiten zur Erfassung und Bestimmung untersetzt (vgl. ebenda, S. 8 ff., siehe ebenso Förster/Mertens 2014). Der Bundesverband Produktionsschulen e.V. legt mit dem formulierten Qualitätsverständnis ein dem dialogischen Charakter von Qualität entsprechendes Qualitätsideal von Produktionsschule vor, welches seit 2008 über mehrere Jahre durch beauftragte Arbeitskreise aus Mitgliedern des Bundesverbandes erarbeitet und durch die Mitgliederversammlung in 2010 bestätigt wurde. Auf dieser Grundlage wurde weiterführend das Qualitätssiegel Produktionsschule entwickelt, erprobt und schließlich in den Regelbetrieb überführt.

Qualitätssiegel Produktionsschule

„Der Bundesverband Produktionsschulen e.V. erkennt mit der Vergabe des Qualitätssiegels an eine Produktionsschule ihr erreichtes Arbeits- und Entwicklungsniveau an.“ (ebenda, S. 4). Ergänzt um die Zielstellung, dass anhand der Qualitätsdefinition von Produktionsschule in Verbindung mit dem Qualitätssiegel Produktionsschule auch der Beliebigkeit in der Produktionsschullandschaft begegnet werden soll, soll ebenso den Produktionsschulen ein Instrument zur Sicherung und Entwicklung der institutionell-produktionsschulspezifischen Qualität zur Verfügung gestellt werden (vgl. ebenda, S. 4). Seit 2012 ist das Qualitätssiegel Produktionsschule ein Angebot für alle Einrichtungen, sich den Anforderungen des Bundesverbandes zu stellen und dies bei erfolgreicher Absolvierung des Zertifizierungsverfahrens testieren zu lassen. Über ein online auf der Homepage des Bundesverband Produktionsschulen e.V. zugänglichen Materialband (2015) können sich alle am Qualitätssiegel Interessierten informieren sowie auf das Vergabeverfahren vorbereiten:

 

FoersterBild1Quelle: Bundesverband Produktionsschulen e.V.: „Wo Produktionsschule drauf steht, soll auch Produktionsschule drin sein“

Die eingesetzten Auditoren verfügen allesamt über Produktionsschulerfahrungen und damit Kenntnisse über die Besonderheiten und den Anspruch an Produktionsschule. Für die Auditoren besteht die besondere Herausforderung, ihr eigenes, subjektives Produktionsschulwissen vor dem Hintergrund des Qualitätsverständnisses des Bundesverbandes zurückzustellen, um objektiv die gelebte Praxis einer Produktionsschule zu beurteilen. Die Bewertung der Spezifikationen erfolgt hierbei in den Kategorien ‚erfüllt‘ oder ‚nicht erfüllt‘. Das Bewertungssystem berücksichtigt die Vielfältigkeit der Umsetzung des Produktionsschulansatzes in Deutschland, indem unterschiedliche Nachweismöglichkeiten zur Verfügung stehen sowie innerhalb einer Qualitätsdimension immer nur eine Mehrheit der Spezifikationen (außer in Qualitätsdimension 6) erfüllt sein muss.

In der Testphase, im Vorfeld der Überführung des Qualitätssiegels als Regelangebot des Bundesverbandes, konnte in den beteiligten Produktionsschulen festgestellt werden, dass sich die Auseinandersetzung der Produktionsschulakteure mit dem Qualitätsideal Produktionsschule entwicklungsförderlich auf die Realisierung des gelebten Produktionsschulansatzes und damit die vorherrschende Arbeitspraxis ausgewirkt hat. Zudem hat insbesondere der Erfahrungsschatz der Auditoren dazu beigetragen, auch in über die Situation der Bewertung hinaus geführten Fachgesprächen Anregungen und Ideen in die Produktionsschulen zu transportieren. Das Qualitätssiegel Produktionsschule bietet in der Konsequenz für Produktionsschulen nicht nur eine Orientierung in der Ausgestaltung der pädagogischen Arbeit, sondern reichert über die Qualitätsbeschreibung sowie den Vergabeprozess des Qualitätssiegels die gelebten Arbeitszusammenhänge in einer Produktionsschule an und liefert Anlässe zur (Weiter-) Entwicklung der vorherrschenden Produktionsschulpraxis.

Zusammenfassung und Ausblick

Mit dem Qualitätsverständnis des Bundesverband Produktionsschulen e.V. ist es gelungen, Produktionsschule aus seinem Facettenreichtum heraus zu konkretisieren und dem Produktionsschulansatz eine klarere Kontur zu verleihen. Das was die Qualität einer Produktionsschule ausmacht, ist hierbei ein Ergebnis aus vielfältigen und multiperspektivischen Diskursen innerhalb des Bundesverbandes, an denen sich Werkstattpädagogen und Produktionsschulleitungen, aber auch Wissenschaftler und an der Produktionsschulidee Interessierte aktiv eingebracht haben. Dieses Qualitätsideal stellt hierbei kein unumstößliches Dogma der Beschreibung von Produktionsschulqualität dar. Vielmehr wird entsprechend des dialogischen Verständnisses von Qualität ein kommunikativ getragenes und ausgehandeltes Ergebnis dargelegt, dass Orientierung bietet und sich ebenso zukünftiger Reflexionen und Diskussionen über Produktionsschulqualität stellen muss. Daran schließt sich gleichsam die Ausgestaltung des Qualitätssiegels Produktionsschule an.

Das Qualitätssiegel bescheinigt auf der Basis des Qualitätsverständnisses des Bundesverbandes Produktionsschulqualität unter der Prämisse der Unterstützung bei der Entwicklung der gelebten Praxis einer Produktionsschule. Jede Veränderung und Weiterentwicklung des Qualitätsverständnisses von Produktionsschule wirkt sich auf die Zielstellung des Qualitätssiegels und folglich auf die Ausgestaltung des Zertifizierungsverfahrens aus. In der Konsequenz erfordert der Diskurs über Produktionsschulqualität eine permanente Reflexion der aktuellen Entwicklung der Produktionsschullandschaft innerhalb des deutschen Bildungssystems in Verbindung mit dem Motiv und damit dem Grund, für wen Produktionsschulen da sind.

Dieser Herausforderung an den dialogischen Charakter von Qualität stellt sich der Bundesverband Produktionsschulen, indem aktuell die Qualitätsstandards aus den bisherigen Erfahrungen heraus überprüft und überarbeitet werden, damit sie zur erneuten Diskussion gestellt werden können. Diese Lebendigkeit von Produktionsschulqualität ist schlussendlich ein Teil von dem, was Produktionsschule als Ganzes auszeichnet.

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