Neun Forderungen

Berufsschulen mit Zukunft: Investieren - Qualifizieren – Erneuern

IG Metall entwickelt Reformvorschläge für die Berufsschulen

Auf einen Blick: Die neun Vorschläge der IG Metall

Die IG Metall setzt sich für einen radikalen Neustart bei den 8.800 Berufsschulen in Deutschland ein. Gleich mit einer Reihe von Programmen sollen die Schulen raus aus der Abseitsfalle: Unter dem Dach einer „Investitionsoffensive Berufsschule“ soll es ein Bundesprogramm „Berufsschule der Zukunft“ geben. Damit sollen Länder und kommunale Schulträger die Chance bekommen, den vorhandenen Sanierungsstau zu beheben. 1,4 Mio. Teilzeitschüler könnten davon profitieren. Das Programm „Digitale Medien in der beruflichen Bildung“ gilt es aufzustocken. Zusätzlich ist ein Bundesprogramm „Lernfabrik für die digitale Arbeitswelt“ zu schaffen. Die IG Metall fordert außerdem ein Bund-/Länderprogramm „Pro Lehramt Berufsschule“, um den Lehrerbedarf insbesondere in den technischen Berufsschulfächern abzudecken. Jährlich sollen bis zum Jahr 2025 zusätzlich 3.000 Lehrerkräfte in die Berufsschulen kommen. Insgesamt arbeiten derzeit rund 120.000 Lehrkräfte an den berufsbildenden Schulen.

daten1Die IG Metall schlägt für die Regionen Runde Tische für eine „Qualitätsoffensive Berufsschule“ vor. Diese könnten z.B. bei den Berufsbildungsausschüssen der zuständigen Stellen angesiedelt sein. Ihre Funktion besteht darin, Aktivitäten zwischen Betrieben, Berufs- und allgemeinbildenden Schulen zu koordinieren, gemeinsame Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte und Ausbilder*innen zu organisieren und für das Lehramt an berufsbildenden Schulen zu werben. Hier die neun Vorschläge auf einen Blick.

1. Die IG Metall fordert die von der großen Koalition beschlossene Änderung des Kooperationsverbots umfassend zu nutzen und auf dieser Grundlage eine „Investitionsoffensive Berufsschule“ zu starten. Das bedeutet im Einzelnen: Der Bund wird aufgefordert ein Programm „Berufsschule der Zukunft“ aufzulegen, um Länder und kommunale Schulträger nachhaltig zu unterstützen und den vorhandenen Sanie-rungsstau zu beheben. Das Programm „Digitale Medien in der beruflichen Bildung“ muss erweitert werden. Zusätzlich ist ein Bundesprogramm „Lernfabrik für die digitale Arbeitswelt“ zu schaffen.

2. Die IG Metall fordert ein Bund-/Länderprogramm „Pro Lehramt Berufsschule“, um den Lehrerbedarf insbesondere in den technischen Berufsschulfächern abzudecken. Mit diesem Programm soll die Zahl der Studienanfänger*innen gerade in den technischen Berufsschulfächern erhöht und die Qualifizierung der Quer- und Seiteneinsteiger*innen verbessert werden. Ziel soll sein, bis zum Jahr 2025 zusätzlich jährlich 3.000 Lehrkräfte auszubilden.

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IG Metall fordert: Kümmert euch um unsere Berufsschulen; eine Aktion der Gewerkschaftsjugend in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

3. Die Berufsschule der Zukunft braucht eine Reform der Lehreraus- und weiterbildung. Die zunehmende Digitalisierung von Arbeit und Bildung erfordert neue Schwerpunkte in der Ausbildung von Berufsschullehrer*innen hin zu Lernbegleitern und die Stärkung ihrer Medienkompetenz. Die IG Metall setzt sich für einen gemeinsamen Dialog mit KMK, HRK und Sozialpartnern ein, um einen neuen Rahmen für die Ausbildung von Berufsschullehrer*innen zu schaffen.

4. Die Zusammenarbeit zwischen Betrieb und Schule muss besser werden. Die IG Metall schlägt regelmäßige Treffen zwischen und gemeinsame Weiterbildungsmaßnahmen für Berufsschullehrer*innen und Ausbilder*innen vor. Die Lehrerweiterbildungseinrichtungen der Länder sollen entsprechende Angebote entwickeln (z.B. Praktika, Betriebserkundungen, Unterrichtsbesuche).

5. Die IG Metall schlägt für die Regionen Runde Tische für eine „Qualitätsoffensive Berufsschule“ vor. Diese können z.B. bei den Berufsbildungsausschüssen der zuständigen Stellen angesiedelt werden. Ihre Funktion besteht darin, Aktivitäten zwischen Betrieben, Berufs- und allgemeinbildenden Schulen zu koordinieren, gemeinsame Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte und Ausbilder*innen zu organisieren und für das Lehramt an berufsbildenden Schulen zu werben. Die Sozialpartner müssen als betriebliche Stakeholder einbezogen werden.

6. Zwar hat die Politik das sog. Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in Fragen der Bildungspolitik zuletzt im Hochschulbereich gelockert. Im schulischen Bereich besteht es aber fort. Die IG Metall setzt sich für die Aufhebung des Kooperationsverbots für den gesamten Bildungsbereich, d.h. auch für die berufsbildenden Schulen, ein.

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IG Metall: Berufsschulen müssen gezielt dabei unterstützt werden, einen Beitrag zur Integration von Geflüchteten zu leisten.

7.

Die IG Metall setzt sich für ein neues Leitbild für die Berufsschule der Zukunft ein.Dabei wird die Berufsschule ihre Aufgaben erweitern müssen. Ein wesentliches Element dieser neuen Berufsschule liegt in der beruflichen Fort- und Weiterbildung.

8. Berufsschulen müssen gezielt dabei unterstützt werden, einen Beitrag zur Integration von Geflüchteten zu leisten. Geflüchtete benötigen Sprachförderung, Möglichkeiten, einen Schulabschluss nachzuholen, Kurse zur Berufsvorbereitung und Angebote zum Erlernen eines Berufs. Dies geht nicht ohne die Berufsschule. Der Unterricht in Berufsschulen wird zukünftig noch stärker als heute mit einer sehr heterogenen Schülerschaft gestaltet werden müssen. Die IG Metall schlägt vor, Umsetzungsempfehlungen hinsichtlich Ausstattung einer Schule, für die Klassengröße, die Zahl sowie die Ausbildung der Lehrkräfte, die Lehr- und Lernkonzepte im Unterricht und die Zusammenarbeit von Berufsschule und Betrieb zu entwickeln.

9. Der politische Unterricht an der Berufsschule muss aufgewertet werden. Die IG Metall fordert umfangreiche Modellversuche und die Weiterentwicklung der länderübergreifenden Standards. Die Rahmenvereinbarung der Kultusminister über die Berufsschule muss entsprechend überarbeitet werden.

 

Und hier der Link zur Langfassung des Papiers der IG Metall.