Griechenland die Bewegung: Folge der Offensive gegen Bildung und Wissen

von Petros Linardos-Rulmond, Ökonom am Institut für Arbeit der Gewerkschaften in Griechenland (Labour Institute of the Trade Unions of Greece)

Der Anteil der Jugendlichen im Alter von 16 bis 24 Jahren, die unter der Armutsgrenze leben, ist in Griechenland von 18% im Jahre 2000 auf 25% im Jahre 2007 angestiegen.

Zur gleichen Zeit, wo die Wirtschaft eine Wachstumsrate des Bruttoinlandproduktes von ca. 4% jährlich aufwies, verstärkten Arbeitslosigkeit, die notgedrungene Beschäftigung auf qualifikationsarmen Arbeitsplätzen, die niedrigen Löhne und die unsicheren Beschäftigungsumstände die Einkommensarmut der Jugendlichen, in einem Land, in dem sich die Bildungsnachfrage, im Vergleich zum übrigen Europa, auf einem hohen Niveau befindet: 90,4% der 18-Jährigen waren 2006 im Bildungssystem eingebunden, während der Durchschnitt der 27 EU-Länder bei 77,4% lag, und ein Schüler erlernt durchschnittlich 1,9 Fremdsprachen, im Vergleich zu 1,4 in den 27 EU-Ländern.

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Die Massenmobilisierung von Schülern und Studenten im Dezember 2008 war jedoch nicht nur die Folge des Vorantreibens der Wirtschaftswachstumsdynamik durch die übermäßige Ausbeutung der jungen Menschen, und häufig sogar ihrer Angleichung an die illegalen Einwanderer, was Lohn – und Beschäftigungsumstände betrifft.

Der steile Anstieg des Bildungsniveaus der jungen Menschen und das wachsende Streben nach der Durchführung eines Studiums im Hochschulsystem, in Verbindung mit der Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien, haben völlig neue Umstände, z.B.beim des Zugangs zu neuem Wissen und neuen Informationen, des Verständnisses der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten, sowie der Suche nach Rationalismus und der Gültigkeit des Wissens geschaffen.

Im gleichen Moment jedoch, in dem die jungen Griechen eigentlich die einzige große soziale Gruppe bilden, die die Möglichkeiten einer Gesellschaft des Wissens ernst nehmen, sehen sie sich einer wirtschaftlichen und politischen Elite gegenüber, die im Namen des freien Marktes und des individuellen Erfolges, Klientelpolitik, Korruption und Einnahmeverschwendung belohnt, sowie der systematischen Prämierung von Politikern und staatlichen Verantwortungsträgern, die nicht in der Lage sind, die Wirtschaft, den Staat, die sozialen und Umweltschutzinstitutionen effizient zu verwalten.

Dem Bildungssystem wird mit der Beschränkung der staatlichen Ausgaben für die Bildung begegnet, die sich auf dem niedrigsten Niveau der 27 EU-Länder befinden (die Slowakei ausgenommen), und mit der Duldung der Entwicklung von privaten Bildungsinstituten, welche die bestehende Nachfrage abdecken, aber die großen Schwächen des staatlichen Systems nicht verdecken können und wollen.

Die Ausgaben für die Forschung liegen bei nur 0,57 % des Bruttoinlandproduktes, ein Anteil, der nur die entsprechenden Ausgaben auf Zypern, in Rumänien und in der Slowakei übertrifft.
Die Bewegung vom Dezember 2008 in Griechenland könnte als eine Demonstration des neuen Radikalismus angesehen werden, der die wirtschaftlichen, sozialen und Umweltschutzforderungen durch die systematische Nutzung der verfügbaren wissenschaftlichen Kenntnisse ausdrückt und die Bildungs- und Forschungsinstitute, aber auch unabhängige soziale Initiativen auf dem Gebiet der Wissensbildung, in den Prozess der Entwicklung von alternativen Programmen und Politiken aufnimmt.

Die Wirtschaftskrise, in der wir versinken und die Dynamik des Klimawandels machen Änderungen notwendig, was die Art der Produktion und die Produktauswahl betrifft, die Art der Verteilung und der Nutzung des gesellschaftlichen Reichtums und die Art der Verwaltung der natürlichen Ressourcen.

Die Dringlichkeit der Probleme, die entscheidende Natur der notwendigen Änderungen, aber auch die Wichtigkeit der Verfahren von Vereinbarungsabschlüssen in der Gesellschaft werden in nie zuvor dagewesenem Maße zur Mobilisierung und zur Ausweitung der Bedeutung von Institutionen und Verfahren zur Wissensbildung und -reproduktion führen.

Der Text wurde aus dem griechischen übersetzt.

A.d.Ü.: Anmerkung des Übersetzer