Editorial - Auf den Menschen kommt es immer noch an

Von: Dr. Klaus Heimann (Freier Journalist, Moderator und Berater, Berlin), Gerhard Endres (Freier Journalist, Berufsschullehrer und Theologe, München)

Dr. Klaus Heimann

Freier Journalist, Moderator und Berater, Berlin

Dr. Klaus Heimann, arbeitet als Freier Journalist, Moderator und Berater in Berlin. Er war bis Ende 2012 Ressortleiter Bildung beim Vorstand der IG Metall in Frankfurt/M.. Er war Mitarbeiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung und im Bundesinstitut für Berufsbildung. Seine Berufsausbildung absolvierte er als Maschinen-Schlosser. Er studierte an der Ruhr-Universität Berufs- und Wirtschaftspädagogik in Bochum und promovierte dort. Er war viele Jahre Aufsichtsratsmitglied bei der MAN AG in München und als Berater in dieser ...
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Gerhard Endres

Freier Journalist, Berufsschullehrer und Theologe, München

Gerhard Endres ist freier Journalist, Berufsschullehrer und Theologe, er lebt in München. Er ist erster Vorsitzender des Netzwerks für Gesellschaftsethik.


Internet, Social media, Handy, E-Learning und viele andere Techniken und Methoden sind Elemente des Lernens heute. Die technischen Möglichkeiten beschleunigen sich, das Wissen verdoppelt sind nach Angaben des Zukunftsforschers Eric Händeler alle zwei Jahre. Nach wie vor gibt es Ausbilder,  Pädagogen, Lehrer, Trainer und Coaches, die Wissen vermitteln und Menschen beim Lernen begleiten. Und das ist auch gut so. Deshalb will diese Ausgabe von denk-doch-mal sich dem Bildungspersonal widmen, wir denken, sie haben es verdient.

Mit Prof. Dr. Rita Meyer von der Universität Trier starten wir die Ausgabe. Sie wagt die These, dass die betrieblichen Ausbilder schlechter professionalisiert sind als ihre eigenen Azubis: „Das Klientel von betrieblichen Ausbildern sind junge Menschen, die berufliche Handlungsompetenzen in einem geordneten, in der Regel dreijährigen Ausbildungsgang mit dem Ausbildungsziel einer formalen Qualifikation (IHK-Prüfung) erwerben. Deren Tätigkeit ist ohne Frage verberuflicht. Die Ausbilder verfügen zwar selbst auch über eine einschlägige Berufsausbildung in handwerklichen oder im industriellen Sektor, aber sie haben für ihre pädagogische Tätigkeit als Ausbilder keine entsprechende formale Qualifikation. Streng genommen ist die Ausbildertätigkeit damit also nicht nur professionalisierungsbedürftig, sondern sie müsste zunächst einmal den Prozess der Verberuflichung durchlaufen“.

Ganz so hoffnungslos ist die Lage dennoch nicht: Aufgrund der mangelnden Qualifizierungsangebote müsse das Personal in der Berufsbildung seine eigene Kompetenzentwicklung reflexiv gestalten, d.h. ihre Professionalisierung individuell oder im Rahmen einer kollegialen Supervision gemeinsam mit anderen vorantreiben.

Im Porträt stellen wir Marcel Konitz vor. Er wurde bereits mit 25 Jahren Ausbilder für IT-Systemelektroniker bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover. Nicht Druck, sondern Motivation ist das Geheimnis für seine erfolgreiche Arbeit als Ausbilder und Prüfer. Die Metall-Zeitung zeichnet ein Porträt des jungen Ausbilders, das wir gerne aufgegriffen haben.

Prof. Dr. Michael Brater aus München ist ein profunder Kenner und Autor zu den Themen des Ausbildungspersonals. In seinem Beitrag beleuchtet er den umfassenden Wandel, den es inbesondere für das hauptamtliche Bildungspersonal gegeben hat. Die kompetenzorientierte Wende in der Berufsbildung – die er keineswegs zurückdrehen will – hat ziemlich viele Jobs in der betrieblichen Bildung verändert. Wie man auch den neuenBedingungen gutes, betriebliches Bildungspersonal zum Einsatz bringt, das ist sein Thema.

Siemens ist einer, vielleicht der größte private Ausbildungsbetriebe in Deutschland. Der Konzern bildet derzeit 10.000 Jugendliche aus – davon 7.200 für den eigenen Bedarf –  und dies an 42 verschiedenen Standorten. Das Unternehmen investiert dafür im Jahr rund 170 Mio. Euro. Zusätzlich bildet Siemens rund 2.900 junge Menschen für ca. 180 Fremdfirmen aus. Pro Jahr bewerben sich rund 40.000 Jugendliche bei Siemens für 2.200 Ausbildungsplätze. Im Interview mit Denk-doch-mal erläutert der Leiter der Siemens Ausbildung, Günther Hohlweg, welche Veränderungen sich in der Ausbildung bei Siemens ergeben haben und wie das Bildungspersonal damit umgeht. Günther Hohlweg sagt: „Der Ausbilder wird nie überflüssig sein“. Ein guter Ausgangspunkt, um notwendige Veränderungen im Tätigkeitsprofil anzupacken.

Für Gerd Labusch, Ausbilder und Betriebsrat beim Berufsförderungswerk in Hamburg, gibt es Hoffnung, dass die von Prof. Dr. Rita Meyer beschriebene fehlende Professionalisierung mit neuen Weiterbildungsgängen ausgeglichen werden kann. Viele der neuen Herausforderungen wurden seiner Ansicht nach bei der Neuordnung der beiden Fortbildungsberufe Gepr. Berufspädagoge und Gepr. Aus- und Weiterbildungspädagoge berücksichtigt.

Zwei Berufe also, die den Ansprüchen Rechnung tragen sollen, die zukünftig verstärkt auf die Aus- und Weiterbildung in den Betrieben zukommen. Sein Fazit: „Die neue Rolle des Ausbilders ist eine notwendige Entwicklung, sie baut auf dem Alten auf und erweitert die Kompetenzen um wichtige Aspekte, die bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Neu also im Sinne von Erweiterung und nicht von völliger Neuschaffung.“

Das Autorenteam, Prof. Rolf Dobischat, Dr. Anna Rosendahl und Marcell Fischell von der Universität Duisburg-Essen, untersuchen in der Weiterbildungsbranche die Etablierung prekärer Beschäftigungsformen. Wie zu erwarten, haben die Veränderungsprozesse in der Weiterbildungslandschaft – insbesondere die Spareinschnitte in den öffentlichen Haushalten – tiefe Spuren hinterlassen. Die von den Autoren referierten empirischen Befunde lassen erkennen, dass sich unter den Beschäftigten in den verschiedenen Segmenten der Branche Kern- und Randbelegschaften mit unterschiedlichen Beschäftigungsrisiken herauskristallisiert haben. Es sei davon auszugehen, dass sich die bestehenden Polarisierungen in den Beschäftigungsbedingungen fortsetzen und sich die selektiven Teilnahmemuster am Weiterbildungsmarkt zunehmend auch in der Beschäftigungslage des eingesetzten Lehrpersonals niederschlagen. Vornehmlich der privat finanzierte Bereich der beruflichen Weiterbildung biete gegenwärtig gute Rahmenbedingungen, attraktive, gut bezahlte und relativ abgesicherte Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, die zugleich auch die notwendige Qualität sicherstellen wie auch Professionalisierungschancen eröffnen. Für den Bereich der in der öffentlich finanzierten Weiterbildung selbstständig Tätigen könne dagegen die Lage als zunehmend prekär eingeschätzt werden.

Dr. Astrid Kaeding hat einen besonderen Blickwinkel auf die Berufsausbildung: sie schaut mit den Augen einer Arbeitsschützerin. Die Dozentin der Berufsgenossenschaft Holz und Metall sagt: Die ausbildende Fachkraft muss beim Arbeitsschutz bilderbuchartig arbeiten. Um Gewohnheiten zum sicheren Arbeiten herauszubilden, muss ständig sicheres Arbeiten vorgelebt und trainiert werden. Arbeitsschutz muss wie eine Fahne vor sich hergetragen werden. Ulrich Degen, WAP-Korrespondent in Bonn, interviewte die Dozentin zur Situation der ausbildenden Fachkräfte und zu ihren Aufgaben im Arbeitsschutz.

Der Erwachsenenpädagoge Dr. Hubert Klingenberger aus München wendet sich dem biografischen Aspekt der Weiterbildung zu. Sein Beitrag ist überschrieben: „Lerngeschichten und Lernbiografie“. Zentrale These: Wer andere lehren und  unterrichten will, tut gut daran, sich immer wieder einmal der eigenen Lern- (und Lehr-) Biografie zu vergewissern – denn die Erfahrungen, die jemand mit dem Lernen (und dem Lehren) gemacht haben, beeinflussen das aktuelle Verhalten als Trainer/-in oder Dozent/-in. Lehrstil, Motivationen und Widerstände sind mit geprägt von den eigenen Erlebnissen.

Der Einsatz innerbetrieblicher Trainer bietet Unternehmen viele Vorteile im Rahmen ihrer Personalentwicklung und Bildungsarbeit, davon ist Thomas von Beyer-Stiepani überzeugt. Sein Beitrag: Innerbetriebliche Trainer – Aufgaben und Qualifikation erläutert, warum eine an den Aufgaben orientierte Ausbildung und Weiterbildung von Trainern gut investiertes Geld für eine erfolgreiche Umsetzung von Unternehmenszielen und die Gestaltung von Veränderungsprozessen ist. Seine Rolle beschreibt er in drei herausragenden Aufgaben: (1) eine qualifizierte Fachkraft, auch in Weiterbildungsfragen, (2) ein methodisch-didaktisch geschickter Gestalters effektiver und interessanter Lernsituationen, für den Einsatz in spezifischen innerbetrieblichen, fallbezogenen Situationen und Handlungsmustern, und (3) die Rolle eines kooperativen Lernpartners und Lernbegleiters.

Der AusbilderIn ist die wichtigste Bezugsperson in der betrieblichen Ausbildung. Die Definition seiner Aufgaben und seiner Rolle deshalb auch Gegenstand betrieblicher Regelungen. Der Erziehungswissenschaftler Gerd Busse hat im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung 24 Betriebs-Vereinbarungen aus den Jahren 1979 bis 2008 ausgewertet, die die Tätigkeit als AusbilderIn regeln, seine Qualifizierung, die Rolle, die er oder sie in der Ausbildung spielt und die Anforderungen an das Verhalten den Auszubildenden gegenüber, die Stellung in der betrieblichen Hierarchie sowie Aufgaben, Arbeitszeiten, Freistellungen, Eingruppierungen und Vergütungen. Nicht zuletzt geht es auch um die Beteiligung des  Betriebsrats und der JAV an der Bestellung von Ausbildern und an Ausbilderbesprechungen. Wir dokumentiert die Studie.