So argumentieren DENK-doch-MAL.de Leser

Die User sind eingeladen das Thema der Ausgabe zu kommentieren. Die im Januar 2016 eingehenden wichtigsten und interessantesten Mails werden wir hier veröffentlichen. Ihre Position, Meinung, Stellungnahme bitte an: kl-heimann@t-online.de . Wir sind gespannt!

Hier der Kommentar von Klaus Zühlke-Robinet

Duale Berufsausbildung institutionell (wieder) stärken

In die Diskussion um die duale berufliche Ausbildung möchte ich den Blick auf die institutionelle Seite des Berufsausbildungssystems lenken. Ich verstehe den Beitrag von Gerhard Bosch so, dass die betriebliche Ausbildung gründlich reformiert und modernisiert worden ist – nach seinen Worten haben die Sozialpartner ihre Hausaufgaben gemacht. Doch sie haben es offensichtlich versäumt, die institutionelle Seite des Systems zu stützen. Denn immer weniger Betriebe bilden selbst aus, so dass immer mehr Betriebe auf deren Ausbildungsleistung zugreifen können und damit auf Kosten der ausbildenden Betriebe „Trittbrettfahren“.

Insofern müsste sich die Debatte zur Zukunft der dualen beruflichen Ausbildung intensiver der institutionellen Seite dieses Bildungszweiges und ihrer verbandlichen und politischen Gestaltung zuwenden. Die Befunde von Martin Baethge/Markus Wieck (Mitteilungen aus dem SOFI, Jan. 2015) sind diskussionswürdig und nachdenkenswert. Sie konstatieren, dass mit dem Wandel zu einem neuen, stark wissensbasierten Ausbildungssystem die Institutionen und Governance-Formen der dualen Ausbildung eine nachgeordnete Bedeutung erlangen werden, ohne jetzt schon sagen zu können, was an ihre Stelle tritt. Beide kommen auch zu dem Schluss, dass in der Vergangenheit die Rückläufigkeit des betrieblichen Ausbildungsplatzangebotes wenig politisch steuerbar gewesen sei.

Sollen die Gemeinwohleffekte der dualen beruflichen Ausbildung der Wirtschaft und Gesellschaft weiterhin zur Verfügung stehen, dann ist sicherlich das sie tragende institutionelle System (wieder) zu stärken bzw. zu modernisieren. Zum Beispiel wären Ausbildungsumlagesysteme ein Weg, ein Teil der betrieblichen Kosten der Berufsausbildung auf alle Betriebe zu verteilen. Damit würde auch deutlich, dass betriebliche Ausbildung eine wirtschaftliche Gemeinschaftaufgabe ist, da ja alle Unternehmen davon profitieren.

Es nützt wenig, tolle Leitbilder für eine erweiterte moderne Berufsausbildung zu haben, wenn es bald keine ausbildenden Betriebe mehr gibt. Ich frage mich, wie es gelingen kann, dass die Wirtschaft ihrer immer wieder reklamierten Selbstverantwortung für die betriebliche Ausbildung tatsächlich (wieder) nachkommt und wie die „Krise der Selbstverpflichtung“ der Unternehmen und ihrer Verbände (Gerhard Bosch, ifo Schnelldienst 6/2004) gemeistert werden kann. Die Stärke der dualen Berufsausbildung, ihre direkte Anbindung an Betriebe, kann auch zur „Achillesferse“ des Systems werden. Berufsbildungsforschung muss durch Berufsbildungs-Politikforschung ergänzt werden.

Klaus Zühlke-Robinet, Mechaniker, Dipl. Volkswirt, Dipl. Politikwissenschaftler, in der Forschungsförderung tätig, Bonn.

Klaus-zuehlke-robinet@t-online.de