Braucht Deutschland eine Bildungsrevolution?

Von: Daniel Friedrich (Geschäftsführer der IG Metall)

Daniel Friedrich

Geschäftsführer der IG Metall

Daniel Friedrich ist Geschäftsführer der IG-Metall Geschäftsstelle Lübeck-Wismar. Davor oblag ihm die Leitung der Tarifabteilung der IG Metall Bezirk Küste in Hamburg. Der gebürtige Kölner lebt seit dem Jahr 2000 im Norden: „Lübeck ist seit 15 Jahren meine Heimat“. Seit 2006 ist er Mitglied des Aufsichtsrates der Drägerwerk AG.


 

Das Bildungssystem gerechter und zukunftssicherer zu machen, dass wird revolutionär.

Revolution –  ein mächtiges Wort. Man bringt es sofort in Verbindung mit Revolutionsführern, Aufruhr, Kampf, Gewinnern, Verlierern, Sieg oder Niederlage.

Passt dies zu der Diskussion über die Perspektive unserer Bildungslandschaft?

Denken wir bei Revolution nicht mehr an Che Guevara und weniger an das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mehr an die Befreiung vom Joch der Unterdrückung und weniger an die Schaffung von Lernmittelfreiheit oder mehr ans Ende der Monarchie und weniger an Gemeinschaftsschulen?

Ja, eine Bildungsrevolution ist – gerade für alle außerhalb des „inner circle“ der Bildungsexperten – so attraktiv wie ein trockener Toast auf dem Kuchenbuffet.

Und doch:

  • Wenn wir endlich das trennende gegliederte Schulsystem überwinden und das gemeinsame Lernen von der Grundschule bis zum Abitur schaffen würden, das wäre revolutionär. Das Ende des Gymnasiums würde der Oberklasse „ihre“ Schule nehmen.
  • Eine Umlagefinanzierung würde die berufliche Bildung nicht nur auf neue Füße stellen, sondern durch eine Umverteilung gerade bei den Betrieben Geld einsammeln, die sich bisher bei der Ausbildung bequem zurückhalten.
  • Die Umwandlung von zweijährigen Berufen in dreijährige Berufe mit einem längeren Ausbildungsweg würde eine Sackgasse für „benachteiligte“ Jugendliche aufreißen.
  • Das Aufbrechen der Länder –Zuständigkeit für die Bildung und mehr zentrale gemeinsame Standards – mehr Gemeinsamkeit und Durchlässigkeit statt Kleinstaaterei, welch ein Aufruhr in der deutschen Bildungspolitik.
  • Studienberechtigung durch die Facharbeiterprüfung, kostenfreies Studium, innerbetriebliche Karrieren statt Akademiker von außen für alle Führungsaufgaben.

Seien wir ehrlich, das Bildungssystem – ob in der Schule, Studium oder im Betrieb – manifestiert die Klassenunterschiede. Grundlegende „Reformen“ würden diese aufbrechen und damit mehr Chancen für „die da unten“ schaffen. Die Kräfte der Oberklasse werden alles dafür tun, dass die Unterschiede erhalten bleiben. Deswegen braucht es einen enormen Kraftakt.

Vielleicht spricht das für eine Bildungsrevolution, keine Revolution, die später in Hollywood-Filmen nachgestellt wird. Aber das Bildungssystem gerechter und zukunftssicherer zu machen, dass wird revolutionär!

 

Daniel Friedrich, Geschäftsführer der IG-Metall Geschäftsstelle Lübeck-Wismar, war Teilnehmer der Tagung Denken am See: Krise des Bildungssystems – Brauchen wir eine Revolution in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.  Der Workshop wurde veranstaltet von der Akademie für Politische Bildung, der IG Metall und dem KAB-Bildungswerk im Juli 2017. Danile Friedrich fasst seine Eindrücke die er während und nach der Tagung hatte, in diesem Statement zusammen.

Statement