Prof. Dr. Oskar Negt

Sozialphilosoph

Prof. Dr. Oskar Reinhard Negt (geboren am 1. August 1934 auf Kapkeim in Ostpreußen) ist ein deutscher Sozialphilosoph. Er gilt als einer der führenden Denker der Kritischen Theorie. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit wandte sich Negt auch immer wieder tagespolitischen Themen zu. Nach dem Besuch der Oberrealschule in Oldenburg begann Negt zunächst ein Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen, wechselte dann aber nach Frankfurt am Main, wo er bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno Soziologie und Philosophie studierte. Bei Adorno wurde Negt 1962 mit einer Dissertation über den Gegensatz von Positivismus und Dialektik bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Auguste Comte promoviert. Von 1962 bis 1970 war er Assistent von Jürgen Habermas an den Universitäten in Heidelberg und Frankfurt am Main; 1970 wurde er auf den Lehrstuhl für Soziologie der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover berufen, an der er bis zu seiner Emeritierung 2002 lehrte.

Oskar Negt trat 1956 dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) bei. Um eine enge Zusammenarbeit der marxistischen Linken mit den Gewerkschaften bemüht, wurde er mit dem Beginn der Studentenbewegung von 1968 einer der Wortführer der Außerparlamentarischen Opposition und des Offenbacher Sozialistischen Büros.

Negt ist seit den frühen 1960er Jahren den Gewerk-schaften eng verbunden. Als Student war er Praktikant in der Bildungsabteilung der IG Metall unter der Leitung von Hans Matthöfer und wurde sodann stellvertretender Leiter einer DGB-Bundesschule. Hauptsächlich für deren Bildungsarbeit verfasste er Soziologische Phantasie und exemplarisches Lernen.

1972 gründete Negt mit einer Initiativgruppe von gewerkschaftsorientierten Eltern, Hochschullehrern und Pädagogen die Glockseeschule in Hannover. Diese sollte nach dem pädagogischen Prinzip der Selbstregulierung arbeiten und exemplarisches Lernen durch Projektunterricht praktizieren. Negt leitete über zehn Jahre lang die wissenschaftliche Begleitung dieser Schule.

Oskar Negt ist Mitglied des wissenschaftlichen Berater-kreises von ver.di und IG Metall.

Im Steidel Verlag sind u.a. die Bücher: Der politische Mensch (2011) und Philosophie des aufrechten Gangs (2014) erschienen.

2011 wurde Oskar Negt für sein politisches Engagement mit dem August -Bebel Preis ausgezeichnet.