Erhard Eppler

SPD-Vordenker

Erhard Eppler, 82, leitete die SPD-Grundwertekommission von 1973 bis 1992. Er war Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Präsident des Evangelischen Kirchentags.

Seit 50 Jahren ist Erhard Eppler einer der einflußreichsten Programmatiker der deutschen Sozialdemokratie. Als Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit im Kabinett Willy Brandts begleitete er den politischen Aufbruch zu Beginn der siebziger Jahre. Auch nachdem er sich in den neunziger Jahren von seinen Ämtern zurückzogen hat, greift er publizistisch in aktuelle politische Debatten ein. Für Auslaufmodell Staat? wurde er im Jahr 2006 mit dem renommierten Preis »Das politische Buch« der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet.

Erhard Eppler wurde 1926 in Ulm geboren. Er studierte Deutsch, Englisch und Geschichte und promovierte 1951 mit einer Arbeit über die Heldenfiguren in der elisabethanischen Tragödie. Bis 1961 arbeitete er als Lehrer, parallel dazu war er parteipolitisch aktiv: seit 1952 in der von Gustav Heinemann gegründeten Gesamtdeutschen Volkspartei, ab 1956 in der SPD, für die er 1961 in den Bundestag einzog. Kurt Georg Kiesinger berief in 1968 zum Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, einen Posten, den er auch unter Willy Brandt und Helmut Schmidt bis 1974 innehatte. Von 1973 bis 1992 leitete Eppler die Grundwertekommission der SPD, von 1973 bis 1989 war er (mit einer Unterbrechung in den Jahren 1982-1984) Mitglied im Präsidium seiner Partei. Eppler engagierte sich nicht nur in der Parteipolitik, sondern auch in der Evangelischen Kirche in Deutschland, in den Jahren 1989-1991 war er Präsident des Kirchentags.

Seit seinem Rückzug aus der offiziellen Politik widmet sich Eppler dem Schreiben. Als 1992 Kavalleriepferde beim Hornsignal erschien, verortete Siegfried Unseld den Autor Eppler in der Tradition von Böll, Grass und Johnson: »Eppler stellt sich als Aufgabe seines Buches, unsere Freiheit wie auch unsere Gebundenheit gegenüber der Sprache wieder bewußt zu machen, eine Sprache zu finden, die den Gefahren, die drohen, angemessen ist.«

Im Jahr 2006 erhielt er für Auslaufmodell Staat? die Auszeichnung für »Das politische Buch 2006« der Friedrich-Ebert-Stiftung. In der Begründung der Jury heißt es: »Sein Buch ist nach Überzeugung der Jury eine Basis für die Selbstverständigung der Bürger, was sie selbst in die Hand nehmen können, was der Markt leisten kann und was staatsöffentlich organisiert und finanziert werden muss.«
Erhard Eppler lebt in Schwäbisch Hall.