Beiträge aus der Ausgabe
04-18: Die gespaltene Gesellschaft: Kann es sozialen Frieden in Deutschland geben?.

Editorial

kassebaumDas Thema der Tagung, „Die gespaltene Gesellschaft“, ist mit der Frage versehen, ob es in Deutschland sozialen Frieden geben könne. Die Frage ist nicht, ob die Gesellschaft gespalten ist, sondern es geht darum, die Prozesse der sozialen Desintegration zu analysieren und daraus politischen Strategien oder wir am Beispiel des Sports zu zeigen sein wird, auch Alltagsstrategien abzuleiten. Das ist ein hoher Anspruch, den wir in dieser Ausgabe des Online-Magazins DENK-doch-MAL.de nachgehen. […]

Christoph Butterwegge: Gespaltene Gesellschaft: einmal unten – immer unten?

butterwegge8Prof. Dr. Christoph Butterwegge, bekannt für seine Forschungsarbeiten zu Armut, ungleicher Verteilung und Rechtsentwicklung und ehemaliger Kandidat der LINKEN für das Amt des Bundespräsidenten, schätzt, dass auf der Basis der Zahlen des Fünften Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung und anderer Untersuchungen in Deutschland „rund 32 Millionen Menschen (...) quasi von der Hand in den Mund“ leben. Pointiert formuliert: „Sie sind nur eine Kündigung oder eine schwere Krankheit von der Armut entfernt.“ Politisch setzt sich Butterwegge für einen aktiven und Interventionen nicht scheuenden Sozialstaat ein. Notwendig sei eine „Agenda der Solidarität in einer inklusiven Gesellschaft“. […]

Dierk Hirschel: Ein Haushalt für ein gerechtes Land

ver.di,  Dr. Dirk HirschelDr. Dierk Hirschel, Wirtschafts- und Finanzexperte von ver.di in Berlin setzt sich mit der Finanzpolitik der Großen Koalition auseinander. Einerseits ist positiv zu konstatieren, dass die durch die positive wirtschaftliche Entwicklung vorhandenen Spielräume im Bundeshaushalt für Investitionen, darunter auch viele Maßnahmen im Bildungsbereich, genutzt werden sollen. „Auf den ersten Blick“ – so Hirschel – „klingt Scholz Erzählung einer soliden, gerechten und zukunftsorientierten Finanzpolitik überzeugend. Der neue Kassenwart ist kein Sparkommissar.“ Kritisch zu sehen sei jedoch, dass diese Maßnahmen den tatsächlichen Bedarf an Investitionen nicht abdecken könnten. Ein Ansatz könnte sein, öffentliche Investitionen von der Schuldenbremse auszunehmen. […]

Andrä Wolter: Soziale Disparitäten bei den Bildungschancen im Spiegel der Nationalen Bildungsberichterstattung

AWolter_Portrait2Prof. Dr. Andrä Wolter, renommierter Hochschul- und Bildungsforscher, Mitautor am Bildungsbericht der Bundesregierung und Mitglied im Wissenschaftlichen Beraterkreis von ver.di und IG Metall, stellt in seinem Beitrag wesentliche Daten und Zusammenhänge zur sozialen Ungleichheit im Bildungsbereich vor. Eine Veränderung dieser Situation sei aufgrund der historischen Erfahrungen und der hinter der gegenwärtigen Struktur des Bildungsbereichs liegenden mächtigen sozialen Interessen nur schwer vorstellbar. Ansetzen könne man aus Sicht des Autors an den Schnittstellen und Übergängen im Bildungssystem. „Institutionelle Durchlässigkeit in soziale Durchlässigkeit zu überführen bleibt eine zentrale bildungspolitische Aufgabe.“ […]

Roman Lutz: Gesellschaftliche Spaltung – was kann Bildungspolitik leisten?

romanlutz_6966Roman Lutz, Abteilungsleiter Bildungs- und Wissenschaftspolitik bei der Arbeitskammer des Saarlandes in Saarbrücken, geht es darum, Defizite der Sozial- und Bildungspolitik zu benennen und daraus Maßnahmen abzuleiten, um die gesellschaftliche Spaltung zu bekämpfen. Für ihn ist der Zusammenhang von Elternarmut und Bildungsarmut der Kinder eine besondere Herausforderung. Kritisch setzt sich Roman Lutz mit der Verengung von Bildung auf das ökonomisch Notwendige auseinander. „Politische Bildung (gehört, d.Verf.) mehr denn je zu den dringenden Notwendigkeiten und zu den unerlässlichen und zu pflegenden Bestandteilen einer demokratischen politischen Kultur.“ […]

Bernd Kaßebaum: Für eine Revolution des Schulsports

lienen1Mit dem Beitrag von Ewald Lienen, Technischer Direktor beim Zweitbundesligaclub 1. FC St. Pauli, wird die Bestandsaufnahme sozialer Spaltungsprozesse auf ein wichtiges Teilfeld der Gesellschaft, den Sport, ausgeweitet. Ihm ging es in seinem Vortrag um die Wechselwirkungen von Sport und Gesellschaft. Einerseits spiegelten sich im Sport, namentlich im Profifußball, soziale Spaltungen der Gesellschaft, wider und würden durch die weitreichende Kommerzialisierung des Fußballs neue und zusätzliche Widersprüche erzeugt. Andererseits habe der Sport Möglichkeiten, die die Schule und die Ausbildung oft nicht hätten. Sport verfüge über eine hohe Integrationswirkung und sei für die Persönlichkeitsentwicklung, Gesundheitsförderung und für die Demokratieerziehung wichtiger und erfolgsträchtiger Ansatzpunkt. […]

Gerhard Labusch-Schönwandt: Durch Fußball zum politisch interessierten Menschen?

labusch4Auf die Möglichkeiten und Grenzen des Breitensports für die politische Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen geht Gerhard Labusch ein. Labusch war lange Zeit Betriebsrat und ist bis heute in vielen Gremien der Berufsbildungspolitik ehrenamtlich aktiv. Zudem war er Fußball-Jugendtrainer und hat diese Praxis zum Ausgangspunkt seines Statements gemacht. Grundsätzlich sei es möglich, die Jugendlichen „über die Förderung von Bewegung und Teamfähigkeit für gesellschaftspolitische Themen zu sensibilisieren“.  Sein Fazit ist optimistisch: „Nach meinen eigenen Erfahrungen kann es gelingen unterschiedliche Kulturen, Persönlichkeiten und Fähigkeiten so zu verbinden, dass die Mannschaft zu einem Team wird. […]

Christiane Benner: Transformation der Arbeit – Wie bleiben Gewerkschaften stark?

portraet-c_bennerChristiane Benner, zweite Vorsitzende der IG Metall, diskutiert die Möglichkeiten gewerkschaftlichen Handelns im sog. digitalen Transformationsprozess. Gewerkschaften und Betriebsräte sind unabdingbar wichtige Akteure im Kampf gegen soziale Spaltung und Ausgrenzung in Gesellschaft und Betrieb. Im Zentrum ihrer Ausführungen stehen „fünf Punkte für innovative Mitbestimmung in der Digitalisierung“. In diesem „Fünf-Punkte-Plan“ nimmt die Qualifizierung der Belegschaften eine besondere Rolle ein. Qualifizierung sieht sie herbei als große gesellschaftliche Aufgabe, die von den Betrieben und der Gesellschaft gemeinsam angegangen werden sollte. […]

Rezension zu Marco Maurer: Du bleibst was du bist – Die Rezension

maurerDr. Klaus Heimann, freier Journalist in Berlin steuert eine Rezension bei. Es ist das Buch von Marco Maurer: Du bleibst, was du bist - Warum bei uns immer noch die soziale Herkunft entscheidet. Es geht Marco Maurer, dem Jungen aus Bayern, um Gerechtigkeit in Deutschland, genauer gesagt um Bildungsgerechtigkeit. Es geht ihm um ein „chancengerechteres Bildungssystem“, das er in seiner Zeit nicht fand. Auch jetzt, Jahre später, hat er es bei seiner ausgiebigen Recherche in Deutschland nicht gefunden. Stattdessen fand er ein Land, in dem die Herkunft eines Menschen über seine Bildungsbiographie, seine Berufskarriere, seine soziale Stellung und damit über sein ganzes Leben entscheidet. Es gefällt ihm ganz und gar nicht, dass „Du bleibst was Du bist“. […]