Beiträge aus der Ausgabe
03-15: Das Prinzip Produktion in der Schule.

Editorial

DDM_2015-03Produktionsschulen sind in Europa und auch in Deutschland zu einer wichtigen Bildungseinrichtung im Übergang von der Schule in die Berufsausbildung und den Beruf geworden. Aktuell stehen in fast 150 Produktionsschulen ca. 7.000 Plätze für Lernende im Jahr zur Verfügung. Man kann aber nicht immer sicher sagen, ob auch Produktionsschule „drin“ ist, wo Produktionsschule draufsteht. Voraussetzung ist, dass das Konzept bzw. die vielfältigen Angebote nicht einer kurzfristigen Ausschreibungspraxis unterliegen, sondern langfristig angelegt und nachhaltig organisiert sind. „Das Prinzip Produktion in der Schule“ ist das Thema dieser Online-Ausgabe von DENK-doch-MAL. Martin Mertens, Vorsitzender des Bundesverbands Produktionsschulen,  hat das Konzept für diese Ausgabe entwickelt und die Autoren gewonnen. Die DENK-doch-MAL-Redaktion dankt ihm für seine Arbeit. […]

Henner Stang & Martin Mertens: Lehrer wollten mit mir kommunizieren, ich wollte nur lernen

outdorr2-finalIn einem fiktiven Gespräch zwischen der interessierten Öffentlichkeit und den Produktionsschulprofis suchen Henner Stang und Martin Mertens nach Antworten die zeigen, was Produktionsschule kann und will. Lernen mit Systemgeschädigten und Bildungsentfernten? Und Schulabbrechern? Bekommen etwa alle eine individuelle Betreuung und Begleitung, Therapie statt Selektionsbestrafung? Ist doch besser als Medikamente oder Besserungsanstalt, oder? - Die Kollegen in den Produktionsschulen sind bereit, die jungen Leute nicht als böswillig oder bösartig zu begreifen. In der Produktionsschule, behaglich und beharrlich, die Fallen der Heimlichen Lehrpläne gemeinsam enttarnen, ihre exotische Komik entdecken und gemeinsam lachen. Das ist das Rezept gegen Schuldgefühle, Angst und Verzweiflung. […]

Wolfgang Mack: Produktionsschule – eine neue Jugendschule?

MackIn Produktionsschulen sind Bildung und Lebensbewältigung zwei grundlegende theoretische und konzeptionelle Kategorien, die für das Konzept der Jugendschule zentral sind. Deshalb können Produktionsschulen durchaus als eine neue Form der Jugendschule bezeichnet werden. Für Prof. Wolfgang Mack von der Pädagogischen Hochschule in Reutlingen stellen Produktionsschulen ein institutionelles Arrangement dar, das dazu einlädt, alte, destruktiv wirkende Bewältigungsstrategien aufzugeben und neue, konstruktiv Neues auszuprobieren. […]

Martin Förster: Wo Produktionsschule drauf steht, soll auch Produktionsschule drin sein

Photo_Martin FooersterNeben der Schwierigkeit festzustellen, wie viele Produktionsschulen in Deutschland existieren, besteht das Risiko, dass sich Einrichtungen als Produktionsschulen bezeichnen, sich jedoch den Grundsätzen des Produktionsschulgedankens nicht verpflichtet fühlen. Ein Qualitätssiegel soll helfen. Dieser Herausforderung von Qualität stellt sich der Bundesverband Produktionsschulen, indem aktuell die Qualitätsstandards aus den bisherigen Erfahrungen heraus überprüft. Martin Förster findet das notwendig und meint in seinem Beitrag: Wo Produktionsschule drauf steht, soll auch Produktionsschule drin sein […]

Dirk Plickat: Produktionsschule oder „Rest- und Risikoschule“

Plickat2Vielleicht sind es ja auch kollegialer Neid und pädagogische Eifersucht, welche die „pädagogischere“ Praxis der Produktionsschule an ihrer eigentlichen Entfaltung hindern. Dabei versucht sie nur das zu realisieren, was eigentlich schon lange Stand von Wissenschaft, Technik und professionellem pädagogischen Können ist. Alltäglich stimmen Heranwachsende über die Qualität von Bildungsangeboten ab. Sie kommen oder kommen nicht - trotz Schulpflicht. Es stehen öffentliche Debatten darüber an, in welchem Umfang sich eine Demokratie für große Teile ihres Hoffnungsträgers Jugend weiterhin „die deutsche Tugend der Verdummung nach Gehorsam“ leisten will, schreibt Prof. Dirk Plickat in seinem Beitrag. […]

Maiken Carstens & Bernd Reschke: Der Alltag in Produktionsschulen

Schreiner-finalLaut Duden wird unter Alltag das „tägliche Einerlei, der gleichförmige Ablauf im (Arbeits-) Leben“ aber auch einfach „Werktag“ oder „Arbeitstag“ verstanden. Wie sieht der Alltag in einer Produktionsschule aus? Gibt es ihn überhaupt, „den Alltag in der Produktionsschule“? Und wodurch oder von wem wird er beeinflusst? Produktionsschulen sind keine „Maßnahmen“ der Arbeitsverwaltung, sondern ausdifferenzierte Bildungseinrichtungen, die den Übergangsbereich zwischen der allgemein bildenden Schule, der Berufstätigkeit und dem Arbeitsleben abdecken, organisieren und gestalten. Maiken Carstens und Bernd Reschke beschreiben in ihrem Beitrag, den Alltag in Produktionsschulen. […]

Wiebke Petersen: Löst die Aufbaustufe die Produktionsschule ab?

wiebke_petersenIn Produktionsschulen werden für Jugendliche und junge Erwachsene, die sich nicht in einer Ausbildung befinden, Bildungsmöglichkeiten geboten, die gegenüber einem verschulten – auch berufsbezogenen – Bildungsangebot vor allem mehr Realitätsnähe des Lernens verwirklichen lassen. Dazu gehört auch, dass viel stärker soziales Lernen angeregt wird, was wiederum zu weiterer Persönlichkeitsentwicklung beitragen kann. Lässt sich dieses Konzept erweitern? Löst die Alternative Aufbaustufe die Produktionsschule ab? Das untersucht die Lehrerin und Wissenschaftlerin Wiebke Petersen, die in Flensburg lebt und arbeitet. […]