Beiträge aus der Ausgabe
02-19: Zwei zentrale Elemente der beruflichen Bildung: Prüfungen und betriebliches Aus- und Weiterbildungspersonal.

Editorial

Kernstück der Berufsausbildung in Deutschland ist nach wie vor die duale Berufsausbildung nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung (BBiG/HwO), die sich durch die systematische Verzahnung der Lernorte Betrieb und Berufsschule auszeichnet. In den mehr als 320 anerkannten oder als anerkannt geltenden Ausbildungsberufen werden jährlich über 500.000 betriebliche Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. Zwei zentrale Institutionen, die zum Gelingen der Berufsausbildung erheblich beitragen, wollen wir in dieser Ausgabe von denk-doch-mal.de vorstellen: betriebliche Ausbilder und Weiterbildner sowie das Prüfungswesen, das mit gestreckten Abschlussprüfungen nicht mehr immer nur am Ende der Ausbildung stattfindet. […]

Sandra Zipter: Das berufliche Prüfungswesen in der dualen Ausbildung – Aktuelle Herausforderungen

Für das Prüfungswesen gilt – wie für die gesamte duale Berufsbildung: Es ist kein rein staatliches System, sondern basiert auf dem Zusammenspiel von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Staat. Sandra Zipter vom DGB Bundesvorstand stellt in ihrem Beitrag das Prüfungswesen im Rahmen der dualen Berufsausbildung dar. Sie bleibt aber nicht bei der Beschreibung stehen, sondern benennt Problembereiche aber auch die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen. […]

Kerstin Kramer: Lust und Frust mit Prüfungen

Wir lenken den Blick auf das für das Prüfungswesen wichtige Ehrenamt. Ohne die ehrenamtliche Tätigkeit von Prüfer*innen in Prüfungsausschüssen, in Prüfungsaufgabenerstellungsausschüssen oder Berufsbildungsausschüssen würde die duale Berufsausbildung aber auch die geregelte Aufstiegsfortbildung nicht funktionieren. Ein ausreichender Grund, eine Vertreterin zu Wort kommen zu lassen. Kerstin Kramer beschreibt aus ihrer Sicht als Prüferin die Herausforderungen aber auch Anforderungen die an sie gestellt werden. Sie beschreibt Hürden bei der Durchführung von Prüfungen, die nicht unbedingt sein müssen und entsprechend auch zu Frustration führen können. […]

Gerhard Labusch: Fortbildungen brauchen einen verbindlichen Rahmenplan und bessere Prüfungen

Prüfungen nach dem Berufsbildungsgesetzt sind nicht gleich Prüfungen, es gibt Unterschiede. Gerd Labusch weist in seinem Beitrag auf die gänzlich andere Bedeutung von Prüfungen in der Aufstiegsfortbildung im Vergleich zur Berufsausbildung hin: In den Fortbildungsordnungen werden die Prüfungsanforderungen formuliert und in unterschiedlichen Prüfungsbereichen abgebildet. Im Gegensatz zur Ausbildung wird mehr in der Verordnung nicht festgelegt. Während also bei der Berufsausbildung die berufliche Handlungsfähigkeit für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit in einem geordneten Ausbildungsgang erworben wird, bleibt bei der Fortbildung offen, wie die berufliche Handlungsfähigkeit erworben ist. […]

Hans Borch, Gerd Labusch: Die Duale Kompetenzprüfung: Die Prüfung der Zukunft?

Die Abschlussprüfungen in der dualen Berufsausbildung stehen unter einem Modernisierungs- und Veränderungsdruck. Dies hat di IG Metall zum Anlass genommen, ein Diskussionspapier zur Zukunft der Prüfungen im dualen System herausgegeben: Die Duale Kompetenzprüfung. Hans Borch und Gerd Labusch erläutern in ihrem Beitrag einige ausgewählte Aspekte dieses Modells. Die Komponenten dieses Modells sind nicht neu, sondern entsprechen einer Berufsbildungstradition oder sind zumindest seit Jahren in der Diskussion. […]

Position der Sachverständigen des Beraterkreises des ver.di Projektes „prüf-mit!“ zum Papier der IG Metall „Die Duale Kompetenzprüfung, Konzept zur Weiterentwicklung der Abschlussprüfung zu einem Kompetenznachweis für die Lernorte Schule und Betrieb“

Die Sachverständigen des Beraterkreises des ver.di Projektes „prüf-mit!“ haben das „Konzept zur Weiterentwicklung der Abschlussprüfung zu einem Kompetenznachweis für die Lernorte Schule und Betrieb“ der IG Metall geprüft und eine Position hierzu entwickelt die wir in diese Ausgabe von denk-doch-mal.de aufgenommen haben. Sowohl das Papier der IG Metall wie auch die Position des Beraterkreises können dazu beitragen, dass innerhalb der Gewerkschaften eine Diskussion darüber in Gang kommt, in welche Richtung eine gemeinsame Vorstellung zur Zukunft des Prüfungswesens weiterentwickelt werden kann. […]

Clive Hewlett: Neuordnung des Prüfungswesens durch die angekündigte BBiG-Novelle

Die Bewertung von Prüfungsleistungen ist eine zentrale Aufgabenstellung im Prüfungswesen. Sie gehört daher zum Kernbereich der Prüfungsabnahme, die das BBiG den Prüfungsausschüssen zugewiesen hat. Der Entwurf des Berufsbildungsmodernisierungsgesetzes (BBiMoG) sieht auch Veränderungen für das Prüfungswesen vor. Clive Hewlett stellt in seinem Beitrag eindrücklich dar, welche Folgen die vorgesehene Prüferdelegation haben wird. Er macht deutlich, dass es dem BMBF nicht um eine Modernisierung des Prüfungsverfahrens, sondern schlicht um den Versuch geht, alt hergebrachte, gerichtlich bestätigte Prüfungsgrundsätze per Gesetz auszuhebeln, indem u.a. das Prinzip der höchstpersönlichen Wahrnehmung von Prüfungsleistungen durch das Prüfungspersonal unterlaufen wird. […]

Peter Dehnbostel: Einheitliches betriebliches Bildungspersonal in der digitalisierten Arbeitswelt

Auf den nebenberuflichen Weiterbildner als weitgehend ‚unbekanntem Mitarbeiter‘ lenkt P. Dehnbostel sein Augenmerk. Verstärkt durch die weitere Digitalisierung der Arbeit steigt die Anzahl von Fachkräften, die zusätzlich zu ihrer eigentlichen Facharbeit Aufgaben der betrieblichen Arbeit und Bildung wahrnehmen. Aber insgesamt ist, so Dehnbostel, „das in seiner Zusammensetzung äußerst heterogene betriebliche Weiterbildungspersonal weitgehend ein weißer Fleck“, dessen Gründe Dehnbostel nachgeht. […]

Gert Zinke: Berufsbildung 4.0: Digitalisierung verändert Qualifikationsanforderungen – Folgen für das Ausbildungspersonal

Gert Zinke thematisiert die Folgen für das betriebliche Ausbildungspersonal, die die Digitalisierung und in deren Folge die geänderten Qualifikationsanforderungen mit sich bringen. Er sieht auf Grund der Notwendigkeit, dass die Ausbildungsberufe angesichts der Digitalisierung eines regelmäßigen Updates der Inhalte bedürfen, einen hohen Handlungsdruck auf die hauptamtlichen Ausbilder und die ausbildenden Fachkräfte, ihre Handlungsinstrumente und didaktischen Konzepte dieser Situation anzupassen. […]

Stefan Koscheck: Das Personal als strukturelle Stärke und Schwäche der beruflichen Weiterbildung

Stefan Koscheck lenkt den Blick auf die Strukturen und die Zusammensetzung des Weiterbildungspersonals und kann sich dabei auf Daten der wb-personalmonitor-Studie des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Universität Duisburg-Essen, Fachgebiet Wirtschaftspädagogik/Berufliche Aus- und Weiterbildung stützen. Dadurch kann er auf die Besonderheit verweisen, dass in der Weiterbildung die Nebenerwerbstätigen (Honorarbeschäftigte) zahlenmäßig fast gleichauf mit den Haupterwerbstätigen liegen mit allen Konsequenzen für ihre Professionalisierung und Entlohnung. […]

Matthias Kohl: Industrie 4.0 + Arbeit 4.0 = Aus- und Weiterbildner 4.0?

Matthias Kohl widmet sich in seinem Beitrag der Fragestellung, welche Auswirkungen die „digitale Transformation“ auf das Bildungspersonal hat, welcher Handlungsbedarf sich daraus hinsichtlich dessen Qualifizierung und Professionalisierung ergibt und inwieweit die bestehenden Qualifizierungswege (AEVO und Fortbildungsberufe) diesen Bedarf decken. […]