Beiträge aus der Ausgabe
02-15: Jugend – Perspektivlos in Europa?.

Editorial

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie 850 Mitarbeiter von EUROSTAT, dem Statistischen Amt der Europäischen Union in Luxemburg, registrierten Ende des Jahres 2014 eine gigantische Zahl: 5,3 Millionen Jugendliche unter 25 Jahre sind in der EU von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Kommentare in der Öffentlichkeit fallen entsprechend aus: Europas Jugendarbeitslosigkeit ist eine Zeitbombe; Jugendarbeitslosigkeit hinterlässt lebenslange Narben und für die Gesellschaft ein Tod auf Raten. Hat die Jugend in Europa wirklich keine Perspektive? […]

Günther Schmid: Jugendarbeitslosigkeit in Europa – Den Letzten beißen die Hunde

Günther Schmid 2 (Foto Ausserhofer)Wenn die Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt ankommen, dann reihen sie sich am Ende der Schlange ein. Jugendliche sind in mehrfacher Weise die „Letzten“, meint zumindest Politikwissenschaftler Prof. Günther Schmid aus Berlin. Sie haben keine oder die geringsten „Senioritätsrechte“. Kommt es zu Entlassungen, sind sie die Ersten, die gefeuert werden (‚last in, first out‘). Werden sie eingestellt, erhalten sie häufig nur befristete Arbeitsverträge. Europaweit sind 42 Prozent der Jugendlichen befristet beschäftigt im Vergleich zu 11 Prozent der Erwachsenen. „In Rezessionen herrscht – neben Kündigungen – Einstellungsstopp, d.h., Jugendliche kommen schon gar nicht rein. Kommt es im Aufschwung zu Einstellungen, sind sie die Letzten, weil sie keine Berufserfahrungen sammeln konnten.“ Lesen Sie seine prägnante Analyse.     […]

Mischa Terzyk: Europäische Antworten auf die Jugendarbeitslosigkeit

MischaDie 'Youth Garantee' ist bekanntlich die Antwort der EU auf die Jugendarbeitslosig­keit im EU-Raum. Sie hat zum Ziel, dass alle unter 25-jährigen innerhalb von vier Monaten nachdem sie aus der Schule kommen oder ihren Job verlieren, entweder eine Arbeitsstelle oder einen angemessene Aus- oder Weiterbildungsplatz angeboten be­kommen. Mischa Terzyk, ‎politischer Referent bei der Gewerkschaftsvereinigung industriAll Europe, bewertet diese 'Garantie' und schätzt die avisierten Mittel, die eigentlich bereitgestellt werden müssten, um die Jugendarbeitslosigkeit in der EU zu bekämpfen. Er berichtet auch welche Antworten auf die unzureichenden Maßnahmen der europäischen Politik sechs europäische Gewerkschaftsverbände gefunden haben. […]

Rolf Kreibich: Wo und wie muss die Jugend in Europa zupacken?

kreibich2Um sich einen Überblick über die Problemlagen von Jugendarbeitslosigkeit insbesondere in Deutschland zu verschaffen, trägt Zukunftsforscher Prof. Rolf Kreibich aus Berlin in seiner Analyse zunächst die wichtigsten Daten und Befunde aktueller Jugendstudien zusammen. Er will Jugendarbeitslosigkeit in der Zukunft mit visionären gesellschaftlichen Änderun­gen und Aufgaben zu bekämpfen. Hierfür sieht er insbesondere ein an Nachhal­tigkeit orientiertes Wirtschafts- und Gesellschaftskonzept für geeignet. Damit wäre dann auch die Mär der Neo-Kapitalisten widerlegt, die davon ausgeht, dass uns die Arbeit ausgeht. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Es gibt in Europa so viel Arbeit im Zusammenhang mit einer Umorientierung auf eine nachhaltige Wirtschaft, wie noch nie in der Geschichte. Also ein mehr als interessantes, ja ein tragfähiges Konzept zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. […]

Jacqueline O’Reilly: Politische Initiativen – Was funktioniert eigentlich?

jayriles_jpg-pwrt2Prof. Jacqueline O'Reilly arbeitet auf dem Hintergrund ihrer speziellen Erfahrungen und Situationen im Vereinigten Königreich (UK) heraus, welche Faktoren es sind, die die gegenwärtige Jugendar­beitslosigkeitssituation von früheren rezessiven Wirtschaftsentwicklungen und deren Ju­gendarbeitslosigkeit unterscheiden. Sie appelliert für einen stärkeren Zugang, gerade auch der englischen Politik, zu europäischen Mitteln, um die Jugendarbeitslosigkeit erfolgreich zu be­kämpfen. Die Professorin arbeitet an der Universität in Brighton. […]

Philipp Grollmann: Arbeitsbasiertes Lernen kann helfen

grollmannDr. Philipp Grollmann, Wissenschaftler beim Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn, analysiert, dass die duale Berufsbildung im Zusammenhang mit der Krise und der extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit ein Referenzmodell geworden ist. Dem „Erfolgsmodell“ duales System stehen aber inzwischen eine ganze Reihe von Formen von Dualität in europäischen Staaten gegenüber. Dass ein Transfer des Dualen Systems der Berufsbildung nicht möglich ist, ist schon lange bekannt. Viel zu voraussetzungsreich ist dieses Modell hinsichtlich der institutionellen Strukturen und der Bildungspräferenzen von Familien und Lernenden, als dass es eins-zu-eins von einem nationalen Kontext in den anderen übertragen werden könnte. […]

Ursula Beicht/Günter Walden: Deutschland hat viele ungelöste Probleme auf dem Ausbildungsmarkt

IMG_6420Zentrale Übergangsprobleme von Jugendlichen an beiden Schwellen sind nach ihrer Auffassung die bedarfsgesteuerte Ausbildungsplatzbesetzungen. Für Ursula Beicht und Dr. Günther Walden, vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn, sind es insbesondere Jugendliche mit Hauptschulabschluss, mit Migrationshintergrund und junge Frauen die Probleme haben, einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz zu bekommen. Die Autoren analysieren schonungslos die „offenen Wunden“ des vielgelobten dualen Systems. […]

Lutz Bellmann: Screening erfolgreich bestehen

bellmannDie Probleme des Übergangs von ausgebildeten Jugendlichen in Arbeit haben sich nach Untersuchungen von Prof. Lutz Bellmann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, deutlich entspannt. Zwar waren die Jugendlichen stärker von der großen Rezession betroffen, es aber relativ schnell gelang, ihnen neue Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten zu eröffnen. Zuletzt wurde jeder dritte Ausbildungsabsolvent im Anschluss an seine Ausbildung vom Ausbildungsbetrieb übernommen. […]