Beiträge aus der Ausgabe
01-15: Beruflichkeit neu denken – ein Leitbild in der Diskussion.

Editorial

IMG_2872Das Thema dieser Online-Ausgabe von DENK-doch-MAL ist das neue berufsbildungspolitische Leitbild der IG Metall. Es geht Dr. Bernd Kassebaum und Eva Kuda, die gemeinsam diese Online-Ausgabe konzipiert und betreut haben, zunächst darum, über die Inhalte und die Zielsetzungen des Leitbildes „erweiterter moderner Beruflichkeit“ zu informieren und sie im gesellschafts-und bildungspolitischen Zusammenhang bekannt zu machen. Ein weiteres Ziel ist es, den gewerkschaftspolitischen Stellenwert des Konzeptes erweiterter moderner Beruflichkeit als Orientierungmarke für gewerkschaftliche Bildungs-, Arbeits- und Gesellschaftspolitik zu verdeutlichen und notwendige und mögliche Umsetzungsschritte in der Betriebs-, Arbeits- und Gesellschaftspolitik zur Diskussion zu stellen. […]

Bernd Kaßebaum/Thomas Ressel: Das Leitbild erweiterte Beruflichkeit

IMG_3205Der Beitrag von Dr. Bernd Kaßebaum und Thomas Ressel soll auf das Leitbild neugierig machen.  Sie verweisen darauf, dass das Leitbild erweiterte moderne Beruflichkeit Orientierung gibt. So für die Gestaltung der Herausforderungen durch neue Technologien und Produktionskonzepte. Oder für eine Berufsbildung aus einem Guss, mit dem Ziel gleichberechtigter Bildungswege. Auch für die Weiterentwicklung tariflicher und gesetzlicher Standards zur Freistellung und Finanzierung von beruflicher Weiterbildung vermittelt das Leitbild Impulse. […]

Hans-Jürgen Urban: Beruflichkeit als Teil von gewerkschaftlicher Arbeits- und Bildungspolitik

Urban2Dr. Hans-Jürgen Urban stellt den Zusammenhang des Leitbildes mit aktuellen gewerkschaftspolitischen Handlungsansätzen und gesamtgesellschaftlichen Diskussionssträngen dar. Beruflichkeit wird insbesondere in ihrer Bedeutung für Arbeits- und Bildungspolitik diskutiert. Was hat das Leitbild mit guter Arbeit, mit Mindestlohn und Mindestqualifizierung und unseren Vorstellungen von sozialer und politischer Gerechtigkeit zu tun? […]

Georg Spöttl: Einspruch aus der Hochschule – Was für Bedenken gibt es?

Image0017Universitätsprofessor Georg Spoettl fragt, muss es einen vehementen Einspruch aus der Hochschule gegen das neue Leitbild geben? Es gibt heute schon reale Punkte zum andocken: Hybridstudiengänge, der Ausbau des Schulberufssystems, die Öffnung der Hochschulen, Duale Hochschulen, die Kombination dualer Ausbildung mit einem Hochschulabschluss. Grund genug, zu klären, ob es an den Hochschulen Bedenken gegen solche Ansätze gibt. […]

Jürgen Strauß: Erfahrungs- und Wissenschaftsorientierung sind unverzichtbar

StraußFür Jürgen Strauß zeichnet das Leitbild eine Reform-Perspektive für das berufliche Lernen im betrieblich dualen und im hochschulischen Bereich vor. Dennoch sei eine kritische Prüfung durch Bildungsexperten, Bildungspolitiker und -praktiker, durch Hochschulverantwortliche, Ausbilder, Betriebsräte etc. notwendig und auch erforderlich. Er geht in seinen Überlegungen zentral auf die Kategorien  Erfahrungsorientierung und Wissenschaftsorientierung ein und fragt: Wie wird im Leitbild mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden dieser Orientierungen umgegangen? […]

Eva Kuda/Angelika Puhlmann: Beruflichkeit – (k)ein männliches Projekt?

puhlmann_kudaKann das Leitbild „Erweiterte moderne Beruflichkeit“ der IG Metall dazu beitragen, Strukturen einer männlich geprägten Berufs- und Arbeitswelt zu verändern?, dieser Frage gehen Eva Kuda und Angelika Puhlmann nach. Das würde aus ihrer Sicht bedeuten, ausgrenzende und benachteiligende Verhältnisse in Frage zu stellen, Verbesserungen einzufordern und mit herbeizuführen. Wovon es letztendlich abhängen wird, ob das Leitbild auch innerhalb der Gewerkschaften zur Sensibilisierung und Mobilisierung für eine gendergerechte Berufs- und Arbeitswelt beitragen wird, ist noch offen. […]

Günter Kutscha: Bildungsreform und erweiterte moderne Beruflichkeit – Ein Blick zurück – ein Blick nach vorn

Kutscha_FotoFür Prof. Dr. Günter Kutscha ist es nur konsequent, die institutionellen Barrieren zwischen den bislang getrennten Bereichen der beruflichen Aus- und Fortbildung und des Hochschulstudiums nach und nach abzubauen, Durchlässigkeit konstruktiv zu gestalten und die Realisierung beruflicher Chancen beim Übergang von der Aus- und Fortbildung in den Hochschulbereich individuell zu fördern. Das Leitbild reklamiert hierfür zu recht das Bild von der „Reform aus einem Guss“. "Im Kern geht es darum, das Konzept der modernen Beruflichkeit auf den Hochschulbereich zu erweitern", so Kutscha in seinem Beitrag. […]

Philipp Grollmann: Beruflichkeit – deutscher Sonderweg oder Orientierungspunkt auf dem Weg der Europäisierung beruflicher Bildung?

grollmannIst der Beruf als strukturierendes Element von Bildungsgängen ein vom Aussterben bedrohtes deutsches Spezifikum? Dieser Frage geht Phillipp Grollmann nach. Während im internationalen Bildungsdiskurs  in den vergangenen Jahren die Tendenz zu erkennen ist, dass die Berufsbildung sich aus ihrem Schattendasein herausbewegt und zu einer Richtgröße in für nationale Bildungsdiskurse wird, befindet sich Deutschland durch Impulse aus dem internationalen Diskurs und durch den anhaltenden „Academic Drift“ und nachlassender Ausbildungsbereitschaft der Betriebe in einer „Akademisierungsdiskussion“. Das von der IG Metall vorgelegte Leitbild einer erweiterten, modernen Beruflichkeit ist ein wesentlicher Beitrag zu dieser Diskussion, die den Höhepunkt noch nicht gefunden hat. […]

Peter Faulstich: Es wird Zeit Beruflichkeit neu zu denken

FaulstichProf. Peter Faulstich ist von einem fest überzeugt: "Wir können über Berufsbildung nur sinnvoll reden, wenn wir die Perspektiven der Erwerbsarbeit im Auge behalten. Arbeit in der Form des Berufs sichert den Beschäftigten trotz der Tendenzen zu Prekarität noch am ehesten Arbeitsplatz und Einkommen und bietet Möglichkeiten, sich in der Arbeit wiederzufinden und zu verwirklichen." Faulstich glaubt, dass die betrieblichen und schulischen bzw. hochschulischen Anteile, die Prozesse der Kompetenzentwicklung sowie die Relation von wissenschaftlichem und erfahrungsbezogenem Wissen sich aufeinander zu bewegen können. […]

Das Interview: Bildung aus einem Guss ist eine realistische Perspektive

WalbaumFN9P0518Das duale Studium wird die Bildung an den Hochschulen und die betriebliche Berufsausbildung verändern. Und zwar zum positivem, davon ist Ferdinand Walbaum, Ausbildungsleiter Human Resources bei Siemens Professional Education (SPE) in Mülheim an der Ruhr, überzeugt. Im Interview mit DENK-doch-MAL Redakteur Dr. Klaus Heimann erläutert er, warum beide Bildungswege bestehen bleiben, aber die Chancen für Kooperationen wachsen. […]