AUSGABE 01-18

Akademisierung: Eine wirklich starke Herausforderung für Betriebe, Hochschulen und Gewerkschaften

Auf einmal heisst es, die Betriebe haben kein Interesse mehr an der Berufsausbildung. Sie decken ihren Fachkräftebedarf durch die wachsende Zahl von Hochschulabsolventen. Und noch schlimmer: Die Schulabsolventen verlieren ihre Sympathien für die Berufsausbildung und wollen lieber studieren. Zudem gewinnen Mischtypen – vor allem das duale Studium – zunehmend an Bedeutung. Die Folge ist naheliegend, man nennt es dann nicht mehr Verdrängung, sondern Substitution. Allerdings ist die Substitution, akademische Bildungsgänge ersetzen beruflicher Bildung, nur ein mögliche Entwicklung. Denkbar ist auch, dass die Arbeitslosenquote von Akademikern steigt und es kommt zu unterwertiger Beschäftigung. Akademisierung betrifft nicht nur die duale Berufsausbildung, auch die Hochschulen verändern sich. Wir wollen in dieser ersten Ausgabe von DENK-doch-MAL.de in 2018 den Blick auf einige Facetten der veränderten Bildungsströme richten. Was ist dran am Untergang der dualen Berufsausbildung? Und: Ist das duale Studium nicht eine sehr vielversprechende Alternative?

Tags: Duales Studium, Berufsausbildung, BIBB, IG Metall, ver.di,  Hochschulen, Digitalisierung, Akademisierung, Prof. Friedrich Hubert Esser, Theresia Bauer, Gewerkschaften

 


Uta Kupfer & Thomas Ressel: Akademisierung – Herausforderung für die Gewerkschaften?

Uta Kupfer und Thomas Ressel aus den Berufsbildungsabteilungen von ver.di und IG Metall fragen nach den Herausforderungen für die Gewerkschaften, wenn es um Akademisierung geht. Nachdem sie detailliert der Frage nachgegangen sind, welche Bildung unsere Gesellschaft braucht, treten sie für einen bildungsbereichsübergreifenden Reformdiskurs ein. Sie sprechen sich dabei für eine ganzheitliche Perspektive aus, die nicht einzelnen Bildungssäulen in den Blick nimmt, sondern einerseits Berufsbildung und Hochschulbildung und andererseits auch Ausbildung und Weiterbildung immer gemeinsam gestaltet. Für die berufliche Bildung ist nach ihrer Einschätzung eine Monitoringverfahren zu entwickelt und etablieren, um frühzeitig Veränderungsbedarf zu erkennen. […]

Uwe Elsholz & Ariane Neu: Akademisierung – Wie (re)agieren die Betriebe?

Prof. Dr. Uwe Elsholz und Ariane Neu, beide arbeiten an der Fernuni Hagen, gehen in ihrem Beitrag „Akademisierung: Wie (re)agieren die Betriebe?“ der Frage nach, wie sich betriebliche Qualifizierungsstrategien vor dem Hintergrund steigender Studierendenzahlen verändern. Sie berichten über den Zwischenstand aus einem von der Hans-Böckler-Stiftung gefördertem Projekt, in dem in drei Branchen (IT, Metall/Elektro und Einzelhandel) Gespräche mit betrieblichen Akteuren geführt wurden. Einen Akademisierungswahn oder auch –druck sind sie dabei nicht begegnet. Allerdings weisen sie auch darauf hin, dass so ganz spurlos der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen auch an den Unternehmen nicht vorbeigeht.   […]

BEITRÄGE ZU ANDEREN THEMEN

Auszug Koalitionsvertrag

Wenn die Bundesbürger entscheiden dürften, ginge ein Großteil der Investitionen der neuen Bundesregierung vor allem in den Bereich Bildung. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid für das Nachrichtenmagazin […]

Interview mit Nino Melashvili, Beraterin für Geflüchtete

Nino Melashvili, Beraterin im Integrations Point Essen berichtet, welche Erfahrungen sie in der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung bislang gesammelt hat. Seit einem Jahr hat sie ca. 450 Ratsuchende, vor allem in Essen und Bochum beraten. Im Interview berichtet sie, Erfolge stellen sich leider nicht immer so schnell ein. Manchmal dauert es etwas länger und sie muss lange im Prozess begleiten. In manchen Berufen geht es aber zum Glück flott: Ingenieursberufe zum Beispiel, oder auch die Zeugnisbewertungen bei rein akademischen Berufen. Die Ratsuchenden sind auf jeden Fall immer sehr dankbar für jede Art von Unterstützung und insbesondere wenn es klappt!

Lisanne Abouche, Ute Galonski, Elisabeth Maier, Reiner Siebert: Sieben Lebensgeschichten aus der Beratung

Lisanne Abouche, Ute Galonski, Reiner Siebert vom BiG Bildungsinstitut Im Gesundheitswesen und  Elisabeth Maier von ViA Ruhr e. V. beschreiben anhand von Fallbeispielen, wie die Praxis der Integration von Geflüchteten in Beschäftigung aussieht. Alle arbeiten gemeinsam im Projekt InCoach, das in Essen, Bochum, Duisburg und Oberhausen aktuell 500 Geflüchtete berät und betreut. Kern des Projekts ist eine umfassende Begleitung im Sinne des Case Managements, um die Geflüchteten personenzentriert zu begleiten und zu unterstützen. InCoach arbeitet in Duisburg eng mit dem DGB und ver.di zusammen und kann so auch Geflüchtete arbeitsrechtlich beraten oder Betriebsräte bei der betrieblichen Integration unterstützen. Die Fallbeschreibungen zeigen, welch hohes Maß an sozialer, rechtlicher und fachlicher Kompetenz der Berater und Beraterinnen erforderlich ist.