AUSGABE 04-20

Berufliche Erfahrung – Non-formale und informell erworbene Kompetenzen

Disruptive Veränderungen in der Arbeitswelt stellen die Berufsbildung vor einschneidenden Veränderungen. So oder so ähnlich lauten die Thesen in vielen Veröffentlichungen von Kommissionen, Beiräten, wissenschaftlichen wie politischen Publikationen und vor allem in Stellungnahmen und Reden. Es würden mehr Soft Skills, soziale wie personale Kompetenzen, vor allem aber auch digitale Kompetenzen und „green skills“ benötigt, um den Wandel in Arbeitswelt und Gesellschaft bewältigen zu können. Wenn es aber darum geht, diese Prognosen mit Umsetzungsperspektiven in der Berufsbildung zu verbinden, stoßen viele an Grenzen.

Hier der Überblick über die Ausgabe 04-2020

Falko Blumenthal, Malte Meyer: Anerkennung beruflicher Bildung – Instrument der Teilhabe und gewerkschaftliche Integrationspolitik

Ausgangspunkt des Beitrags von Falko Blumenthal und Malte Meyer sind die bereits gesetzlich verankerten Anerkennungsverfahren für ausländische Qualifikationen. Beide Autoren beschreiben aus ihrer fundierten Kenntnis des Projekts „Anerkannt!“, dass die bestehenden Verfahren der Berufsanerkennung von interessierter Seite dazu genutzt werden können, Beruflichkeit zu unterlaufen, Billigqualifizierungen zu fördern und schlechtere Entlohnung zu rechtfertigen. Andererseits machen sie aber mehr als deutlich, dass im Bereich der Anerkennung (und perspektivisch auch im Bereich geregelter Validierung) ein noch auszubauendes Gestaltungs- und Handlungsfeld für die gewerkschaftliche Arbeit besteht, um Teilhabe und Integration von Beschäftigten voranzutreiben und zu verbessern. […]

BEITRÄGE ZU ANDEREN THEMEN

Uwe Elsholz: Exemplarisches Lernen im Prozess der Arbeit – ein Validierungskonzept

Uwe Elsholz stellt dagegen ein Konzept vor, dass Validierung von im Arbeitsprozess erworbenen Kompetenzen im Rahmen eines didaktischen Umsetzungskonzepts zum Weiterbildungssystem der Elektrotechnik auf der Spezialistenebene der höherqualifizierenden beruflichen Fortbildung ermöglicht. Das Konzept dockt in seiner Konzeption am exemplarischen Lernen an und nimmt über individuelle, an konkreten betrieblichen Prozessen orientierte Qualifizierungsprojekte eine Validierung mit Bezug zum Rahmen des ET-Weiterbildungssystems vor. Dem vorgestellten Projekt gelingt damit das Kunststück, unterschiedliche non-formale und informelle Lernformen im Rahmen einer betrieblichen Weiterbildung mit einer Verallgemeinerung von betrieblichen Arbeitsprozessen zu an Beruflichkeit orientierten Handlungskompetenzen zu verbinden.

Franziska Laudenbach: Der Wandel der Arbeitswelt in Deutschland

Die vergleichende Perspektive bringt Franziska Laudenbach ein. Obwohl in Deutschland viel über den Wandel der Arbeitswelt und die Notwendigkeit von Weiterbildung gesprochen wird, ist es doch erstaunlich, wie wenig in diesen Diskussionen bisher die Anerkennung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen berücksichtigt wird. Dies ist umso unverständlicher, als andere europäische Länder gute Erfahrungen mit einer Aufwertung nicht formaler Kompetenzen haben und damit Verbesserungen der Arbeitsmarktlagen für Geringqualifizierte feststellbar sind. Deutschland kann also noch einiges von seinen Nachbarn lernen, wie Franziska Laudenbach an zwei Beispielen deutlich macht.

Simone Hocke: Validierung non-formal und informell erworbener Kompetenzen betrieblicher Interessenvertreter*innen

Den Abschluss macht Simone Hocke mit einer Darstellung der Validierungsverfahren für non-formal und informell erworbene Kompetenzen bei Mitgliedern von Betriebs- und Personalräten aus dem Projekt Spurwechsel. Aufgrund eines fehlenden Berufsbildes „Gepr. Mitglied eines Betriebsrats“ ergeben sich dadurch auch Hindernisse bei der Anerkennung der erfassten Kompetenzen. Als Lösung wurde daher der weiterbildende Masterstudiengang „Arbeit –Beratung – Organisation. Prozesse partizipativ gestalten“ entwickelt.