SONDERAUSGABE 2017

Geflüchtete in Bildung und Arbeit - Chancen, Hürden und Wege

Noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht. 2016 waren es 65 Millionen, die vor Krieg, Unterdrückung, Hunger und Armut unfreiwillig die riskanteste und oft lebensgefährliche Form der Migration wählen mussten. Von den 65 Millionen weltweit Geflüchteten sind seit 2015 ca. 1,1 Millionen Menschen nach Deutschland gekommen und haben Asyl beantragt. Nach der Phase der „Willkommenskultur“ mit den anschließenden reflexhaften „Überflutungs- und Überforderungszenarien“, sind viele Geflüchtete in den Mühen der Ebene zur Integration in den Arbeitsmarkt angekommen.

Die vorliegende Sonderausgabe von DENK-doch-MAL.de gibt einen Einblick in die konkrete Praxis der Beratung, Unterstützung und Begleitung von Geflüchteten in Ausbildung und Beschäftigung. Dies reicht von der Unterstützung beim Familiennachzug, über die Klärung des Aufenthaltsstatus, der Anerkennung beruflicher Abschlüsse, die Zusammenarbeit mit Jobcentern und Arbeitsagenturen. Weitere Aspekte sind die Auswirkungen aufenthaltsrechtlicher Regelungen auf die Ausbildung und Erwerbstätigkeit und wie die Anerkennung vorhandener Qualifikationen geregelt ist. Daraus ergeben sich Anforderungen für Gewerkschaften und Betriebs- und Personalräte, die auch in der Beratungs- und Bildungsarbeit aufgegriffen werden müssen.

Tags: Geflüchtete, Flüchtlinge, Willkommenskultur, Gewerkschaften, BiG-Bildungsinstitut,  InCoach, betriebliche Integration Geflüchteter

 

Lisanne Abouche, Ute Galonski, Elisabeth Maier, Reiner Siebert: Sieben Lebensgeschichten aus der Beratung

Lisanne Abouche, Ute Galonski, Reiner Siebert vom BiG Bildungsinstitut Im Gesundheitswesen und  Elisabeth Maier von ViA Ruhr e. V. beschreiben anhand von Fallbeispielen, wie die Praxis der Integration von Geflüchteten in Beschäftigung aussieht. Alle arbeiten gemeinsam im Projekt InCoach, das in Essen, Bochum, Duisburg und Oberhausen aktuell 500 Geflüchtete berät und betreut. Kern des Projekts ist eine umfassende Begleitung im Sinne des Case Managements, um die Geflüchteten personenzentriert zu begleiten und zu unterstützen. InCoach arbeitet in Duisburg eng mit dem DGB und ver.di zusammen und kann so auch Geflüchtete arbeitsrechtlich beraten oder Betriebsräte bei der betrieblichen Integration unterstützen. Die Fallbeschreibungen zeigen, welch hohes Maß an sozialer, rechtlicher und fachlicher Kompetenz der Berater und Beraterinnen erforderlich ist. […]

Birgit Naujoks: Beschäftigung von Flüchtlingen – Möglichkeiten und Hindernisse

Birgit Naujoks, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrats NRW, analysiert die aufenthaltsrechtlichen Regelungen in ihren Wirkungen auf Arbeitsmarktzugang und Arbeitserlaubnis. Sie zeigt auf, wie Aufenthaltstatus und Herkunftsland darüber bestimmen, ob Geflüchtete überhaupt eine Chance auf Erwerbstätigkeit haben. Dabei spielt nach wie vor die Vorrangprüfung bei einer zu besetzenden Stelle (Stellenbesetzung mit einem deutschem oder EU-Arbeitnehmer) eine große Rolle. Dies alles führt zu Wartefristen, die für die Betroffenen zur großen Belastung werden können. […]

BEITRÄGE ZU ANDEREN THEMEN

Codes, Chiffres, Zahlen – Rechtsextremismus erkennen

In der rechtsextremen Szene werden mehr oder weniger offen Symbole mit Bezug auf den Nationalsozialismus und die Wehrmacht verwendet. Daneben spielt auch die germanische Mythologie eine Rolle. Hinzu kommen Zeichen und Logos rechtsextremer Organisationen. Rechtsextreme Organisationen und Gruppierungen greifen oft auf Abkürzungen und Zahlencodes zurück.

Heribert Prantl: Zorn ist der Anfang für eine bessere Welt

Die europäische Union braucht das Vertrauen ihrer Bürger, dann erst bekommt sie neue Kraft. Damit die Bürger, nicht die Banker, in europäischen Schicksalsfragen das letzte Wort behalten, müssen sie sich einmischen. Autor Prof. Dr. Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, sagt: "Das europäische Haus braucht den Tempel-Zorn. Er beschreibt diesen Zorn, er grenzt ihn ab gegen blinde Wut, fordert sozialverträgliche, voranbringende Formen der Unruhe. Zorn so sagt er, ist der Anfang für bessere Welt, nicht lediglich die Voraussetzung für den Anfang."

 

Sonja Haug/Anja Stichs: Muslime in Deutschland

Hohe Einbürgerungsquoten und ein hoher Anteil in Deutschland geborener Muslime verdeutlichen, dass sie einen festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft bilden. Die differenzierte Betrachtung nach Herkunftsgruppen zeigt, dass Muslime weder generell […]