Ausgabe 01-17

Mehr als Fachlichkeit darf’s schon sein: Leeres Geschwätz oder ökonomische Notwendigkeit?

Schon gewusst? Ein zu enger Begriff von Bildung hilft wirklich nicht weiter

 

Ein zu enger Begriff von Bildung reicht nicht aus, um in der Arbeitswelt die notwendigen Anforderungen richtig zu beschreiben. Bildung muss darauf abheben, dass Menschen vielfältige Interessen haben, nicht nur die Begeisterung für Fachwissen. Selbst die Wirtschaft ist nicht mehr an einer zu engen fachlichen Qualifizierung interessiert. Vielleicht schafft Arbeiten 4.0 neue Chancen, aber auch Notwendigkeiten, für politische Bildung, Erfahrungslernen und für berufliches Lernen mit schwächeren Jugendlichen. Wichtig ist zu klären, wie der Sozialstaat die Veränderungen meistern kann: Wie viel und welche Bildung können und wollen wir uns erlauben? Der Aktionsrat Bildung der Bayerischen Wirtschaft hat ein Gutachten vorgelegt: Bildung. Mehr als Fachlichkeit. Genau diesen Punkt rücken wir in den Mittelpunkt dieser Ausgabe von DENK-doch-MAL.de. Lesen Sie was unser Interviewpartner und Autoren zu sagen haben.

Tags: Arbeit 4.0, Politische Bildung, Prof. Tippelt, Prof. Schroeder, Prof. Böhle, Bayerische Wirtschaft, Gutachten: Bildung. Mehr als Fachlichkeit, Sozialstaat, Bildung, Erfahrungslernen, schwächere Jugendliche

 

Rudolf Tippelt: Wir brauchen mehr Zeit für Allgemeinbildung

Im Gespräch mit Professor Dr. Rudolf Tippelt, der maßgeblich die Studie „Bildung. Mehr als Fachlichkeit“ geprägt hat, zeigt sich, dass Bildung im umfassenden Sinn auch bei Führungskräften einen höheren Stellenwert erhält, der enge Begriff von Qualifikationen nicht ausreicht, um in der Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft die Bildungsprozesse zu beschreiben. Bildung hebt darauf ab, dass Menschen breite Interessen haben, nicht nur Interesse an Fachwissen. "Die Wirtschaft ist keineswegs ausschließlich an einer engen fachlichen Qualifizierung interessiert", erklärt Tippelt im Interview mit Gerhard Endres.       […]

Fritz Böhle: Digitalisierung braucht Erfahrungswissen

Professor Dr. Fritz Böhle, einer der führenden Industriesoziologen der die Arbeitswelt umfassend, betriebsnah erforscht beschreibt, setzt weiterhin auf den Bildungsbegriff, der scheinbar ganz altmodisch daher kommt. Sein Plädoyer: Mit Verstand und allen Sinnen lernen. Arbeit im turbulenten Umfeld verbindet er mit der Kernfrage: Braucht Arbeit 4.0 erfahrungsbasiertes Wissen? […]

BEITRÄGE ZU ANDEREN THEMEN: Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit

Die Geschichte von Jan S.

Die Biographie von Jan S. ist in vielerlei Hinsicht typisch: Im Alter von 15 Jahren hat er zum ersten Mal losen Kontakt zur rechten Szene in seinem Heimatort in Schleswig-Holstein, anfangs noch locker, unorganisiert und unregelmäßig. Jan trifft sich mit den Rechtsradikalen zum Feiern, ohne politische Motivation. Der Kontakt intensiviert sich erst, als Jan von seinem Betrieb nicht unbefristet übernommen wird, sondern lediglich einen auf sechs Monate befristeten Vertrag erhält.

Interview mit Johannes Kiess: Jeder zehnte Azubi und Schüler ist ausländerfeindlich eingestellt

Im Rahmen der sozialpsychologischen "Mitte-Studie" an der Universität Leipzig werden seit 2002 im Zwei-Jahres-Rhythmus repräsentative Erhebungen zur rechtsextremen Einstellung in Deutschland durchgeführt.  Dabei ist ein starker Rückgang bei allen rechtsextremen Dimensionen zu verzeichnen. Es gibt weniger manifest rechtsextrem eingestellte Bürger, das gilt auch für Jugendliche. Gleichzeitig stieg die Abwertung bestimmter Gruppen an. DENK-doch-MAL Redakteur KLAUS HEIMANN sprach mit JOHANNES KIESS, einem der Autoren der Studie, über rechtsradikale Einstellungen bei Azubis und Schülern.

Aus der Praxis vor Ort: Bündnisse schmieden gegen Rechtsextremismus

Es gibt in Deutschland in vielen Regionen eine praktische Arbeit gegen Rechtsextremismus. An einem beliebigen Tag im Juni 2014 ist über zwei Aktionen zu berichten, die wir registrieren konnten. Die Arbeit in Wolfsburg und Nordhausen zeigen, wie vor Ort Arbeit „Gemeinsam gegen Rechtsextremismus“ aussehen kann.