Ausgabe 03-16

Das ist ein Muss – Digitalisierung und Facharbeit in Einklang bringen

Industrie und Arbeiten 4.0, digitale Revolution oder Big Data – läuten sie das „Ende der Arbeit“ ein? Verschwindet menschliche Arbeit durch die neuerliche Automatisierung von Produktionsprozessen und Dienstleistungen? Ist das die Zukunft: Die Auflösung des Normalarbeitsverhältnisses durch Cloud- und Crowdworking. Eingetauscht gegen einen (noch) weitgehend ungesicherten rechtlichen Status und prekären Arbeitsbedingungen. Gemeinsam ist den Szenarien die Ahnung, dass ein ungeregeltes Fortschreiten der Entwicklung der Digitalisierung, große Auswirkungen auf Qualität und Quantität von Arbeit hat.

Aber: Digitalisierung und Facharbeit, berührt nicht nur das Thema Verdrängung. Die Bildung ist ebenso betroffen. Zum einen sind Bildungsprozesse ein zentraler Ansatzpunkt, um Beschäftigungsfähigkeit in Zeiten der Digitalisierung zu erhalten. Insbesondere dann, wenn die Beschäftigten im Sinne guter Arbeit tätig und innovativ sein sollen. Zum anderen zeigt sich jetzt schon, dass Bildungsprozesse sich im Zuge der Digitalisierung verändern. Netzbasierte Lernprogramme ergänzen klassische Bildungsgänge. Sie können sich sogar als Substitute erweisen. Sind Hochschulen, Lehrwerkstätten und Bildungsträger in ihrer Existenz bedroht? Schwer zu sagen. In dieser Ausgabe von DENK-doch-MAL.de zur Digitalisierung und Facharbeit konzentrieren wir uns auf die Aspekte, Digitalisierung und Facharbeit.

Tags: Industrie 4.0, Arbeit 4.0, Digitalisierung, Thorben Albrecht, Hans-Jürgen Urban, Jörg Dräger, GIG-Ökonomie, Digitale Bildungsrevolution, Arbeitspolitik, Digitalisierung personenbezogener Dienstleistungen, E-Learning, Digitalisierung als europäisches Politikprojekt.

Hans-Jürgen Urban: Die Humanisierungsaktivisten müssen sich ihre Chancen erkämpfen

Nach Dr. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, ist die Berufsbildung ein Schlüsselelement, um das Potenzial für eine humane Digitalisierung zu erschließen. Er formuliert zehn Thesen, in denen die Eckpunkte einer Berufsbildungspolitik beschrieben werden, die die umfassenden Interessen der Beschäftigten an guter Arbeit und entsprechenden Arbeits- und Lernbedingungen zum Ausgangspunkt macht und die auf die Entfaltung der Humanisierungspotenziale digitaler Wertschöpfung zielt.     […]

Eric Daum & Ralf Meger: Standardisierte Prozesse und individualisierte Kundenanforderungen – ein (un)auflösbarer Widerspruch?

Dass die Telekom mit ihren Netzen nicht nur Macher der Digitalisierung ist sondern von deren Wirkung betroffen ist, zeigt Eric Daum, Vorsitzender Gesamtbetriebsrat Deutsche Telekom Kundenservice GmbH und Ralf Meger, Referent beim GBR Kundenservice. Digitalisierung führt zu neuen Geschäftsfeldern und -prozessen, damit bieten sich Chancen für das Unternehmen und deren Beschäftigte. Die Chancen sind aber kein Selbstläufer sondern müssen von den betrieblichen Vertretungen verhandelt werden. […]

BEITRÄGE ZU ANDEREN THEMEN: Menschliches Arbeiten und Lernen

Friedhelm Hengsbach: Risse im deutschen Bildungssystem

Die international vergleichenden Pisa- und Piaac- Studien zur Leistungsfähigkeit der Bildungsabsolventen erzeugen in der politischen Öffentlichkeit immer wieder neue eruptive Erregungszustände, ohne die strukturellen Risse der deutschen Bildungslandschaft zu benennen und ursachenangemessene und zielgerichtete Reformen anzustoßen. Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach identifiziert in seinem Beitrag drei Risse im deutschen Bildungssystem.

Sabine Pfeiffer: Erfahrungswissen, oder: Von der Bedeutung des sinnlichen Lernens in der „Wissensgesellschaft“

Gerade der Umgang mit immer mehr Abstraktionsgraden in virtuellen Umwelten braucht etwas, das wir alle kaum mit dem Abstrakten in Verbindung bringen – es geht um Erfahrung. Sinnliche Erfahrung in abstrakten Datenwelten? Ist das nicht eine veraltete Vorstellung in unserer auf kognitives Wissen gepolten Gesellschaft? Diesen Fragen geht Prof. Dr. Sabine Pfeiffer in ihrem Beitrag nach.

Axel Bolder: Work Life Balance

Arbeitspolitisch gesehen ergeben sich neue alte Arbeitsaufträge: Arbeitszeit-, genauer: Arbeitszeitgestaltungspolitik, seit Mitte der 1980er Jahre im Dornröschenschlaf, steht längst wieder auf der Agenda – und dies gewiss nicht nur bezogen auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das sind einige der Überlegungen die Dr. Axel Bolder in seinem Beitrag vorlegt.